Pazifikreise von Harry und Meghan Britische Charmeoffensive

Australien, Fidschi, Tonga, Neuseeland: 16 Tage waren Prinz Harry und Herzogin Meghan auf Dienstreise und machten beste Werbung für das Königshaus. Was erregte besonders viel Aufsehen - und was bleibt von ihrem Besuch?

Royaler Besuch am Bondi Beach in Sydney
DAN HIMBRECHTS/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Royaler Besuch am Bondi Beach in Sydney

Von , Sydney


Nun ist Schluss. Nach 16 Tagen voller Termine, Händeschütteln, Lächeln und Redenhalten geht es für den Herzog und die Herzogin von Sussex am Donnerstag wieder zurück nach Großbritannien. In den vergangenen Tagen haben die beiden ein straffes Programm absolviert: Los ging es am 16. Oktober in Sydney, es folgten mehrere Stationen in Australien, auf Fidschi, Tonga und zuletzt in Neuseeland. Ein Überblick über die Höhepunkte der Pazifikreise.

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Das Baby

Es war DIE Nachricht der Reise. Nur wenige Stunden nach der Ankunft des Paares in Sydney meldete der Kensington Palast in London: Die Herzogin von Sussex ist schwanger, das Kind soll im Frühjahr auf die Welt kommen. Das Interesse am Thema ließ während der gesamten Reise nicht nach. Wie geht es der Schwangeren? Kann sie alle Termine wahrnehmen? Und sieht man schon einen Babybauch?

"Wir hätten uns keinen besseren Ort aussuchen können, um die Nachricht zu verbreiten", sagte Prinz Harry in Sydney - und schmeichelte damit dem Gastgeber. Schon zum ersten offiziellen Termin bekamen er und seine Frau Babyschuhe und ein Stoffkänguru geschenkt, weitere Gaben für das Baby folgten.

Achso, und um die Fragen zu beantworten: Die Herzogin wirkte fit. Einige Termine musste sie allerdings absagen. Und mit etwas Fantasie konnte man einen kleinen Babybauch erkennen.

Die Spiele

Der offizielle Grund für die Reise waren die Invictus Games für kriegsversehrte Soldaten. Prinz Harry hat den Sportwettbewerb mit ins Leben gerufen, er wurde erstmals 2014 veranstaltet. In diesem Jahr war Sydney Austragungsort, es kamen mehr als 500 Teilnehmer aus 18 Nationen. Um die Aktion zu bewerben, war auch Invictus-Botschafter David Beckham mit seiner Familie nach Sydney gereist.

Die Spiele gingen am Samstag zu Ende: Prinz und Herzogin sahen sich das Rollstuhl-Basketballfinale zwischen den USA und den Niederlanden nicht von den VIP-Rängen, sondern auf der Zuschauertribüne an. Anschließend übergaben sie die Goldmedaillen an die US-Athleten. Es ist nicht übertrieben zu sagen: An den Royals gab es deutlich mehr Interesse als an den Invictus Games.

Die Botschaften

Wiederholt sprach Prinz Harry auf der Reise ein sehr persönliches Thema an: psychische Gesundheit. Im vergangenen Jahr machte er öffentlich, dass er Jahre nach dem Tod seiner Mutter Diana professionelle Hilfe in Anspruch genommen habe. Darauf kam er auch im australischen Dubbo zu sprechen, einer Stadt, die seit Jahren unter Dürre leidet. Um Hilfe zu bitten "war eine der besten Entscheidungen, die ich je getroffen habe", sagte Harry - auch mit Blick auf höhere Suizidraten in ländlichen Gegenden Australiens.

Am Bondi Beach in Sydney und später auch im neuseeländischen Wellington trafen sich die prominenten Besucher mit Jugendlichen und Aktivisten, die Betroffenen helfen. "Jeder braucht jemanden, an den er sich wenden kann", sagte Harry dabei. Und in seiner Abschlussrede bei den Invictus Games sagte er, das Geheimnis hinter dem Erfolg der Spiele sei es, "zu akzeptieren, dass psychische Gesundheit der Schlüssel zur Besserung ist".

Herzogin Meghan hielt ihre erste öffentliche Rede an der University of the South Pacific in Suva auf Fidschi. Sie sprach über die Bedeutung von Bildung für Frauen und Mädchen und berichtete, wie hart sie arbeiten musste, um sich ihr Studium zu finanzieren - mit Stipendien, staatlicher Unterstützung und Nebenjobs. "Es war ohne Frage jede Mühe wert." Aufmerksamkeit bekam auch ihre Rede in Wellington, dort sprach sie bei einer Feier zum 125. Jubiläum des Frauenwahlrechts in Neuseeland. "Beim Frauenwahlrecht geht es um Feminismus. Und beim Feminismus geht es um Fairness."

Die Outfits der Herzogin

Es waren gute Tage für Karen Gee, Martin Grant, Dion Lee oder Outland Denim: Die australischen Designer und Marken standen dank Herzogin Meghan im Rampenlicht, sie wählte mehrfach Kleidungsstücke lokaler Modemacher. Das cremefarbene, knielange 1285-Dollar-Kleid beispielsweise, das sie bei ihrem ersten Auftritt in Sydney trug, war von Karen Gee - und die Website der Designerin brach anschließend unter dem Ansturm zusammen. Es war ein wiederkehrendes Phänomen. (Wenn Sie mehr zu Meghans einzelnen Kleidungsstücken erfahren wollen: Die australische "Vogue" hat hier jedes einzelne Outfit aufgelistet.)

In einigen Klatschmagazinen war von zwei "Mode-Fauxpas" die Rede. Zum einen war damit das Reformation-Kleid gemeint, das Meghan zu ihrem Besuch auf Fraser Island trug und das durch einen Beinschlitz den Blick auf ihren linken Oberschenkel freigab. Zu viel Beinfreiheit für ein Mitglied der königlichen Familie? Gar ein Protokollverstoß? Die Antwort war schnell gefunden: Nein. Die Diskussion ebbte rasch wieder ab.

Zum anderen war da ein Vorfall in Fua'amotu im Inselstaat Tonga, als die Herzogin das Flugzeug verließ. Da war doch... Da baumelte doch... Kann das wirklich sein? Ja, konnte es: Am unteren Saum ihres roten Self-Portrait-Kleides hing deutlich sichtbar ein weißes Etikett. Dass schon das mancherorts ernsthaft als Mode-Fauxpas verbucht wurde, sagt viel darüber aus, wie souverän die Auftritte der Herzogin waren.

Die Kritiker

Das Paar wurde auf den Stationen seiner Reise vor allem wohlwollend empfangen, größere Protestaktionen blieben aus. Am ehesten hätte man sie wohl noch in Australien erwartet, im Land gibt es zahlreiche Monarchiegegner, die sich gern von der britischen Krone lossagen würden. Entsprechende Volksbefragungen scheiterten in der Vergangenheit allerdings.

Anlässlich des royalen Besuches fragte CNN: "Australien liebt Prinz Harry und Meghan - aber ist es Zeit für eine Republik?" Die kurze Antwort: Derzeit sieht es nicht danach aus. Oppositionsführer Bill Shorten von der Labor-Partei verschaffte dem Thema Mitte vergangenen Jahres noch mal Aufmerksamkeit. Er kündigte an, sich für die Abschaffung der Monarchie stark zu machen, sollte er bei den Wahlen im kommenden Frühjahr gewinnen. Damit könnte er einige Stimmen holen. Große Erfolgsaussichten hat sein Vorhaben allerdings nicht.

Die Fans

Wo immer Meghan und Harry öffentlich auftraten - die Royal-Fans waren schon da, oft zu Tausenden. Diese Begegnungen stachen besonders hervor:

  • Die Soldaten-Witwe: Daphne Dunne hat Prinz Harry bereits zwei Mal getroffen, nun wollte sie sich in Sydney das dritte Mal nicht entgehen lassen. Als er sie in der Menge sah, kniete er sich zu der 98-Jährigen hinunter, plauderte mit ihr und stellte ihr seine Frau vor. Die sei "genau, was Harry braucht", soll Dunne später gesagt haben.
  • Der Bartstreichler: Als das Paar in der australischen Kleinstadt Dubbo ankam, bahnte sich der fünfjährige Luke Vincent seinen Weg zu den prominenten Besuchern - und wollte gar nicht mehr loslassen. Er streichelte dem Prinzen mehrfach über den Bart, überreichte der Herzogin Blumen und umarmte beide innig.
  • Die Nudelkette: Der sechsjährige Gavin Hazelwood überreichte Herzogin Meghan in Melbourne ein Halsband, auf das er goldgefärbte Nudeln gefädelt hatte. Die Herzogin hing sich das "Schmuckstück" um den Hals - und inzwischen verkauft der Junge die Nudelketten mit Hilfe seiner Mutter online, die Einnahmen spendet er für medizinische Forschung.
  • Die Umarmung: "Du bringst mich in Schwierigkeiten", sagte Prinz Harry mit einem Lächeln. Da hatte er gerade das Protokoll gebrochen - und eine Jugendliche umarmt, die in Melbourne stundenlang auf seine Ankunft gewartet hatte. "Bin hier seit 4 Uhr. Liebe dich seit ich 8 bin", stand auf dem Schild von India Brown. · Der Prinz sah es, las es - wenig später kam es zur Umarmung. Und bei Brown zu vielen Freudentränen.


insgesamt 2 Beiträge
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dasfred 31.10.2018
1. Bevor die Nörgler kommen
Ich finde es gut, dass SPON ausführlich berichtet. Harry und seine Familie sind Personen der Zeitgeschichte, die das Leben manches Lesers seit Jahrzehnten begleiten. Sie sind vielen vertrauter als die eigenen Nachbarn und haben eine wichtige Funktion in der Selbstdarstellung der Briten.
heinz.murken 31.10.2018
2. Absolut richtig #1
Die Menschen wählen sich heute ihre Staatsoberhäupter selber und das schließt königliche Familien ein. Wenn man fragen würde, ob die Deutschen mit Steinmeier glücklicher sind oder die Bewohner des Empire, äh Commonwealth mit Familie Windsor, ich glaube, eine übergroße Mehrheit des Commonwealth ist so wie es ist zufriedener als die meisten Deutschen. Der Identifizierungsgrad mit dem Staatsoberhaupt ist bei uns auf jeden Fall geringer! Falls sich also gleich wieder eingefleischte Republikaner in Schnappatmung melden: seid tolerant und akzeptiert, dass nicht nur im UK, sondern auch down under die Menschen sich freiwillig für ihre Monarchie entscheiden.
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