Zensurvorwürfe General Aladeen fühlt sich schikaniert

Mit Tiraden echter Diktatoren geht die BBC souverän um. Aber was soll der britische Sender bei Zensurvorwürfen eines fiktiven Despoten machen? Die erhebt General Aladeen, neueste Figur von Komiker Sacha Baron Cohen - cleverer PR-Schachzug und Gag in einem.

Getty Images

London - Er findet Pressefreiheit und Frauenrechte zum Lachen, Israel macht er für alles Mögliche verantwortlich, und beim Wettrennen schießt er mit der Startpistole seine Konkurrenten nieder: General Aladeen, fiktiver nordafrikanischer Despot und die neueste Figur des britischen Komikers Sacha Baron Cohen.

Der General fühlt sich von der seriösen BBC nun offenbar unfair behandelt. Sie soll ihn von mehreren Sendungen ausgeschlossen haben. "Ich bin ein großer Fan staatlicher Zensur", verkündete der Film-Herrscher aus der fiktiven Republik von Wadiya - aber dass die BBC ihm Auftritte in ihren ärmlichen Sendern untersage, sei eine Unverschämtheit. "Warum schikanieren sie mich?"

Es stellt sich die Frage, wie ernst Vorwürfe eines fiktiven Diktators zu nehmen sind. Offenbar aber immerhin ernst genug, um von der BBC eine Antwort zu bekommen. Ein Sprecher wies die Vorwürfe zurück: Cohen habe die ganze Sache als Witz gemeint.

Der BBC-Sprecher sagte, nachrichtenorientierte Talksendungen seien für einen Auftritt des Generals nicht geeignet - insbesondere, wenn gleichzeitig Gäste vorhanden seien, die keine fiktiven Rollen spielten. "Aber jede Interviewsendung wäre daran interessiert, Sacha selbst zu befragen."

Mit dieser Einschätzung dürfte der Sprecher nicht ganz unrecht haben: Bei einem Auftritt im australischen Fernsehen sorgte General Aladeen mit seinen politisch inkorrekten Sprüchen bei den Moderatoren für nervöses Lachen. "Ich weiß, dass Sie beide eine Affäre haben", sagte er zur Moderatorin und ihrem Kollegen. "Aber ich werde es für mich behalten." Die Frau solle unbedingt in seinen Palast kommen - "nicht Unanständiges, nur ein bisschen Anfassen".

"The Dictator" kommt im Mai in den USA in die Kinos. In dem Film geht es um den Besuch des Generals in New York. Unter anderem spielen Megan Fox und Ben Kingsley mit. Als General Aladeen hat Cohen schon kräftig PR für seinen Film gemacht. Bei den Oscars verstreute er Asche - angeblich die des verstorbenen Kim Jong Il - auf dem roten Teppich.

ulz



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