Streit über US-Serie "How I Met Your Mother" "Wie ich euren Rassismus kennenlernte"

Ist eine der beliebtesten Sitcoms der Welt rassistisch? Mit einer missglückten Kung-Fu-Parodie voller Fernost-Klischees haben die Autoren von "How I Met Your Mother" viele asiatischstämmige US-Amerikaner gegen sich aufgebracht.

Szene aus "How I Met Your Mother": Kung-Fu-Parodie regt viele Fans auf
AP /CBS

Szene aus "How I Met Your Mother": Kung-Fu-Parodie regt viele Fans auf


Mit seinem Hauptcharakter Barney Stinson, der die Promiskuität lange zum Lebensprinzip erhob, hatte die amerikanische Kult-Serie "How I Met Your Mother" schon immer ein gewisses Skandal-Potential. Doch bislang vermied die Sitcom um den Architekten Ted, der die Liebe seines Lebens sucht, jede größere Kontroverse.

Damit ist es nun nach mehr als acht Jahren vorbei: In der finalen, neunten Staffel, die nun in den USA angelaufen ist, haben die Autoren jedoch nicht etwa den Zorn besorgter Puritaner, sondern vieler asiatischstämmiger Amerikaner auf sich gezogen. Unter dem Hashtag "HowIMetYourRacism" entladen Tausende ihre Wut auf Twitter: "Verstörende Erkenntnis, dass es offenbar in Ordnung ist, rassistische Witze über Asiaten zu machen", schreibt ein Nutzer. Andere drohen dem Sender CBS, wo die Serie läuft, mit einem Boykott.

Grund ist einer der Running Gags der Serie: Das Recht von Teds Freund Marshall, Barney acht Ohrfeigen zu verpassen, ohne dass der sich dagegen wehren darf. Um das Meiste aus seinem Schlagrecht zu machen, nimmt Marshall in der umstrittenen neuen Folge Kung-Fu-Stunden.

"Ist einfach für Weiße zu sagen, dass das nicht rassistisch war"

Gedroschen werden dabei aber vor allem fernöstliche Klischees: Einer seiner drei Meister verspricht ihm, ihn den "Schlag der eine Million explodierenden Sonnen" zu lehren. Noch mehr stören sich viele Fans an den sogenannten Yellowfaces: Statt asiatischen Schauspielern übernehmen die weißen Hauptcharaktere der Serie die Rollen der Kung-Fu-Trainer - in Samtkleidern und gelbgesichtig geschminkt.

Diese Art der Maskerade hat in den USA eine üble Tradition: Zu Zeiten der Sklaverei traten in vielen Theaterstücken "Blackfaces" auf, als Schwarze geschminkte weiße Schauspieler, die das vom Rassismus getränkte Bild des dümmlichen, linkischen Schwarzen reproduzierten.

Nicht jeder teilt die aktuelle Empörung: Viele weiße Amerikaner verteidigen die Macher der Serie und bezeichnen die lächerliche Darstellung der Kung-Fu-Meister als Satire. Das wiederum beruhigt die Beleidigten kein bisschen: "Für Weiße ist es verdammt einfach zu sagen, dass das nicht rassistisch war", schreibt eine Nutzerin auf Twitter. "Für Menschen, die ihr Leben lang ausgrenzt wurden, ist es das nicht."

Den Drehbuchautoren von "How I Met Your Mother" ist die Folge angesichts der Reaktion inzwischen peinlich: Man habe sich an einer albernen, aber lustigen Hommage an Kung-Fu-Filme versucht, schreibt Serien-Erfinder Carter Bays auf Twitter. "Das ist uns misslungen. Wir fühlen uns furchtbar."

ade



insgesamt 86 Beiträge
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Barrabas 16.01.2014
1. Twitternde Spinner
immer häufiger habe ich das Gefühl, daß auf Twitter nur völlig Bekloppte unterwegs sind.
sponner_hoch2 16.01.2014
2.
Lächerlich! Als nächstes beschwerrt sich dann wahrscheinlich die Tea Party, wenn ein weißer als dümmlicher Hill-Billy dargestellt wird.
tuvalu2004 16.01.2014
3. Oho, alle anderen Gags vergessen?
Die Hauptdarsteller sind ja schon öfters in unterschiedlichen "Masken", z.B. als Russen, aufgetreten. Haben demnach wohl einige Ethnien beleidigt, und ganze Berufsgruppen in Verruf gebracht. Oder muß man als Minderheit Asiat sein um von dieser Serie rassistisch unterwandert werden zu können? t
Amarananab 16.01.2014
4. Die 'Political Correctness' ist ein Kulturzerstörer
Zitat von sysopAP /CBS Ist eine der beliebtesten Sitcoms der Welt rassistisch? Mit einer missglückten Kung-Fu-Parodie voller Fernost-Klischees haben die Autoren von "How I Met Your Mother" viele asiatischstämmige US-Amerikaner gegen sich aufgebracht. Rassismus-Vorwurf gegen "How I Met Your Mother" wegen Yellow Faces - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/leute/rassismus-vorwurf-gegen-how-i-met-your-mother-wegen-yellow-faces-a-943883.html)
Nun Witze zu reissen über andere Volksgruppen ist sehr kritisch und grenzwertig. Dass die Macher der Sitcom 'How I Met your Mother' über die Schmerzgrenze schlugen kann man als Fauxpass sehen, aber im Zusammenhang der künstlerischen Freiheit und der komödiantischen Unterhaltung sollte die Argusaugen-Zensur der 'Political Correctness' Grenzen haben. Ich erinnere mich, wie selbsternannte 'Gutmenschen' im Dienste der Political Correctness ganze Kinderbücher bekannter Schriftsteller nach 'politisch unkorrekten Wörtern' oder 'Zusammenhänge' abgrasten und an den Pranger stellten. Das erinnert mich an die Dystopie '1984' von George Orwell wo der Protagonist im Propagandeministerium ganze Zeitungsartikel und Bücher aus der Vergangenheit 'korrigiert' und somit die gesamte Geschichte entstellt im Auftrag des grossen Bruders der ja immer Korrekt drauf ist. Es gehört zu einer guten Demokratie dazu, auch politisch unkorrekte Ausdrücke freien Raum zu lassen, insbesondere in der Kunst. Sonst wird die deutsche Sprache irgendwann in Zukunft auf ein geringe Anzahl von Begriffen und Wörtern 'politisch korrekt zusammenzensiert' und kein Kind der Welt wird dann verstehen wieso Nils Holgersson ein kleiner Zwerg wurde oder Pippi Langstrumpf so Freiheitsliebend. Es wäre schade darum.
mebl1978 16.01.2014
5.
Muah, wenn man bei jedem sch.... Rassismus, Diskriminierung schreit, darf man sich nicht wundern, wenns keinen mehr interessiert. Mal die Kirche im Dorf lassen und Komik, Komik sein lassen. Wenn mans nicht lustig findet, umschalten....
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