Proteste gegen Regierung in Frankreich: Bruni schiebt CD-Veröffentlichung auf

"Musik für die Massen" heißt ein Album der Popband Depeche Mode, doch in Frankreich gilt dieses Prinzip offenbar nicht: Nach dem Bericht einer Zeitschrift wurde die Veröffentlichung der neuen Carla-Bruni-CD verschoben. Man fürchtet offenbar den Unmut des Volkes.

Carla Bruni-Sarkozy: Ein weiblicher Don Juan Fotos
AFP

Hamburg - Mehr als eine Million Menschen gingen am Donnerstag in Frankreich auf die Straße. Sie protestierten gegen die geplanten Reformen des derzeit alles andere als beliebten Präsidenten Nicolas Sarkozy, die sie mit dramatischen Einschnitten und sozialen Ungerechtigkeiten verbinden. Streiks legten das Land lahm. Und dann erfuhr die Nation auch noch, wie knapp die erste Frau im Staate, das singende Ex-Model Carla Bruni, einem PR-Desaster entgangen war.

Die eigentlich für ihre engen Beziehungen zum Präsidentenpaar bekannte Zeitschrift "Paris Match" berichtete, dass Berater des konservativen Politikers die Sängerin von der baldigen Veröffentlichung ihres vierten Albums abgehalten hätten. Die Feindseligkeiten gegen Nicolas Sarkozy seien derzeit zu groß, hieß es demnach. Offenbar war Madame Bruni das noch gar nicht aufgefallen.

Die britische "Times" verglich die 43-Jährige daraufhin mit der französischen Königin Marie Antoinette (1755-1793), der man nachsagte, sie habe den hungernden Massen im Jahr der Revolution empfohlen, doch einfach Kuchen zu essen, wenn sie kein Brot hätten - was ihre Beliebtheit im Volk nicht unbedingt steigerte. Die glücklose Monarchin endete auf dem Schafott.

Mehr als 200 Jahre später fragt "Paris Match" in Bezug auf Bruni: "Frankreich leidet und Madame singt. Wie wird das bei den Wählern ankommen?"

Streit am Set?

Brunis Lager dementierte den Bericht des Blattes. Es habe keine Verschiebung gegeben, sagte eine Sprecherin der "Times", das Album sei noch im Entstehen begriffen, ein Studiotermin stehe noch gar nicht fest.

"Paris Match" meldete außerdem, am Set eines Woody-Allen-Filmes sei es zu einer Auseinandersetzung zwischen den Eheleuten Bruni-Sarkozy gekommen. Der Präsident habe seine Frau gegen Mitternacht mit nach Hause nehmen, Allen die Dreharbeiten jedoch fortsetzen wollen. Daraufhin hab es Streit gegeben. Der Regisseur wies den Bericht zurück.

Zwei der neuen Bruni-Songs könnten den Präsidenten laut "Times" zusätzlichen Ärger bescheren. "Raymond" sei eine Parodie auf das Leben als Staatsoberhaupt, ein anderes Lied beschäftige sich mit dem Thema der nationalen Identität. Damit hatte sich Sarkozy in diesem Jahr bereits verhoben. Ihm wurde vorgeworfen, mit einer ausländerfeindlichen Kampagne auf Stimmenfang gegangen zu sein.

jdl

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