Die Queen und der Trump-Besuch Broschenspiele

Elizabeth II. trug beim Trump-Besuch in Großbritannien verschiedene Broschen - und hat damit Spekulationen entfacht: Steckten hinter der Auswahl versteckte Botschaften?

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Freundlich lächeln, höflich plaudern - und unpolitisch bleiben. Das ist die Aufgabe der britischen Königin, und diese Herausforderung hat Queen Elizabeth II. in all den Jahrzehnten ihrer Regentschaft souverän bewältigt, egal welche Politiker sie empfing und wie ungehobelt die sich benahmen. So wie es von ihr erwartet wurde, blieb sie stets neutral. Oder etwa nicht?

Nach dem denkwürdigen Besuch von US-Präsident Donald Trump in Großbritannien mehren sich in sozialen Netzwerken Zweifel, ob nicht selbst treueste Anhänger der britischen Monarchie die Queen in puncto subtile Kommunikation unterschätzt haben.

Hat Elizabeth II. mit 92 Jahren die Kunst der majestätischen Freundlichkeit soweit perfektioniert, dass sie die Ablehnung ihres Gegenübers und seiner Politik ohne jede Verletzung des Protokolls durchaus deutlich machen kann? Und zwar wortlos, würdevoll lächelnd und dennoch pointiert und mit dem berühmten britischen Humor?

Diesem Verdacht spüren Royal-Fans im Netz nach. Der Anlass: die Auswahl der Broschen, die Elizabeth II. bei Trumps mehrtägigem Aufenthalt in Großbritannien trug.

Tag 1: Die Blumenbrosche der Obamas

Donald Trump und First Lady Melania kommen am 12. Juli an. Die britische Premierministerin Theresa May, die der US-Präsident zuvor brüskiert hatte, empfängt das Paar. Queen Elizabeth II. hat einen anderen Termin. Sie trifft zwei Geistliche - und trägt laut einem Blog, der sich seit Jahren ohne politische Äußerung detailreich mit dem Schmuck der Queen befasst, eine besondere Brosche: ein Geschenk von Trumps Amtsvorgänger Barack Obama und seiner Frau Michelle.

Tatsächlich bekam die Queen 2011 ein Vintage-Schmuckstück von den Obamas geschenkt; gekauft wurde es bei der "Tiny Jewel Box", wie auf der Website des Ladens mitgeteilt wird. Auf Fotos der Queen mit den Geistlichen sieht es so aus, dass Elizabeth II. mit großer Wahrscheinlichkeit dieses Schmuckstück trägt.

Wollte die Monarchin damit etwas sagen? Ist es ein Tribut an die USA? Oder Kritik an Trump, wie Twitter-Nutzer voll diebischer Freude vermuten? Die Obamas repräsentieren schließlich in so ziemlich allem das Gegenteil des amtierenden Präsidenten und seiner Frau.

Tag 2: Die Diamantbrosche vom Staatsbegräbnis

Teestunde mit den Trumps: Elizabeth II. empfängt Donald und Melania Trump am 13. Juli auf Schloss Windsor. Trump lässt die Königin fast eine Viertelstunde warten. Die 92-Jährige gewährt ihm knapp 30 Minuten ihrer Zeit, betreibt offenbar Smalltalk - und trägt ein Schmuckstück, das sie von ihrer Mutter geerbt hat und mit einem traurigen Anlass verknüpft ist.

Es ist eine Diamantbrosche, die sich Queen Mum unter anderem beim Staatsbegräbnis von König George VI. ansteckte, dem Vater von Elizabeth II. Die Königinmutter ist mit der Brosche auf einem Foto zu sehen, das unter dem Titel "Three Queens in Mourning" bekannt wurde. Es zeigt Queen Elizabeth II., ihre Mutter und Großmutter in Trauer bei der Beerdigung.

Tag 3: Die Saphir-Brosche aus Kanada

Trump ist noch in Großbritannien, aber Queen Elizabeth II. widmet sich anderen Gästen: König Philipp und Königin Mathilde aus Belgien. Sie hat zu diesem Anlass eine Brosche ausgewählt, die in der Form an einen Stern erinnert - und wie ein Geschenk von Kanada aussieht.

Die Queen bekam 2017 eine Saphir-Brosche zu Ehren ihres 65-jährigen Thronjubiläums überreicht. Das sollte auch Kanadas Verbundenheit mit Großbritannien unterstreichen. Das Verhältnis zwischen den USA und Kanada dagegen darf - mit britischem Understatement - als angespannt bezeichnet werden, vor allem seit Trump nach dem G7-Gipfel im Juni gegen Kanadas Premierminister Justin Trudeau wetterte.

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Elizabeth II.: Broschen beim Trump-Besuch

Waren die Broschen also eine subtile Botschaft? Schließlich hatten Zehntausende Briten gegen den Besuch des US-Präsidenten protestiert und auf Plakaten etwa gefordert: "Go on, Queenie, spit in Trump's tea!". Oder wird viel zu viel in die Auswahl der Schmuckstücke interpretiert?

Fest steht: Von der Queen wird es keine Antwort geben. Das gebietet das Protokoll.

insgesamt 17 Beiträge
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raoul2 17.07.2018
1. Die nette alte Dame
ist gerade wegen solcher "kleinen Zeichen" bewunderungswürdig wie kaum jemand anders in solch einer Rolle. Daß der Adressat verstehen wird, wie sie es gemeint haben könnte, darf man ruhig bezweifeln. Dazu reicht das Hirn des Riesenbabys längst nicht aus. Und selbst, wenn es ihm jemand zu erklären versuchte - er wird's nicht begreifen.
zynischereuropäer 17.07.2018
2.
Man kann zur Monarchie stehen wie man will, aber das Lisbeth bei solchen subtilen Botschaften unschlagbar ist, steht außer Zweifel. Man denke nur an ihren denkwürdigen Auftritt im "Europakostüm" zum Beginn der Parlamentssaison. Einfach "Queen EU Outfit" googlen. Ist übrigens ziemlich ähnlich zu ihrem blauen Kostüm samt Hut im Titelbild, nur ohne die "Sterne"
modemhamster 17.07.2018
3. Glückwunsch
immerhin ist die Übersetzung der Tweets von @SamuraiKnitter ganz gut gelungen. Eine Quellenagabe hätte aber schon dabei sein können. Ich liefer das mal nach... https://twitter.com/SamuraiKnitter/status/1018570246037352449
chico11mbit 17.07.2018
4. Nehmt es ihr doch nicht,
lasst es ihr doch. Dieses Statement ist, falls es denn wahr ist, ein sehr intimer Freiraum in einem ansonsten nach aussen komplett durchorganisierten, politisch neutralen Vogelkäfig. Vielleicht die einzige Möglichkeit ihr Missfallen eindeutig, aber verschlüsselt zu äussern. Was feststeht: Ab nun werden alle protokollbeschäftigten aller schlimmer Menschen dieser Welt bei einem Treffen vorab versuchen diese Wahl der Brosche mitzubestimmen. Es ist ein Trauerspiel.
Gmorker 17.07.2018
5. Fun Fact
In Trumps Twitter-Timeline hat neulich einer den FunFact gepostet, das Königin Elizabeth II mehr Zeit in der Armee verbracht hat, als die gesamte Trump-Familie zusammen. Und dabei tut er immer so auf Commander in Chief. ... Die Queen hat garantiert dutzende Broschen zur Auswahl und ich glaube, das sie ihre Aufgabe so ernst nimmt, das sie genau solche Feinheiten wie subtile Botschaften über Kleidung und Schmuck, bewusst auswählt und nicht etwa vor der großen Schmuckschatulle stand und sagte... "ach heute nehm ich mal diese da."
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