Royal Wedding mit Harry und Meghan Die Herzensangelegenheit

"Harry und Meghan" - eine sehr öffentliche Hochzeit, aber kein triviales Spektakel. Dieses Jawort ist ein Triumph für die britische Monarchie: weil sie Wandel zulässt und das Private perfekt inszeniert.

Meghan und Harry
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Der Prediger reißt die Hände in die Höhe, er ballt sie zu Fäusten, immer wieder gestikuliert er in Richtung der Zuhörenden, er spricht von Feuer und Macht und Liebe - und bringt es dann auf den Punkt: "Zwei junge Menschen haben sich verliebt. Und deshalb sind wir alle hier."

Die zwei jungen Menschen, das sind Prince Henry Charles Albert David, 33, und Rachel Meghan Markle, 36. Sie haben am Samstagmittag in der britischen Kleinstadt Windsor geheiratet. Und mit ihnen haben sich bei dieser Zeremonie zwei Welten vereint.

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Da ist die jahrhundertealte britische Monarchie: Der Erzbischof von Canterbury traute das Paar und erklärte es klassisch-steif zu Mann und Frau, ein Knabenchor sang, in der St.-George's-Kapelle in Schloss Windsor saßen Hunderte Frauen mit typisch britischen Hüten, die Queen war dabei, sie hatte der Vermählung vorab schriftlich zustimmen müssen, so viel Protokoll musste sein.

Da waren aber auch immer wieder Elemente, in denen das Traditionelle aufgebrochen wurde: Einer der größten Gänsehautmomente war der Auftritt von Karen Gibson und dem Gospelchor The Kingdom Choir, sie sangen den Sechzigerjahre-Hit "Stand by Me" des 2015 verstorbenen US-Musikers Ben E. King.

Als die Frischvermählten - seitdem offiziell Herzog und Herzogin von Sussex - in die offene Ascot-Landau-Kutsche stiegen, wurde das Gospellied "This Little Light of Mine" gespielt. Und dann war da der wild gestikulierende Pastor.

Die Predigt von Michael Bruce Curry, Oberhaupt der Episkopalkirche der USA, wird als einer der Höhepunkte dieser Hochzeit in Erinnerung bleiben. Weil sie mitreißend war, emotional - und damit so ganz anders, als man das aus dem britischen Königshaus gewohnt ist. Curry begann und beendete seine Predigt mit Worten des schwarzen Bürgerrechtlers Martin Luther King und betonte immer wieder die Macht der Liebe. "Liebe kann helfen und heilen, wenn nichts anderes das vermag."

"There's power in love. Love can help and heal when nothing else can. Love can lift up and liberate for living when nothing else will. And the love that brings two people together is the same love that can bind them together, whether on mountaintops of happiness and through valleys of hardship. Love is strong as death. It's flashes are flashes of fire. Many waters cannot quench love. Love can see you through! There's power in love."

Harry und Meghan haben sich bewusst für Curry entschieden. Der Afroamerikaner setzt sich seit Jahren für soziale Gerechtigkeit, für die Versöhnung zwischen Schwarzen und Weißen sowie für die Rechte von Homosexuellen ein. In Windsor schaffte es der Bischof aus Chicago nun, gleichzeitig an seine Zuhörer zu appellieren - und sie zum Lachen zu bringen.

"Wir müssen die Macht der Liebe entdecken, die heilende Kraft der Liebe. Und wenn wir das tun, werden wir aus dieser alten Welt eine neue erschaffen können. Liebe ist der einzige Weg", sagte Curry. Er erinnerte die Hochzeitsgäste daran, wie schwarze Sklaven in den USA mithilfe dieser Liebe Gottes ihr Leid linderten. Zum Schluss wandte er sich ans Brautpaar: "Mein Bruder, meine Schwester. Gott segnet euch."

Video zur Predigt: "Liebe hat Macht"

Zwei junge Menschen haben sich verliebt. Und dank ihnen sieht es nun so aus, als würde tatsächlich etwas mehr Moderne in die britische Monarchie einziehen.

Harry ist die Nummer sechs der britischen Thronfolge. Als Jugendlicher sorgte er mit Partys oder im Nazikostüm für Schlagzeilen. Inzwischen hat er seine Rolle gefunden: Er diente zehn Jahre lang im Militär, er engagiert sich für verwundete Soldaten und karitative Einrichtungen, er gilt in der Familie als der Entspannte, der Lockere. Im Juli 2016 folgte er dem Rat einer Freundin und ging zu einem Blind Date. Dort traf er Meghan Markle.

Mit ihr bekommt die britische Königsfamilie ein Mitglied, wie sie es zuvor noch nie hatte. Markle ist Amerikanerin, geboren und aufgewachsen in Los Angeles. Sie ist geschieden, ihre erste Ehe hielt zwei Jahre. Sie ist afroamerikanischer Abstammung, ihre Mutter ist schwarz, ihr Vater weiß. Sie ist Schauspielerin, die TV-Serie "Suits" hat sie wegen Harry nach sieben Staffeln verlassen. Sie ist, wie sie selbst sagt, Feministin. Sie engagiert sich seit Jahren für wohltätige Zwecke, war Botschafterin der Hilfsorganisation World Vision sowie Uno-Sonderbotschafterin für Frauenrechte. Und dass es bei der Hochzeit so viele außergewöhnliche Momente gab, geht wohl vor allem auf sie zurück.

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Royal Wedding: Die schönsten Fotos

Als erste Braut der britischen Königsfamilie betrat sie die Kapelle unbegleitet. Ursprünglich sollte ihr Vater sie zum Altar führen, nach einem großen "Kommt-er-kommt-er-nicht?"-Drama blieb Thomas Markle der Feier aus gesundheitlichen Gründen fern. Als einzige Blutsverwandte Markles war ihre Mutter Doria Ragland in der Kapelle, sichtlich gerührt, in einem grünen Kleid, mit Nasenpiercing und Dreadlocks.

Prinz Charles sprang kurzfristig für den Brautvater ein, er begleitete die Braut aber nur die letzte Hälfte der Strecke zum Altar, es gab keine "Übergabe" im klassischen Sinne. Beim Ehegelübde versprach die Braut ihrem Bräutigam auch keinen "Gehorsam", wie es sonst üblich ist.

Weitere Themen, über die nach dieser Hochzeit gesprochen wird:

Das Kleid: Die britische Designerin Clare Waight Keller schaffte es im vergangenen Jahr als erste Frau an die Spitze der künstlerischen Leitung des französischen Traditionshauses Givenchy. Und sie bekam nun einen der begehrtesten Jobs der Branche: Sie entwarf das Hochzeitskleid von Meghan Markle. U-Boot-Ausschnitt, dreiviertellange Ärmel, seiden, extrem schlicht und elegant. Und damit: genau Markles Stil. Ihr fünf Meter langer Tüllschleier aus Seide und Organza war mit zahlreichen floralen Mustern bestickt, sie sollen die 53 Länder des Commonwealth repräsentieren. Die Tiara ist eine Leihgabe der Queen, das Diamant-Accessoire stammt aus dem Jahr 1932.

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Fotostrecke: Die Geschichte von Meghan Markles Brautkleid

Die Ringe: Prinz William, Bruder und Trauzeuge des Bräutigams, trug die Ringe in die Kapelle. Sie wurden von dem Londoner Juwelier Cleave and Company gefertigt. Ihrer ist aus walisischem Gold - ein Geschenk der Queen. Seiner ist aus Platin. Eheringe für Männer haben bei den Royals keine Tradition.

Die Gäste: Oprah Winfrey. Die Beckhams. Die Clooneys. Elton John. Idris Elba. Serena Williams. James Corden. James Blunt. Die Hauptdarsteller der TV-Serie "Suits". Priyanka Chopra. Die Queen und Prinz Philip. Prinz Charles und Camilla. Sarah Ferguson. Charles Spencer und Jane Fellowes (Bruder und Schwester der verstorbenen Diana). Pippa Middleton. Chelsy Davy und Cressida Bonas (Ex-Freundinnen von Harry). Genug gesagt.

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Insgesamt 600 Menschen hatte das Brautpaar in die Kapelle eingeladen, eigenen Angaben zufolge enge Freunde und Bekannte. Tausende weitere Menschen versammelten sich im Schlosspark, Millionen verfolgten die Zeremonie weltweit in Livestreams und im Fernsehen. Für Harry und Meghan ging es nach dem ersten Kuss als Ehepaar und der anschließenden Kutschfahrt zum Mittagsempfang nach Schloss Windsor, wo auch Elton John auftrat. Kameras waren dabei nicht zugelassen.

Am Abend folgt ein Empfang im etwa zwei Kilometer entfernten Frogmore House. In Zukunft wollen der Herzog und die Herzogin von Sussex im Kensington-Palast in London leben, direkt neben Prinz William, seiner Frau Kate und ihren drei Kindern.

Zwei junge Menschen haben sich verliebt. Und womöglich haben sie die Macht, die britische Monarchie auch in Zukunft etwas nahbarer zu machen, etwas menschlicher.

insgesamt 76 Beiträge
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Seite 1
womo88 19.05.2018
1. Ist das hier SPON oder DIE BUNTE oder GALA?
Mich interessiert das gerade mal Null, weil Adel anachronistisch ist. Der gehört ins Mittelalter, aber nicht in die moderne Welt. Und dann kann man sich auch mal fragen, wie Adel zu Vermögen gekommen ist. Da hat einfach einer einem anderen einmal mehr auf den Kopf gehauen als der andere. Das setzte sch dann so fort. Adel ist das Ergebnis eines fortwährenden Auf-den-Kopf-Hauens eines anderen. Adel ist nicht das Ergebnis sozialen Handelns, sondern die Geschichte von Ausbeutung. Und das feiern wir? Grauslich! Und ich dachte immer: Alle Menschen sind gleich.
ulrich-wieser 19.05.2018
2. Warum...
ist es eigentlich in Deutschland nicht möglich, sich einfach mal darüber zu freuen, dass sich zwei Menschen gefunden haben, heiraten und glücklich sein wollen. Da es sich dabei um Personen handelt, die in der Öffentlichkeit stehen, ist solch eine Hochzeit eben etwas anders als bei unsereins. Aber sofort beginnt eine Herumgenöle über die Personen, deren Aussehen, deren Herkunft, deren berechnende Gründe für diese Hochzeit, das Brautkleid, den Schleier, das Lächeln oder Nichtlächeln und am Ende noch das Gejammer, dass für so etwas die zwanghalber eingetriebenen GEZ-Gebühren verwendet werden. Manchmal nerven mich meine deutschen Landsleute bis zum Abwinken. Glückwunsch und alles Gute an Prinz Harry und Meghan.
docfox 19.05.2018
3. Spiegel Online nun auf Bild Niveau
Endlich mal richtig positive Nachrichten ! Die ersten 5 Artikel auf Spiegel Online berichten von einer Hochzeit in England. Einem Land, das immer noch ein Königshaus hat und wo Richter lustige Perücken tragen. Vielleicht könnten Spiegel online auch über die nächste Woche folgende Fuchsjagd der Hochzeitsgäste berichten! Wäre super interessant. Passiert ja sonst nichts in der Welt.
rainerwäscher 19.05.2018
4.
Zumindest wird diese Ehe halten, was bei diesen Royals ja nicht die Norm ist. Diese Frau mit ihren 36 Jahren ist reif und klug genug, nicht alles hinzuschmeißen so wie Diana, bloß weil ihr Gatte mal fremdgeht. Frau Markle wird ihren Erfolg genießen und nicht wieder aufs Spiel setzen. Liebe vergeht sowieso aber Geld und Ruhm bleiben.
ichliebeeuchdochalle 19.05.2018
5.
Zitat von womo88Mich interessiert das gerade mal Null, weil Adel anachronistisch ist. Der gehört ins Mittelalter, aber nicht in die moderne Welt. Und dann kann man sich auch mal fragen, wie Adel zu Vermögen gekommen ist. Da hat einfach einer einem anderen einmal mehr auf den Kopf gehauen als der andere. Das setzte sch dann so fort. Adel ist das Ergebnis eines fortwährenden Auf-den-Kopf-Hauens eines anderen. Adel ist nicht das Ergebnis sozialen Handelns, sondern die Geschichte von Ausbeutung. Und das feiern wir? Grauslich! Und ich dachte immer: Alle Menschen sind gleich.
1) Genau, deshalb schreiben Sie über das, was Sie gar nicht interessiert. Ist ja normal. Man denke nur an die vielen Millionen Menschen, die die Relativitätstheorie nicht interessiert ... von "verstehen" soll erst gar nicht die Rede sein ... aber die pausenlos darüber schreiben. Ist ja normal. 2) Kann sein, aber was hat das mit der Hochzeit zu tun? 3) Ach dann sind Sie der Welt-Beauftragte, der das verbindlich für 7 Milliarden Menschen festlegt. Das wußte bisher außer Ihnen kein anderer auf diesem Planeten. Ist das eigentlich ehrenamtlich oder hauptberuflich? 4) Ja, "aber datt kriegen wir später" (Adaption aus "Feuerzangenbowle"). 5) Nein, ich habe so abstruse Gedanken wie Sie nicht und schreibe auch nicht über etwas, was mich nicht interessiert.
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