Rachael Leigh Cook "Retuschierte Fotos sind ein Verbrechen"

Sie ist jung, sie ist wütend, und sie weiß, wovon sie spricht. Spezielle Objektive, elektronische Bildbearbeitung - Schauspielerin Rachael Leigh Cook kennt die Methoden, mit denen die Presse die Stars in Szene setzt. In ihren Augen sind das schmutzige Tricks, die als Straftat verfolgt werden sollten.

REUTERS

Sie ist gerade mal 31 Jahre alt, aber mit einem solchen Furor hat schon lange niemand mehr den amerikanischen Medien die Leviten gelesen.

Schauspielerin Rachael Leigh Cook war als Gastrednerin auf dem "Healthy Media for Youth Summit" in Washington eingeladen, einer Art Gipfeltreffen der Medienbranche, bei dem vor allem darüber diskutiert werden sollte, wie Medien insbesondere junge Menschen wieder fesseln und begeistern können.

Doch Cook nutzte das Forum laut dem US-Blog "Jezebel" für eine gnadenlose Abrechnung mit Hollywood, den Fotografen und Medienmachern in den USA, die den Teenagern ein trügerisches Bild von Perfektion vermitteln würden. "Es bricht mir das Herz, Teil einer Industrie zu sein, die diese schrecklichen Schönheitsstandards definiert und fördert. Sie sind schlicht und einfach falsch."

Cook war der Star im Hollywood-Film "Eine wie keine", spielte in mehreren Folgen von "Dawsons Creek" und glänzte im preisgekrönten Episodenfilm "11:14" neben Stars wie Hillary Swank und Patrick Swayze.

Sie kennt also das Geschäft und weiß, wovon sie spricht. Empört ist sie insbesondere über die Unart, Bilder von Prominenten per elektronischer Nachbearbeitung mit Computerprogrammen wie Photoshop zu perfektionieren. "Nichts, von dem, was ihr da seht, ist real", wütete die 31-Jährige, "das ist ein Verbrechen, und Verbrechen müssen bestraft werden", forderte sie.

Inzwischen gebe es sogar Objektive, die die Fotografierten optisch größer erscheinen ließen, plauderte Cook aus dem Nähkästchen. "Wenn ihr diesen Schauspielern auf der Straße begegnet, würdet ihr sie nicht erkennen. Es ist eine komplette Illusion!"

In Frankreich hat die Parlamentsabgeordnete Valerie Boyer bereits vor einem Jahr ein Gesetz vorgeschlagen, das bei Photoshop-Retuschen folgenden Warnhinweis vorschreiben soll: "Retuschiertes Foto, die physische Erscheinung der Person ist verändert."

Und Anfang des Monats erst hatte ein kanadisches Versandunternehmen angekündigt, auf retuschierte Fotos zu verzichten.

kng

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