Verlobung mit Prinz Harry Die menschliche Markle

Sie ist Schauspielerin, schreibt einen Lifestyle-Blog und setzt sich für Frauenrechte ein - Meghan Markle wird bald zum britischen Königshaus gehören. Was das bedeutet, bekam sie schon früh zu spüren.

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Großbritannien darf sich auf eine royale Hochzeit im Frühjahr 2018 freuen. Prinz Harry, 33, und seine Freundin, die US-Schauspielerin Meghan Markle, haben sich verlobt. Hand in Hand und bestens gelaunt traten die beiden am Nachmittag im Garten des Kensington-Palasts vor die Kameras.

Dass es Henry Charles Albert David of Wales - genannt Harry - ernst mit der 36-Jährigen meint, wurde vor ziemlich genau einem Jahr deutlich. Wochenlang war beinahe täglich über die neue Liebe spekuliert worden. Dann bestätigte der Palast die Beziehung zu Markle in einer ungewöhnlichen Stellungnahme, die eigentlich eine Abrechnung mit den Boulevardmedien war.

"Seine Freundin ist Opfer einer Welle von Beschimpfungen und Belästigungen geworden", hieß es in der Mitteilung. Von einer "Hetzkampagne auf der Titelseite einer nationalen Zeitung" war ebenso die Rede wie von "unverblümten Sexismus und Rassismus". So wurde in einem Boulevardblatt über die Vorzüge ihrer "exotischen DNA" geschrieben.

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Prinz Harry und Meghan Markle: Verliebt, verlobt und bald verheiratet

Markles Mutter ist Afroamerikanerin, arbeitete als Sozialarbeiterin. Ihr Vater, ein Weißer, war als Beleuchtungsspezialist beim Fernsehen tätig. Markle selbst sagt, sie sehe sich inzwischen als "starke und von sich selbst überzeugte Frau gemischter Herkunft".

Reporter hätten versucht, in die Wohnung Markles einzudringen, hätten ihren Ex-Freunden Geld für Informationen geboten, hätten nahezu jeden Freund und Arbeitskollegen mit Anfragen bombardiert, beschwerte sich Harry im vergangenen November. Spätestens da dürfte Markle klar gewesen sein, was es bedeutet, mit einem britischen Prinzen liiert zu sein. Selbst für eine Schauspielerin, die selbst einige Bekanntheit erlangt hat.

Geboren wurde Markle 1981 in Los Angeles. Sie studierte Theaterwissenschaften und Internationale Beziehungen an der Northwestern University, einer privaten Hochschule im US-Bundesstaat Illinois. Bald bekam sie erste kleine Rollen in Film und Fernsehen, unter anderem in den Serien "General Hospital" und "90210".

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Verlobung: Harry und Meghan im Garten

"Ich bin eine Schauspielerin, Autorin, Herausgeberin meines Lifestyle-Labels 'The Tig', eine ziemlich gute Köchin und ich glaube an handschriftliche Briefchen." So beschrieb sich Markle in der Zeitschrift "Elle" jüngst selbst. Das alles zeichne "ein ziemlich solides Bild" von ihr. Als Schauspielerin war sie hauptsächlich Fans der Anwaltsserie "Suits" bekannt, in der sie seit 2011 mitspielte. Für die Serie zog Markle nach Toronto.

Von 2011 bis 2013 war sie mit dem Filmproduzenten Trevor Engelson verheiratet. 2013 startete sie ihren Lifestyle-Blog und schrieb bis April 2017 über Mode, Essen, Schmuck, Frauenrechte, Politik und das Leben im Allgemeinen. Die breite Öffentlichkeit nahm von alldem lange Zeit kaum Notiz.

Doch ihre Beziehung zu Prinz Harry machte Markle auf einen Schlag zur meistgegoogelten Schauspielerin 2016.

Video: Hochzeit im Frühjahr

Es dauerte fast ein weiteres Jahr, bevor sich Meghan Markle erstmals öffentlich zu ihrer Beziehung äußerte. "Letztendlich ist es ganz einfach. Wir sind zwei Menschen, die glücklich und verliebt sind", sagte sie Anfang September der US-amerikanischen "Vanity Fair". Die Beziehung habe sie nicht verändert: "Ich bin immer noch derselbe Mensch, und ich habe mich noch nie über meine Beziehungen definiert."

Einige Monate sei es gelungen, ihre Beziehung geheim zu halten. Das plötzliche Scheinwerferlicht sei dann allerdings eine große Herausforderung gewesen, sagte Markle. "Das kommt in Wellen, manchmal ist es anstrengender als an anderen Tagen." Die Wellen dürften bis zur Hochzeit im kommenden Frühjahr - und wohl auch danach - nicht kleiner werden.

Doch Markle, so scheint es, kann auf die Unterstützung des Hofes hoffen - ist sie doch auch ein Symbol für dessen Wandel. Eine geschiedene bürgerliche US-Amerikanerin, die in das britische Königshaus einheiratet? 1936 war dieser Schritt von Wallis Simpson noch so skandalös, dass ihr Mann König Edward VIII. abdanken musste.

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Und bis vor gar nicht allzu langer Zeit wäre hinter den Kulissen wohl versucht worden, solch eine Beziehung mit aller Macht zu verhindern. Nun teilte der Buckingham-Palast mit, Queen Elizabeth II. und Prinz Philip seien "außer sich vor Freude für das Paar und wünschen ihnen alles Glück".

Am Hof soll Markle für ihren Einsatz für Frauenrechte - inzwischen auch im Auftrag der Vereinten Nationen - geschätzt werden. "Frauen müssen mit am Tisch sitzen", forderte sie in einer Rede zum Internationalen Frauentag 2015. "Und wenn ihnen dieser Platz verweigert wird, dann müssen sie ihren eigenen Tisch eröffnen."

Auf Dianas Spuren

Eine Haltung, die Markle offenbar schon sehr früh entwickelte. Sie selbst erzählte, wie sie sich als Elfjährige über eine Spülmittelwerbung ärgerte. Diese habe Frauen als Heimchen am Herd dargestellt, worüber die kleine Meghan sich in einem Brief bei der damaligen First Lady Hillary Clinton und anderen einflussreichen Frauen beschwert habe. Laut Markle mit Erfolg: Die Werbung sei geändert worden.

Britischen Medien zufolge ist es wahrscheinlich, dass Markle durch die Hochzeit zur Herzogin wird. Ihr künftiger Mann hat in den vergangenen Jahren einen Imagewandel durchgemacht. Der ehemalige "Party-Prinz" machte in jungen Jahren durch Skandale und Frauengeschichten auf sich aufmerksam. Sein Auftritt auf einem Kostümfest mit Hakenkreuzbinde, seine Nachtklub-Exzesse, seine Nackt-Party in Las Vegas - das ist inzwischen lange her und fast vergessen.

Mittlerweile unterstützt der 33-Jährige, der zweimal mit den Streitkräften in Afghanistan war, Kriegsveteranen, HIV-infizierte Kinder und psychisch Kranke. Viele Briten zieht er mit seiner offenen Art und Herzlichkeit in den Bann - wie einst seine Mutter Diana.

Auch Markle engagiert sich für wohltätige Zwecke und arbeitet als Botschafterin für die Hilfsorganisation World Vision Canada. So waren die von Harry ins Leben gerufenen "Invictus Games" - ein Sportwettkampf für verwundete Veteranen - Ende September in Toronto eine gute Gelegenheit für den Prinzen und seine künftige Frau, sich erstmals als Paar in der Öffentlichkeit zu zeigen: tuschelnd, turtelnd, Händchen haltend.

wit/dpa/AFP

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