Recherchen: Königin Silvia erforscht väterliche NS-Geschichte

Er war NSDAP-Mitglied und soll den Betrieb eines verfolgten Juden übernommen haben: Nun lässt Schwedens Königin Silvia die Nazi-Vergangenheit ihres Vaters Walther Sommerlath prüfen - mit verharmlosenden Aussagen dazu hatte sie viele Bürger aufgebracht.

Königin Silvia: Dunkle Stellen der Familiengeschichte
Fotos
DPA

Stockholm - Königin Silvia ist in Schweden beliebt - doch bei einem Thema hat sich die gebürtige Deutsche schon einmal im Ton vergriffen und den Unmut des Landes auf sich gezogen: bei der Nazi-Vergangenheit ihres Vaters Walther Sommerlath.

Die 67-jährige Ehefrau von König Carl XVI. Gustaf hatte in einem Interview 2010 die Mitgliedschaft ihres Vaters in der Nazi-Partei ab 1934 und seine geschäftlichen Aktivitäten in den folgenden Jahren verteidigt. Für diese Äußerungen war sie kritisiert worden.

Nun lässt Silvia die Rolle ihres 1990 verstorbenen Vaters während der Nazi-Herrschaft und bei der Judenverfolgung untersuchen. Das teilte der Stockholmer Hofsprecher Bertil Ternert am Sonntag mit. Die Königin wolle mit Hilfe von Kontakten in Deutschland und Brasilien "eine Anzahl offener Fragen" zu den Aktivitäten ihres Vaters klären lassen. Dazu werde sie sich auch professioneller Hilfe bedienen, etwa von Historikern.

Silvia hatte in ihrem umstrittenen Interview gesagt: "Es war doch eine Maschinerie, oder wie? Er war ja nicht politisch aktiv oder Soldat. (...) Wenn man sich dagegen stellte, war man ja gegen die ganze Maschinerie." Ihr Vater habe in seiner Fabrik in Berlin nur zivile Güter hergestellt.

Redakteure der TV-Dokumentation "Kalla fakta" ("Kalte Fakten") hatten daraufhin im November 2010 berichtet, Walther Sommerlath habe 1939 den "arisierten" Berliner Metall-Betrieb des verfolgten Juden Efim Wechsler übernommen und sehr wohl Kriegsmaterial an die deutsche Wehrmacht geliefert.

In der TV-Dokumentation hatte der deutsche Publizist Rafael Seligmann gesagt: "Wenn eine schwedische Königin 2010 ein Argument benutzt, wie das auch Adolf Eichmann vor 49 Jahren im Gerichtssaal in Israel getan hat, ist das jämmerlich." Eichmann war einer der Hauptverantwortlichen des Nazi- Regimes für die Deportation und Ermordung der Juden. Er wurde zum Tode verurteilt und 1962 hingerichtet.

Nach der TV-Dokumentation hatte sich Silvia darüber beklagt, sie sei mit dem an der Judenvernichtung in wichtigen Funktionen beteiligten Eichmann auf eine Stufe gestellt worden.

ulz/dpa

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
Auf anderen Social Networks teilen
  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
insgesamt 5 Beiträge
treverxy 16.05.2011
ist nur politisch korrekt zu diskutieren. Alles andere wird vom Staatsanwalt sanktioniert. Insofern kann auch hier keine vorbehaltlose Diskussion geführt werden. Deshalb nur kurz zu Eichmann: Er war für die Deportation der [...]
Zitat von sysopEr war NSDAP-Mitglied und soll den Betrieb eines verfolgten Juden übernommen haben: Nun lässt Schwedens Königin Silvia die Nazi-Vergangenheit ihres Vaters Walther Sommerlath prüfen - mit verharmlosenden Aussagen dazu hatte sie viele Bürger aufgebracht. http://www.spiegel.de/panorama/leute/0,1518,762733,00.html
ist nur politisch korrekt zu diskutieren. Alles andere wird vom Staatsanwalt sanktioniert. Insofern kann auch hier keine vorbehaltlose Diskussion geführt werden. Deshalb nur kurz zu Eichmann: Er war für die Deportation der Juden verantwortlich, aber weder für die Enteignung noch für das Töten zuständig. Auch in seinem Jerusalemer Prozess hat er erklärt, nichts von Tötungen oder Vergasungen gewusst zu haben. Aber das war wohl nur der Verstocktheit aller Nazis geschuldet, wie sie sich heute wieder und überall zeigt.
Roßtäuscher 16.05.2011
Hat sie etwa Angst vor der nackten Wahrheit über ihren Vater Sommerlath? Sie kann nichts besseres tun, als die Vergangenheit ihres Vaters zu durchleuchten, was sie längst in den 70er Jahren unmittelbar nach ihrer Hochzeit hätte [...]
Zitat von sysopEr war NSDAP-Mitglied und soll den Betrieb eines verfolgten Juden übernommen haben: Nun lässt Schwedens Königin Silvia die Nazi-Vergangenheit ihres Vaters Walther Sommerlath prüfen - mit verharmlosenden Aussagen dazu hatte sie viele Bürger aufgebracht. http://www.spiegel.de/panorama/leute/0,1518,762733,00.html
Hat sie etwa Angst vor der nackten Wahrheit über ihren Vater Sommerlath? Sie kann nichts besseres tun, als die Vergangenheit ihres Vaters zu durchleuchten, was sie längst in den 70er Jahren unmittelbar nach ihrer Hochzeit hätte tun sollen. Vor der Hochzeit wäre vielleicht ihre Adels-Ehe geplatzt. Da gäbe es noch einige Familien, oder Clans, die es bitter nötig hätten, die düsteren Machenschaften, allen voran die Industriellen, ihrer zeitlichen Vorfahren, Großonkel oder sonstiger Verwandtschaft öffentlich zu machen. Die Quandts z.B., und demjenigen der die Varta-Batteriewerke betrieb!!! Wie kam der um die Nürnberger-Prozesse? Es sind einige Akten recht mysteriös bis nach den Prozessen verschwunden gewesen, oder überhaupt nicht mehr aufgetaucht.
A. Schulz 16.05.2011
Ich verstehe die Aufgeregtheit >darüber< nicht. In meinem Gedankenreich gibt es weder Erbsünde, Erbschuld noch Kollektivschuld. Silvia selber hat ganz sicher keine Verbrechen begangen, warum versucht dann jemand, sie mit [...]
Ich verstehe die Aufgeregtheit >darüber< nicht. In meinem Gedankenreich gibt es weder Erbsünde, Erbschuld noch Kollektivschuld. Silvia selber hat ganz sicher keine Verbrechen begangen, warum versucht dann jemand, sie mit Schmutz zu bewerfen? *Kopfschüttel*
Sara100 16.05.2011
Ihr Gedankenreich sein. Aber so sehen es nicht alle. Warum denken Sie hat Sylvia versucht ihren Vater reinzuwaschen?. Sie hätte sicher auch jegliche Form der Äußerung diesbezüglich sein lassen können. Aber sie hat sich hinter [...]
Zitat von A. SchulzIch verstehe die Aufgeregtheit >darüber< nicht. In meinem Gedankenreich gibt es weder Erbsünde, Erbschuld noch Kollektivschuld. Silvia selber hat ganz sicher keine Verbrechen begangen, warum versucht dann jemand, sie mit Schmutz zu bewerfen? *Kopfschüttel*
Ihr Gedankenreich sein. Aber so sehen es nicht alle. Warum denken Sie hat Sylvia versucht ihren Vater reinzuwaschen?. Sie hätte sicher auch jegliche Form der Äußerung diesbezüglich sein lassen können. Aber sie hat sich hinter ihren Vater gestellt, weil er eben ihr Vater war und sie aufgrund des "Erbes" dazu was sagen mußte. Das nannt man auch eine Art Verpflichung. Was Ihren Gedankenreich angeht, so relativieren Sie mit der Behauptung das es keine "Kollektivschuld" gibt, alles was damals passierte. Das würde ich an Ihrer Stelle vielleicht nochmal überdenken.
Caroline 16.05.2011
Richtig, es gibt weder für Kinder (!) noch für Erwachsene Kollektivschuld!!! Es ehrt Silvia, daß sie spontan ihren Vater in Schutz nahm. Daß sie nun nachforschen läßt, zeigt u. E. entweder, daß sie auch für sich selbst [...]
Zitat von A. SchulzIch verstehe die Aufgeregtheit >darüber< nicht. In meinem Gedankenreich gibt es weder Erbsünde, Erbschuld noch Kollektivschuld. Silvia selber hat ganz sicher keine Verbrechen begangen, warum versucht dann jemand, sie mit Schmutz zu bewerfen? *Kopfschüttel*
Richtig, es gibt weder für Kinder (!) noch für Erwachsene Kollektivschuld!!! Es ehrt Silvia, daß sie spontan ihren Vater in Schutz nahm. Daß sie nun nachforschen läßt, zeigt u. E. entweder, daß sie auch für sich selbst Gewißheit haben möchte - oder aber, daß sie sicher ist, daß die Anschuldigung gegen ihren Vater falsch ist, und sie den Beweis haben möchte, um somit seinen Namen reinzuwaschen. Sie hat es nicht verdient, mit der Nazi-Keule geschlagen zu werden.
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Panorama
alles aus der Rubrik Leute
alles zum Thema Carl XVI. Gustaf von Schweden

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Montag, 16.05.2011 – 11:13 Uhr
  • Drucken Versenden Feedback
  • Kommentieren | 5 Kommentare






TOP



TOP