Protest gegen Vietnam-Krieg: QVC erteilt Jane Fonda Absage

Ungebetener Gast: Jane Fonda setzt sich ein für ein aktives Leben jenseits der 60, mit ihren Fitnesstipps verdient sie Millionen. Nun wollte sie ihr neues Buch beim Shopping-Sender QVC vertreiben. Doch der lud sie aus - wegen eines Vorfalls, der 40 Jahre zurückliegt. 

Jane Fonda: Nichts war's mit der Prime Time Fotos
AP

Hamburg - Jane Fonda hat ein neues Buch über das Altern geschrieben, es geht um Freundschaften, Fitness, Liebe und Sex jenseits des Renteneintrittsalters. Sie hat es "Prime Time" genannt. Vielleicht ist ein wenig Verklärung dabei, Fonda ist 73.

Sicher ist: Fonda, Schauspielerin, Fitnessguru und pazifistische Aktivistin, würde gerne möglichst viele ihrer Bücher verkaufen. Deshalb tingelt sie derzeit durch die Sender und Buchläden. Eine wichtige Station ist der US-Shopping-Kanal QVC. Schließlich sind die Chancen hoch, dass diesen viele Menschen sehen, die jenseits der 60 sind, viel Zeit haben und offenbar nicht so recht wissen, was sie mit ihr anfangen können. Immerhin schauen sie QVC.

Am Samstag sollte Fonda ihr Buch in einer Show von QVC, der auch in Deutschland Waren vertreibt, vorstellen dürfen. Doch der Sender ließ sie nicht, er lud sie aus. Auf ihrer Internetseite schreibt Fonda, QVC habe viele Anrufe von Zuschauern bekommen, die Fonda aufgrund deren Protest am Vietnam-Krieg kritisierten. Die Leute drohten, sie würden den Sender boykottieren.

Fonda war in den siebziger Jahren nach Nordvietnam gereist und hatte sich mit Vehemenz gegen den US-Einsatz in dem asiatischen Land eingesetzt. Dabei ließ sie sich unter anderem vor einem Luftabwehrgeschütz fotografieren, das auch gegen US-Jets eingesetzt wurde. Diese Bilder brachten ihr den Spitznamen "Hanoi Jane" ein - und in der Heimat eine Menge scharfe Kritik. Sogar von Verrat war die Rede.

Sender liefert keine offizielle Begründung

"Ich bin, um es vorsichtig auszudrücken, tief enttäuscht, dass QVC diesem Druck nachgibt, der von kapitalkräftigen und gut organisierten Extremisten aufgebaut wird", schrieb Fonda. Der Sender habe vor der Bekanntgabe der Ausladung nicht mit ihr gesprochen. Auch sonst gibt er sich schweigsam: Eine offizielle Begründung steht noch aus.

Der Sender teilte lediglich mit, Fondas Auftritt sei durch eine Programmänderung entfallen. Man habe rund 22.000 Gäste im Jahr, es sei nicht unüblich, dass sich da mal etwas verändere.

Fonda wehrte sich gegen Anfeindungen der politisch Rechten, die ihr fehlenden Patriotismus vorwerfen. "Nichts davon ist wahr, ich liebe mein Land." Nun hätten ihre Kritiker vielen Menschen die Chance genommen, "von einem Buch zu hören, das ihr Leben besser, einfacher und erfüllender machen kann". Und, na klar, ihr Portemonnaie ein wenig voller.

bim

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