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Aufregung nach Konzert in Israel: Rihanna hat doch nur Augen fürs Geld

Ein Bericht der Zeitung "Haaretz" sorgt für Aufregung. Dort heißt es, die Popsängerin Rihanna habe in Israel einen Liedtext verändert: Statt von Geldscheinen sei von Palästina die Rede gewesen. Schließlich musste der Videobeweis her.

Es begann alles mit einem Nebensatz in der israelischen Zeitung "Haaretz" über das Konzert von Rihanna in Tel Aviv. "Im Lied 'Pour It Up' sang sie statt 'All I see is Dollar signs' 'All I see is Palestine', doch den Konzertbesuchern schien es egal", hieß es in dem Text über die Popsängerin. Statt "Ich habe nur Augen für Dollarzeichen" also "Ich sehe nur Palästina", ein dramatischer Unterschied.

Wollte die Künstlerin etwa Position beziehen im israelisch-palästinensischen Konflikt? "Haaretz" fand noch weitere Indizien. Die Sängerin hatte ihre israelischen Fans zweieinhalb Stunden warten lassen. Und: "Ihre Fans störte es auch nicht, dass sie einfach nur Tel-Aviv-Rufe in jedem Lied unterbrachte, und nicht ein einziges Mal das Wort Israel benutzte", schrieb die Zeitung weiter.

Da lag die Vermutung nicht mehr fern, dass Rihanna das Existenzrecht Israels leugnen wollte - und das beim Auftritt in Tel Aviv, was für ein Affront! Offenbar hatte Rihanna noch nicht genug von dem Wirbel, den sie mit ihrem Foto-Shooting in Abu Dhabi ausgelöst hatte.

Im Netz tobte der Nahost-Konflikt über die Sängerin

Schon griffen die amerikanische "Huffington Post" und "Buzzfeed" das Thema auf. Auf Facebook und Twitter entbrannte ein Nahost-Konflikt über die junge Frau aus Barbados. Mancher Araber bejubelte sie, während einige Israelis schimpften. "Erst das Konzertgeld einstreichen und dann so etwas", hieß es etwa.

Es ist nahezu unmöglich zu vermeiden, dass ein internationales Konzert in Israel zum Politikum wird. Eine Kampagne von pro-palästinensischen Nichtregierungsorganisationen, BDS, ruft internationale Künstler, Wissenschaftler und Unternehmer dazu auf, Israel zu boykottieren, so lange die völkerrechtswidrige Besetzung des Westjordanlands und der Golanhöhen anhält. BDS gelingt es immer wieder, prominente Mitstreiter einzuspannen, die mit Online-Petitionen und öffentlichen Briefen Druck auf Musiker machen. Rihanna folgte diesem Boykottaufruf nicht.

Als verwirrend charakterisierte daher "Buzzfeed" die politischen Positionen der Sängerin. Auch bemängelte man dort, dass Rihanna ein Foto des Tel-Aviv-Konzertes mit dem Schlagwort "Israel" auf Twitter versehen hatte. Ja was denn nun, Rihanna, Israel oder alles Palästina?

Die Videoanalyse bringt den Beweis

Zur Verwirrung trug auch ein Reporter der israelischen Zeitung "The Jerusalem Post" bei. "Ich war da und ich habe es nicht gehört", twitterte er. Seine Perspektive könnte erklären, warum laut "Haaretz" alle Konzertbesucher so entspannt blieben trotz der vermeintlichen Provokation.

"Haaretz" bemühte daraufhin die Videoanalyse. Stundenlang durchforstete die Zeitung Quellen in sozialen Netzwerken. Kein leichtes Unterfangen, denn Rihannas Artikulation war bei dem Lied alles andere als deutlich. Erschwert wurde die Arbeit auch durch die rundherum mitgröhlenden Fans und die mangelhafte Qualität der Handykameras. Heißt es hier etwa "Palestine" oder "Dollar signs"? Als gesichert gilt zumindest, dass diese Aufnahme vom fraglichen Konzert in Tel Aviv stammt.

Schließlich wurde die Zeitung dann doch noch fündig, eine Rihanna-Frontalaufnahme, klar und deutlich, brachte den Beweis: "All I see is Dollar signs".

52.000 Fans waren zu dem Konzert am 22. Oktober gekommen. Rihanna schrieb darüber auf Twitter: "Tel Aviv, danke, dass ihr diese Nacht so großartig für mich gemacht habt. Wir waren ausverkauft, es war die größte Show einer Solo-Künstlerin in eurer Heimat!"

ras

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