Renée Zellweger Nicht sie selbst

Lange war Renée Zellweger von der Bildfläche verschwunden, auf neuen Fotos sieht die Schauspielerin sehr verändert aus. Im Internet wird über angebliche Schönheits-Operationen der 45-Jährigen gespottet.

REUTERS

Hamburg/Los Angeles - Vor wenigen Tagen besuchte Renée Zellweger eine Veranstaltung. Sie wollte ihren neuen Film vorstellen und trug ein Kleid von Carolina Herrera. In den USA wurde Zellweger auf Twitter plötzlich zum Top-Thema. Nicht wegen ihres Designer-Kleids oder ihres neuen Films. Sondern wegen ihres Gesichts.

Sie sah anders aus, nicht unbedingt schlechter. Aber ihre Wangen waren ein bisschen runder, die Nase irgendwie breiter und ihr Markenzeichen, ihre Schlupflider, schienen nicht mehr so schwer auf ihren Augen zu liegen. In den Medien überschlugen sich Berichte über eine angebliche Schönheits-OP.

"Manche haben sie fast nicht erkannt", sagte ein Event-Teilnehmer dem "People"-Magazin. Auch Kollegen spotteten über den neuen Look der 45-Jährigen. "Scrubs"-Star Zach Braff etwa twitterte ein Foto von seinem afroamerikanischen Freund Donald Faison mit den Worten: "Renée sieht nicht mehr aus wie sie selbst."

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Spott und Häme zogen sich durch die Berichterstattung, große Blogs wie "Gawker" zeigten lediglich eine Galerie mit Zellweger-Fotos aus den vergangenen 20 Jahren und kommentierten: "Es ist immer schön neue Leute kennenzulernen, auch wenn es alte Freunde sind." Das sonst so reflektierte US-Magazin "The Atlantic" fragte: "Sind das wirklich Sie, Renée?" Und direkt danach: "War es Botox? Oder ein Augen-Lift?"

Schließlich sah sich die 45-Jährige offenbar gezwungen, auf die Schönheits-OP-Gerüchte zu reagieren. "Ich bin froh, dass die Leute denken, dass ich anders aussehe! Ich lebe ein anderes, glückliches, erfüllenderes Leben, und ich finde toll, dass man das sieht", sagte sie "People". Sie habe endlich Ordnung in ihr Leben gebracht und ernähre sich nun gesünder.

"Es macht mich traurig"

Es war ein unwürdiger Moment, denn jeder der Zellwegers Bilder gesehen hat, sieht, dass es sich um Veränderungen handelt, die kein noch so gesundes Essen und kein noch so guter Visagist hervorbringen kann. Es ist nicht das erste Mal, dass sie derart verändert auftritt. Die Texanerin hat seit ihrer Rolle als fülligere Bridget Jones eine zumindest heikle Einstellung zu Ernährung und Aussehen. Damals sagte sie Sätze wie: "Es macht mich traurig, dass so viele Frauen vom Abnehmen besessen sind." In Interviews erklärte sie mehrfach, wie sehr ihr die Aufmerksamkeit, die Paparazzi an die Substanz gehen. 2009 verschrieb sie sich eine Auszeit, im Prinzip dauerte sie bis heute.

Einige wenige US-Autoren schlossen sich dem Häme-Gewitter nicht an. "Wir sollten uns mal fragen, warum wir in diese Falle geraten sind, in der wir wollen, dass alles natürlich ist, während wir gleichzeitig alles hassen, was tatsächlich natürlich aussieht", schrieb Amanda Marcotte beim "Daily Beast". Der Grund für den Wirbel sei, dass Zellweger ein ungeschriebenes Hollywood-Gesetz gebrochen habe - wonach Frauen immer jung und perfekt auszusehen hätten, aber bitte ohne Nachhilfe. Ihre Kollegin Amanda Hess pflichtete ihr auf "Slate" bei: "Würdevoll altern ist in Hollywood ein Euphemismus für 'gute Schönheits-OP'." Es sei kein Wunder, dass Zellweger nun diesen Weg eingeschlagen habe.

Der "Guardian" analysierte denn auch gleich Zellwegers neue Karrierechancen. Sie könne ähnlich wie der stark operierte Mickey Rourke mit einem neuen Gesicht ein Comeback wagen. Sie habe nämlich im Gegensatz zu Rourke wenigstens Talent.

Talent, ein Aspekt, der in der ganzen Diskussion selten bis gar nicht auftauchte. Nachdem Zellweger vor allem in den Neunzigern und um die Jahrtausendwende eine der gefragtesten Schauspielerinnen Hollywoods war ("Jerry Maguire", "Bridget Jones", "Chicago"), gewann sie 2004 für den Film "Unterwegs nach Cold Mountain" einen Oscar. Über ihre Rolle als unglamouröses Country-Mädchen sagte Zellweger damals, es sei toll gewesen, dass der Fokus endlich einmal auf ihrem Charakter und nicht auf ihrem Aussehen gelegen habe.

gam

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Seite 1
der:thomas 22.10.2014
1. Alles gut und schön...
...aber wer ist das auf dem 1. Foto? Das sieht mir ernshaft nicht nach OP aus - das ist eine falsche Bilddatei! Die Frau hat mehr Änlichkeit mit - na, wie heißt sie, die Chefin aus'm Fernsehen - Katharina Böhm - als mit Renee Zellweger... Hab ich nie auf Leinwand oder Mattscheibe gesehen...
aquarelle 22.10.2014
2.
Ich frage mich immer, was kaputt sein muss damit Frauen ihre Gesichter derart verändern. Klar, 'Hollywood' aber wäre das Geld in Therapie-Sitzungen nicht sinnvoller investiert als in den Schönheitschirurgen? Ich finde den 'Trend' erschreckend, wo gefragt wird 'Wie sieht XY mit 50 noch so jung aus!?' und dann wird so getan als stecke irgend eine Wundercreme oder besser noch, Yoga, dahinter, dabei lag sie für 30.000€ auf dem OP-Tisch. Alle finden Megan Fox so schön aber kaum einer weiß, dass die komplett umoperiert wurde. Wie soll sie zb. Ähnlichkeiten zu ihrem Kind entdecken, wenn sie jetzt komplett anders aussieht als noch vor 5 oder 8 Jahren? Wird schwierig. Unsicherheiten entfernt der Chirurg nämlich nicht. Die bleiben. Da mus man dann woanders ansetzen. Und Kritiker halten nie ihre Klappe, ganz egal was man macht. Also kann man doch besser man selbst bleiben und das viele Geld sparen.
blauervogel 22.10.2014
3. Recht auf das eigene Aussehen
Ist es nicht das ureigene Recht aller Menschen, wie sie ihr Aussehen gestalten. Kritik, gar Häme an der Erscheinung zeigt nur die geistige und charakterliche Armut der Kritiker. Wo hört denn dieses Normieren der Kritiker auf? Bei der Kleiderordnung und geistigen Gleichschaltung durch menschen- und freiheitsverachtende Ideologien? Ist diese Kritik nicht gerade der Druck, der viele Menschen in eine angepasste Rolle zwingt, nur mit anderen Vorzeichen?
erasmus89 22.10.2014
4. Der Guardian labert Mist.
Mickey Rourke hat it "The Wrestler" bewiesen, dass er Rollen phänomenal ausfüllen kann, wenn sie zu ihm passen. Im Übrigen legen sich hier zu Lande glaube ich über 1 Million Menschen pro Jahr unters Messer. Der Druck von Industrie, Werbung und generell die Perfektionserwartungen der Gesellschaft zwingen immer mehr Menschen dazu, ihre natürliche Hässlichkeit wegoperieren zu lassen.
arcalis 22.10.2014
5. Lasst sie doch
Ehrlich gesagt sieht sie meiner Meinung nach jetzt besser aus als auf den alten Bildern. Wenn sie sich so wohl fühlt, ist es doch ok. Es ist ihre Sache. Wenn man sich andere Schauspielerinnen wie z.B. Meg Ryan oder Melanie Griffith ansieht, die inzwischen fast gruselig aussehen, ist das Ergebnis der Bemühungen hier zumindest nicht misslungen.
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