Rassismus-Vorwürfe Robbie Williams singt über partywütige Russen

Dieser Annäherungsversuch ging nach hinten los: In seinem neuen Video feiert Robbie Williams die Partyeigenschaften der Russen - doch die fühlen sich von ihm auf rassistische Stereotypen reduziert.

DPA

In Russland sind einige Leute gerade nicht gut auf Robbie Williams zu sprechen. Der Grund ist ein neues Video des britischen Popstars. In dem zelebriert der Sänger die guten Partyeigenschaften der Russen - doch was als Lob gemeint ist, kommt bei Teilen der Bevölkerung ganz anders an.

Wie der "Guardian" berichtet, fühlten sich einige Russen durch das Video zu dem Song "Party Like A Russian" auf rassistische Stereotypen reduziert. Einige Boulevardblätter würden sogar darüber spekulieren, ob Williams jemals wieder auf russischem Staatsgebiet auftreten dürfe.

In dem Song heißt es: "Feier wie ein Russe / Ende der Diskussion / Tanze, als ob du eine Gehirnerschütterung hast, oh / stecke eine Puppe in eine Puppe [...] / Feier wie ein Russe / Mach es wie ein Oligarch".

An einer anderen Stelle des Liedes singt Williams: "Es braucht die Hälfte der westlichen Welt, nur um mein Schiff am Laufen zu halten / Und ich lache niemals, außer ich will was voranbringen / Ich will nur dramatisieren."

Schnell wurden in Russland Vermutungen laut, der Sänger würde mit diesen und anderen Passagen des Textes auf Wladimir Putin anspielen. Williams twitterte jedoch, der Song sei definitiv nicht über den russischen Präsidenten. Der "Sun" sagte der Popstar, er habe nur unterstreichen wollen, dass "Russen wahnsinnig gut im Party machen sind".

Laut dem Bericht des "Guardian" hieß es im russischen Staatsfernsehen, der Song sei ein Versuch des Künstlers, seiner abflauenden Karriere neuen Auftrieb zu verschaffen. Roman Popkov, der für den im Exil lebenden Oligarchen Mikhail Khodorkovsky arbeitet, soll das Video als "Scheiße" bezeichnet haben. "Es geht um die mickrige, vulgäre russische Elite, die nichts mit Ästhetik, Schönheit oder Romantik zu tun hat", wird Popkov im "Guardian" zitiert.

Es ist nicht nur der Text, der den Russen sauer aufstößt. Die Melodie des Liedes ist dem Stück "Tanz der Ritter" aus Sergey Prokofjews Ballett "Romeo und Julia" nachempfunden. Wie der "Guardian" schreibt, hätten russische Fernsehmacher mit dieser Musik oft Nachrichten zum Ende der Sowjetunion untermalt. Das Auftauchen dieses Stücks in einem kitschigen Popvideo über Oligarchen sei für viele Russen wohl eine Demütigung zu viel.

Doch es gibt auch versöhnliche Kommentare aus Russland. Die Politikerin und Putin-Gegnerin Maria Baronova sagte, die heutigen Oligarchen seien mit der Art, wie sie Williams darstelle, zufrieden. Und der russische Popstar Yuri Loza bescheinigte seinem Kollegen laut dem "Guardian", er habe den Song mit "großer Sensibilität" geschaffen.

jal



© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.