Rauswurf aus TV-Show Eva Herman verzeiht Kerner

Sie nennt es ihre "christliche Pflicht": Ex-"Tagesschau"-Sprecherin Eva Herman vergibt Johannes B. Kerner, dass er sie öffentlich brüskiert hat. Der Moderator hatte die 49-Jährige nach einer hitzigen Diskussion um ihre Äußerungen zur NS-Familienpolitik aus seiner Talkshow hinausgeworfen.


Hamburg - "Eine Entschuldigung klingt sicherlich anders. Aber es ist eine christliche Pflicht, anderen Menschen zu vergeben", sagte Herman der "Bild"-Zeitung. Kerner hatte gestern in der "Süddeutschen Zeitung" eingeräumt, es sei ein Fehler gewesen, die ehemalige Tagesschau-Sprecherin aus der Sendung auszuschließen.

"Ich habe damals falsch entschieden", sagte Kerner." Als Eva Herman gehen wollte, hätte er sie zum Bleiben überreden können. "Ich habe mit der Sendung nur das Beste gewollt, aber es ist nicht das Richtige herausgekommen. Das bedauere ich sehr", so der Moderator.

Ob diese Aussage als explizite Entschuldigung an Eva Herman gewertet werden kann, ist sicherlich Interpretationssache. Herman selbst erklärte, Kerner habe ihr keinen Entschuldigungsbrief geschrieben. "Wenn es ihm ein Anliegen gewesen wäre, hätte ich mich sicherlich darüber gefreut. Erzwingen kann man so etwas aber natürlich nicht."

Herman war wegen umstrittener Äußerungen zu Familienwerten in der NS-Zeit bei der Vorstellung ihres Buches "Das Prinzip Arche Noah. Warum wir die Familie retten müssen" in die Kritik geraten: "Wir müssen vor allem das Bild der Mutter in Deutschland wieder wertschätzen lernen, das leider ja mit dem Nationalsozialismus und der darauffolgenden 68er-Bewegung abgeschafft wurde", sagte sie damals.

Während ein Aufschrei der Empörung durch die deutschen Medien ging, solidarisierten sich Organisationen wie das Forum Deutscher Katholiken, die DVU oder die Partei Bibeltreuer Christen daraufhin mit Herman. Der Norddeutsche Rundfunk kündigte seiner Moderatorin. Herman fühlte sich falsch zitiert und klagte auf Wiedereinstellung.

Der "Bild"-Zeitung zufolge befindet sich Herman derzeit mit ihrer Familie im Winterurlaub. An eine Rückkehr auf den Bildschirm denkt die Moderatorin demnach nicht: "Diese Diskussion stellt sich zurzeit überhaupt nicht", stellte Herman klar.

In einem persönlichen Rückblick hatte Herman zum Jahresende in der "Bild"-Zeitung geklagt: "Zählte ich lange zu einer der beliebtesten Moderatorinnen, so wurde ich nun innerhalb kurzer Zeit zu einer der umstrittensten Frauen gemacht. Über Nacht war es politisch korrekt geworden, sich von mir abzuwenden." Vor allem die Unterstützung ihrer Fans habe ihr geholfen, "diesen Albtraum durchzustehen".

ala/ddp



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