Polit-Rentnerin Cicciolina Üppige Pension für Schnuckelchen

Es war ein Job, der sich auszahlt: Cicciolina soll für ihre fünf Jahre im italienischen Parlament eine jährliche Pension von 39.000 Euro bekommen, lebenslänglich. Die Ex-Pornodarstellerin war Ende der achtziger Jahre gewählt worden - für eine einzige Amtszeit.

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Rom - Cicciolina hält gleich mehrere italienische Rekorde, die ihr niemand mehr nehmen kann: Sie war die erste Frau, die live im italienischen Fernsehen ihre Brüste entblößte. Nur sie nahm einen Song über das männliche Geschlechtsteil auf. Und dann bot sie Osama Bin Laden Sex an, wenn er dafür mit dem Terror aufhören würde.

Noch bekannter wurde Cicciolina als Politikerin. Sie, die Ungarin, die eigentlich Ilona Staller heißt, war von 1987 bis 1992 Mitglied des italienischen Parlaments und vertrat die kleine "Partito Radicale". Nach eigenen Angaben kämpfte sie gegen Nuklearenergie, für Menschenrechte und gegen den Hunger in der Welt.

Nun wurde bekannt, dass Cicciolina, das "Schnuckelchen", ab ihrem 60. Geburtstag im November eine Pension von 39.000 Euro im Jahr bekommt - bis zu ihrem Tod. Zahlen müssen die italienischen Steuerzahler.

Cicciolina, die in über 40 Porno-Produktionen mitgewirkt hatte, hatte während ihrer Zeit als Abgeordnete zahlreiche Gesetzes-Initiativen ins Parlament eingebracht. Der Staat sollte Liebes-Parks und -Hotels einrichten, in die Sexualaufklärung investieren und Häftlingen Besuche von Ehefrauen ermöglichen.

Die britische Tageszeitung "Guardian" konfrontierte Cicciolina nun mit ihrer üppigen Pension - aber Schnuckelchen zeigte keine Einsicht: "Ich habe es verdient und ich bin stolz darauf", sagte sie. "Alle ehemaligen Mitglieder des Parlaments bekommen eine Pension und da ist es nur fair, dass ich sie auch bekomme."

Die Wogen schlagen hoch in Italien - nicht nur wegen Cicciolina: Die Regierung stellt die Bürger auf schmerzhafte Einsparungen ein, um griechische Verhältnisse zu verhindern - und gibt 1,3 Milliarden Euro im Jahr für Politikergehälter aus.

1991, im vorletzten Jahr ihrer Amtszeit, heiratete Cicciolina den US-amerikanischen Objektkünstler Jeff Koons. Er schuf die Bilder- und Skulpturenserie "Made in Heaven", die das Paar beim Sex zeigte. Mit der Provokation wollte Koons dem Akt seine Ästhetik zurückgeben.

jbr



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