Hamburg - LaBrassBanda können noch auf einen Start beim Eurovision Song Contest (ESC) in Malmö hoffen: Sollten sich die Plagiatsvorwürfe gegen die Gewinner des ESC-Vorentscheids Cascada bestätigen, werden am 18. Mai in Malmö vermutlich die bayerischen Blasmusiker auftreten. "Stellt sich bei einem Vorentscheid heraus, dass der Siegersong gegen Wettbewerbsregeln verstößt, so rückt üblicherweise der Zweitplatzierte nach", sagte ARD-Unterhaltungschef Thomas Schreiber SPIEGEL ONLINE. So sei es auch 1999 gewesen, als Corinna May disqualifiziert wurde. Die Sängerin war mit dem Titel "Hör den Kindern einfach zu" angetreten. Doch dieser war bereits mit anderem Text und anderem Sänger auf einer CD erschienen. Damals war die zweitplatzierte Band Sürpriz nachgerückt.
Cascada waren mit ihrem Song "Glorious" am Donnerstag in der ARD zum deutschen Beitrag für den Eurovision Song Contest 2013 gewählt worden. Schon kurz nach der Show gab es Stimmen, "Glorious" weise große Ähnlichkeit mit dem schwedischen Sieger-Titel des Vorjahres, "Euphoria", auf.
Der NDR lässt derzeit prüfen, ob es sich bei dem Song des Bonner Musikprojekts Cascada um ein Plagiat handelt. Schreiber sagte, er habe die Debatte im Internet verfolgt und es für richtig gehalten, ein objektives Gutachten einholen zu lassen. Er habe zwar eine erste Expertenmeinung vorliegen, die ein Plagiat verneint. Die Analyse sei jedoch von einem bekannten Musiker, der zwar an einer Hochschule lehre, jedoch keine gerichtsrelevanten Gutachten verfassen könne. Wann und von wem das Gutachten veröffentlicht wird, wollte Schreiber nicht mitteilen.
"Glorious" als Download gefragt
"Wir können die beiden Lieder gerne mal übereinanderlegen. Es sind zwei unterschiedliche Lieder", hatte Cascada-Frontfrau Natalie Horler auf die Vorwürfe geantwortet. Danach hielt sich die Sängerin mit Aussagen zurück. Weder sie noch ihr Management waren für ein Statement erreichbar, auch Cascadas Plattenfirma Universal Music äußerte sich zu den Vorwürfen bislang nicht. Für den Song "Glorious" hatten sich Cascada Unterstützung geholt: Laut Universal Music haben sie mit den Komponisten Andres Ballinas und Tony Cornelissen zusammengearbeitet. Die waren schon für Künstler wie Yvonne Catterfeld am Werk.
Diverse Musikexperten haben sich in der Diskussion zu Wort gemeldet. "'Glorious' wirkt wie eine Kopie von 'Euphoria' mit kleinen, raffinierten stilistischen Änderungen", sagte die Phonetikerin Tina John der "Bild am Sonntag". Die Zeitung hatte an der Kieler Universität ein Gutachten in Auftrag gegeben, das Ähnlichkeiten zwischen den beiden Titeln herausgefunden haben will. Laut Befund gibt es Parallelen beim Anfang, Refrain und Ende der beiden Lieder. Unter anderem seien der Gesang zu Beginn und die Akzentuierung im Refrain sehr ähnlich, hieß es demnach in der Analyse. ARD-Unterhaltungschef Schreiber sagte zu dem Gutachten: "Es ist sicher nicht vergleichbar mit dem, was wir in Auftrag gegeben haben."
Intro Euphoria
Intro Glorious
Refrain Euphoria
Refrain Glorious
Ende Euphoria
Ende Glorious
Es ist nicht die erste Kritik an den Bonnern: Der amerikanische Promi-Blogger Perez Hilton will 2011 Ähnlichkeiten zwischen Cascadas Song "San Francisco" und Katy Perrys "California Gurls" festgestellt haben.
Die Plagiatsspekulationen schaden dem Song zumindest bei der Zahl der Downloads nicht: "Glorious" sei der dritterfolgreichste Single-Download am Wochenende gewesen, teilte die Marktforschungsfirma Media Control mit. Demnach war "Glorious" auch erfolgreicher als die Titel "Nackert" der zweitplatzierten Bläser-Combo LaBrassBanda. Der Start in die deutschen Single-Charts war jedoch eher mäßig: "Glorious" stieg auf Platz 36 ein, wie Media Control bekanntgab.
gam/dpa
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