Prinz Harry über Dianas Tod "Ich stand wahrscheinlich kurz vor einem kompletten Zusammenbruch"

Prinz Harry hat professionelle Hilfe in Anspruch genommen, weil ihn der Tod seiner Mutter Diana in "totales Chaos" gestürzt habe. Jahrelang habe er keine Gefühle zugelassen, sagte der 32-Jährige nun in einem Interview.

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Fast zwei Jahrzehnte lang hat Prinz Harry den Tod seiner Mutter Prinzessin Diana verdrängt. In dieser Zeit habe er keine Gefühle zugelassen, sagte der 32-Jährige in einem Interview mit der britischen Zeitung "The Telegraph". In seinen Zwanzigern habe er schließlich ein "totales Chaos" durchlitten. Er habe "den Kopf in den Sand gesteckt", es abgelehnt, überhaupt an seine Mutter zu denken, und gedacht: "Es macht dich nur traurig. Sie wird davon nicht wieder lebendig."

Erst mit 28 Jahren habe er professionelle Hilfe in Anspruch genommen, nachdem er von anderen dazu ermutigt worden sei. Unter anderem habe er "große Unterstützung" von seinem älteren Bruder William erfahren. "Er hat mir immer wieder gesagt, etwas stimmt nicht, ich müsse mit jemandem reden, und dass das auch okay ist."

Harry war zwölf Jahre alt, als Diana und ihr Freund Dodi Al-Fayed am 31. August 1997 in Paris bei einem Unfall starben. Die Trauerfeier war weltweit übertragen worden.

Diana mit Prinz Harry 1988
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Diana mit Prinz Harry 1988

"Ich wusste nicht, was mit mir nicht stimmte"

Erst vor Kurzem habe er sich mit der Trauer um seine Mutter und dem Druck auf ihn als Mitglied der königlichen Familie auseinandergesetzt, sagte Harry im "Telegraph"-Interview. "Ich weiß überhaupt nicht, wie wir (Royals) normal bleiben. Ich habe keine Geheimnisse, ich stand wahrscheinlich bei zahlreichen Gelegenheiten kurz vor einem kompletten Zusammenbruch", gestand der Prinz.

Nach einigen Gesprächen sei all der Schmerz plötzlich herausgekommen und "ich habe dann gemerkt, dass es viele Dinge gibt, mit denen ich mich dringend auseinandersetzen muss." Harry sagte, er empfinde es als große Glück, dass er nur zwei Jahre totales Chaos durchlitten habe. "Ich wusste einfach nicht, woran es lag. Ich wusste nicht, was mit mir nicht stimmte."

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Prinzessin Diana und Prinz Harry: Mutter und Sohn

Neben der professionellen Behandlung habe ihm der Boxsport sehr geholfen, räumte Harry weiter ein. "Es ist wirklich gut, um Aggressionen herauszulassen. Das hat mich wirklich gerettet." Und als er angefangen habe, über seine Gefühle zu sprechen, habe er festgestellt, dass er "Teil eines ziemlich großen Klubs" sei und andere ermutigt, sich zu öffnen.

"Was wir versuchen, ist, die Unterhaltung zu normalisieren, dass sich jeder hinsetzen, einen Kaffee trinken und sagen kann: 'Weißt du was, ich hatte einen echt beschissenen Tag. Kann ich dir davon erzählen?'"

Harry sagte, er habe sich entschlossen, so offen über seine Vergangenheit zu reden, um psychische Probleme zu entstigmatisieren. Ihm selbst gehe es mittlerweile gut.

"Schweigen macht alles nur noch schlimmer"

Der Prinz wies auch Spekulationen zurück, dass er psychische Probleme wegen seines Afghanistaneinsatzes gehabt habe. "Ich kann mit Sicherheit sagen, dass es nichts mit Afghanistan zu tun hat. Ich bin keiner von denen, die mit ansehen mussten, wie ihre Kameraden neben ihnen starben. Zum Glück." Vielmehr habe seine Arbeit in einer Rettungseinheit in Afghanistan ihm geholfen, ernsthafte psychische Erkrankungen besser zu verstehen.

"Ich weiß jetzt, das Reden über die eigenen Probleme einen großen Wert hat, Schweigen macht alles nur noch schlimmer", sagte Harry. "Nicht nur für einen selbst, sondern auch für alle anderen um dich herum." In seinen Zwanzigern sei er für andere ein Problem gewesen und er habe nicht gewusst, wie er damit umgehen sollte.

Der Prozess der vergangenen zweieinhalb Jahre habe es ihm ermöglicht, seine Arbeit und sein Privatleben ernst zu nehmen. "Ich kann jetzt Blut, Schweiß und Tränen in die Dinge stecken, die etwas verändern, und in die Dinge, die etwas für jeden anderen verändern."

Im vergangenen Jahr hatte Harry zusammen mit seinem Bruder William und dessen Frau Kate die Initiative "Heads Together" gegründet, die sich dafür einsetzt, Stigmata rund um psychische Krankheiten zu beseitigen.

max/AFP



insgesamt 22 Beiträge
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Seite 1
scxy 17.04.2017
1. d'accord
Gut gesagt, gut getan. Es sind Worte und Taten eines guten Mannes. Sie lösen bei mir die Blockade, für Dianas Tod Trauer zu empfinden. Ihren Söhnen gegenüber ist er natürlich eine Grausamkeit erster Güte. Nachträglich mein aufrichtiges Beileid.
andros0813 17.04.2017
2.
um so verständlicher müsste es für ihn sein, flüchtlingen, die ein ähnliches schicksal haben, eben auch diese hilfe zukommem zu lassen..
lilsue66 17.04.2017
3. Traumata...
...und ihre Folgen gehören dringend entstigmatisiert. zuviele Menschen müssen darunter leiden.
Pfaffenwinkel 17.04.2017
4. Mit zwölf Jahren
den Unfalltod der Mutter erleben zu müssen, war sicher schwer. Und es nahm ja kein Ende, jahrelang wurde darüber immer wieder berichtet und spekuliert. Er hätte früher professionelle Hilfe gebraucht.
volkerrachow 17.04.2017
5. Respekt Harry
Ich weiß, wo von er spricht und kann nur alle ermutigen, professionelle Hilfe zu suchen und zu nutzen, wenn das Leben diese erfordert.
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