Ronan Keating in 10 Bildern "Der Papst war ein zäher Knochen"

Ronan Keating, Popstar mit Boygroup-Vergangenheit, präsentiert mit 38 ein "Coming-of-Age-Album". Der Ire über Kneipenkultur, sein Vorsprechen für den "Hobbit" und eine peinliche Begegnung im Vatikan.

Ein Interview von



1/10: Album "Time of my Life"

DPA

Ich hätte dieses Album nicht mit meiner alten Plattenfirma machen können. Ich durfte dort weder Risiken eingehen noch kreativ sein. Denn wenn man einmal in eine Schublade gesteckt worden ist, ist es schwer, das Label zu brechen. Ich habe Herzblut und Seele reingesteckt. Es ist inspiriert von meiner Frau, sie singt auch bei zwei Liedern mit mir zusammen und hat einen dritten Song mitgeschrieben. Das Album ist voller Liebe, es ist ehrlich. Ich habe verstanden, wer ich bin und fühle mich wohl in meiner Haut. Ich war noch nie so stolz und habe gleichzeitig eine Heidenangst davor, wie es angenommen wird.

Wie sich der neue Keating anhört? Ein bisschen wie Mumford & Sons, ein bisschen mehr Folk als sonst, zufrieden und verliebt. "So let me love you. Now I know what love is for. I don't need to search no more. I never ever felt so sure." (Hier können Sie reinhören)


2/10: Irland

Google Street View

James Gibney's in Malahide, ha! Das ist ein guter alter irischer Pub. Da gehen wir Northern Irelanders für ein gutes Pint hin. Die irische Kneipenkultur kann man in etwa so beschreiben: Wenn die ganze Welt nachmittags Kaffee trinkt, trinken die Iren ein Pint - und zwar schon, wenn wir klein sind. Ich sage nicht, dass das richtig ist, aber es ist akzeptiert und Teil der Geselligkeit.

Ich erinnere mich noch an meinen ersten Rausch. Ich war mit meinem älteren Bruder zu Hause, meine Eltern waren nicht da. Wir haben alles Mögliche getrunken, es war schrecklich. Ich mag dieses Gefühl nicht, dass man die Kontrolle verliert, der Raum sich dreht.

Dublin hat sich sehr verändert, es hat viele Narben bekommen. Es gab schwere Zeiten, aber die Stadt hat Herz und Seele. Die Menschen dort sind unverwüstlich.

Warum würde ein 16-jähriger irischer Junge aus einer Arbeiterfamilie, der in einem Schuhgeschäft arbeitet, in einer Boyband sein wollen?

Ich wollte singen. Ich wollte ein Künstler sein. Es war in mir drin, und ich wollte es ausdrücken. Ich erinnere mich noch genau an den Tag des Castings. Dublin. 1993. Das Ormond Building. 300 Jungen. Wir wurden Woche für Woche wieder eingeladen und schließlich ausgewählt. Phänomenal. Damals hätte ich mir niemals träumen lassen, dass ich 23 Jahre später noch hier bin.


3/10: Boyzone

Getty Images/ Redferns

Die Jungs. 1993 haben wir angefangen. Schau dir mal das Bild an, wir sind echt Babys. So jung, unglaublich oder? Auf dem Bild bin ich vielleicht 17, 18. Sie haben uns einige bescheuerte Fotos machen lassen. Das hier ist noch harmlos im Vergleich. Es waren sechs tolle Jahre. Ich habe mein Handwerk gelernt. Die Band hat mir Türen geöffnet und mich dorthin gebracht, wo ich heute bin. Das beste an der Band waren die Jungs an meiner Seite, die Reisen um die ganze Welt, die Konzerte. Mann, hatten wir ein Glück! Der schwierige Part: In einer Gruppe zu sein. Viele Egos, Persönlichkeiten, Gefühle damit muss man ständig umgehen.

Wir waren ziemlich artige Kerle während der Zeit, wir wurden von unseren Eltern gut erzogen. Ein Stück weit war es auch katholisches Pflichtbewusstsein. Es wurde uns eingeträufelt, und davor hatten wir Respekt.

2009 starb Keatings Bandkollege Stephen Gately mit nur 33 Jahren an einem Lungenödem. Gibt es eine Chance, dass die Band ohne ihren zweiten Lead-Sänger noch einmal zusammenfindet?

Bald ist es 25 Jahre her, dass Boyzone gegründet wurde. Ich denke, wir werden dieses Datum Ende 2017, Anfang 2018 irgendwie würdigen, sei es mit einem Album oder einer Tour.


4/10: Notting Hill

ddp images/ interTOPICS/ mptv

Der Song "When You Say Nothing at All" für den Film "Notting Hill" hat meine Solokarriere gestartet. Es ist ein wunderbarer Film und ein wunderschöner Song. Julia Roberts hat mir damals gesagt, sie habe geweint, als sie ihn das erste Mal hörte. Es war ein magischer Moment in meiner Karriere. Es ist mein Song, so wie Robbie Williams "Angels" oder Bon Jovi "Living on a Prayer" hat.

Mit Boyzone war es zu der Zeit so: Alle wollten solo starten. Aus einer kurzen Pause wurde dann eine längere, was vor allem meine Entscheidung war. Mittlerweile habe ich festgestellt: Ein richtig guter Lovesong ist ehrlich. Sag einfach die Wahrheit. Die Leute können sich dann in dich reinversetzen, sie verbinden etwas damit.


5/10: "Me Mum"

Das war an ihrem Hochzeitstag. Meine Mutter ist vor 18 Jahren an Brustkrebs gestorben, ich vermisse sie jeden Tag. Sie war eine unfassbare Inspiration für mich. Sie hat mich und meine vier Geschwister sehr beeinflusst. Sei ehrlich. Sei loyal. Sei vertrauensvoll. Und liebe!

Ihr Tod hat mich sehr getroffen. Es war eine schwierige, dunkle Zeit für mich. Nach ihrem Tod habe ich durchaus an meinem Glauben gezweifelt. Für mich war schwer zu verstehen, dass eine Frau, die so sehr für Gott und die Kirche gelebt hat, so früh sterben musste.

Meine Mutter stammt aus einer Generation, in der es für Frauen nicht üblich war, dass man Brüste auf Krebs untersuchen lässt. Genauso wenig wie Männer ihre Hoden untersuchen lassen hätten. Das war damals einfach mit einem Gefühl der Scham verbunden. Aber hätten wir und meine Mutter mehr über Krebs gewusst, wäre sie heute noch am Leben. Deswegen haben wir eine Stiftung in ihrem Namen gegründet. Früherkennung ist die beste Chance, diesen Krebs zu besiegen.


6/10: WM 2006

Getty Images

Das war vor dem Brandenburger Tor. Unglaublich. Es war der größte Auftritt meines Lebens. Es war phänomenal. Phänomenal!

Wie unterhält man eine Viertelmillion Leute?

Du gehst raus, singst deine Songs und hoffst, dass sie es verstehen. Das habe ich gemacht, und es war so ein Rausch! Gott sei Dank hatte ich gerade "Life is a Roller Coaster" rausgebracht. Das konnte wirklich jeder mitsingen, egal ob er aus Brasilien oder Deutschland kam.

Ich will unbedingt ein Spiel von Irland bei der EM in Frankreich sehen. Aber es ist eine schwierige Gruppe. Italien. Belgien ist stark. Schweden ist stark. Aber wir sind besser als wir je waren, also abgesehen vom Team Ende der Achtziger, Anfang der Neunziger. Da waren wir großartig.


7/10: Hobbit

Warner Bros.

Ah, der "Hobbit". Ich habe für den Film vorgesprochen, für so einen mit den Ohren, ich glaube den Elbenkönig. Ich habe den Part offensichtlich nicht bekommen. Aber es wäre so cool gewesen. Ich habe vor Jahren auch mal für "Moulin Rouge" vorgesprochen. Ich flog nach New York, traf Regisseur Baz Luhrman, habe vorgesprochen und vorgesungen, doch ich war einfach nicht gut genug. Aber ich habe mir ein dickes Fell zugelegt. Ich habe Ende letzten Jahres meinen zweiten Spielfilm gedreht, es ist ein Kriegsdrama.

Die Schauspielerei reizt ihn immer wieder, ganz besonders: James Bond.

Natürlich! Es ist der Traum eines jeden Jungen.


8/10: Papst Benedikt

AFP

Ich habe ihn 2011 getroffen, als ich im Vatikan für ein Weihnachtskonzert gesungen habe. Er war ein zäher Knochen, von dem, was ich mitbekommen habe. Ich erinnere, wie ich ihm vorgestellt wurde. Ich war so nervös und wusste nicht, was ich tun sollte. Jemand sagte, ich solle seinen Ring küssen. Ich habe seiner Hand dann in meiner Nervosität einen Kopfstoß verpasst. Er hat nur geziert gelächelt.

Den Papst zu treffen, ist wie einen Präsidenten zu treffen. Obwohl ich sagen muss, dass ich lieber Johannes Paul II. getroffen hätte. Gott hab ihn selig. Er war ein unglaublicher Papst. Ich habe ein Tattoo, das von ihm inspiriert wurde: Abbiate sempre corraggio, seid immer mutig. Und ich habe das hier. Er fummelt etwas unter seinem weißen Hemd hervor. Es ist das Konterfei von Johannes Paul II. auf einem silbernen Anhänger. Ich trage es immer um meinen Hals.

Keating hat die katholische Kirche als Institution oft kritisiert.

Ich kann, wann immer ich will, mit Gott sprechen, ich brauche dafür kein von Menschen erbautes Gebäude. Und ich brauche erst recht keinen Geistlichen, der mir diktiert, wie ich zu leben habe. Ich denke, wir haben alle unsere Probleme mit der katholischen Kirche. Die Missbrauchsskandale. Es ist schrecklich, was passiert ist, vor allem in Irland.

Ob ich eine Haltung zu Abtreibung habe? Ich bin für Wahlfreiheit. Wir sind alle nur Menschen und sollten unsere Entscheidungen selbst fällen können. Ich bin stolz auf Irland, weil wir den Mut hatten, die gleichgeschlechtliche Ehe zu legalisieren. Es ist richtig! Und die Kirche muss tun, was richtig ist, anstatt im Mittelalter stecken zu bleiben.


9/10: Nackt in der "Cosmopolitan" 2006

Jesses, ist das lange her! Was für ein grässliches Bild. Ich habe es damals für einen wohltätigen Zweck gemacht, es ging um Hodenkrebs. Das Guinness-Bier war meine Idee, ich wollte irgendwie in der Situation ein bisschen Witz finden und nicht einfach nur nackt dastehen. Aber es ist wirklich peinlich.

Ich habe mittlerweile viel mehr Tattoos als damals. Sie sind alle sehr persönlich und bedeuten etwas. Sie erzählen meine Geschichte. Vom Tattoo für Stephen, das wir alle aus der Band uns haben machen lassen, bis zur Lotus-Blüte - eine schöne Blume, die in den dunkelsten Gewässern wächst. Alles hat eine Bedeutung für mich.

Wie selbstbewusst muss man für so ein Foto sein?

Ich schaue nicht jeden Tag in den Spiegel und denke: "Man, siehst du gut aus." Das ist ja Bullshit. Aber ich versuche schon, gut auszusehen, für mich, für meine Frau. Aber es ist auch eine Frage der Gesundheit. Je älter man wird, desto schwieriger ist es, fit zu bleiben. Man muss auf sich aufpassen, gut essen, Sport machen.

Keating war in seiner Jugend erfolgreicher Leichtathlet, eine US-Universität bot ihm sogar ein Stipendium an.

Ich hatte einen Titel, Sprint über 200 Meter, die Nummer eins im Land. Das war schon großartig. Ich bereue es nicht, das Stipendium abgelehnt zu haben. Aber ich hätte es schon gerne erlebt. Mein Bruder hat eine Sportkarriere gemacht, und er ist sehr glücklich damit.


10/10: Familie

Das sind meine Ehefrau Storm und meine drei wundervollen Kinder. Sie sind so besonders. Das war eine Wohltätigkeitsveranstaltung in London, bei der wir 1,12 Millionen Pfund gesammelt haben. Storm ist eine unglaubliche Frau. Und ich bin so stolz auf meine Kinder.

Die Produzentin Storm Uechtritz ist Keatings zweite Frau, seine drei Kinder stammen aus der Ehe mit seiner Jugendliebe Yvonne Connolly. Wie schafft man das, trotz Scheidung so eine Einheit zu bilden?

Meine Kinder sind stark. Ich bin ehrlich zu ihnen, das ist wichtig. Und sie wissen, dass sie sehr geliebt werden.

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Seite 1
tkedm 15.02.2016
1.
Was soll man groß über ihn sagen... Wirklich sympathischer, guter Popsänger. Hab ihn vor 10, 12 Jahren mal live in Bonn gesehen, kam schon hochklassig rüber. Ist aber halt von der Songauswahl und Musikrichtung einer unter vielen. Ohne den Lebenslaufpunkt "Boyzone" hätte er es solo sicher nicht geschafft.
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