Südkorea: Sektenführer San Myung Mun gestorben

Er war Gründer und Oberhaupt der sogenannten Vereinigungskirche - und galt als einer der bekanntesten Koreaner der Welt. Nun ist San Myung Mun im Alter von 92 Jahren gestorben. Für seine Kritiker war er ein Verführer, der es dank eines ausgeprägten Geschäftssinns auch zum Milliardär gebracht hatte.

San Myung Mun: Sektenführer und Milliardär Fotos
REUTERS

Seoul - Zuletzt war es um San Myung Mun ruhiger geworden, seine Organisation hatte er schon länger der Obhut seiner Kinder anvertraut. Als der 92-Jährige kürzlich schwer erkrankte, rief die von ihm gegründete Mun-Sekte zu Sondergebeten für ihr Oberhaupt auf.

Nun ist der koreanische Sektenführer gestorben. Das berichtete die von Mun gegründete "Washington Times" am Sonntag. Er erlag nach Berichten von südkoreanischen Kirchenführern den Folgen einer Lungenentzündung. Mun sei um 2 Uhr morgens (Montag/Ortszeit) im Kreise seiner Familie, Freunde und Anhänger in Südkorea gestorben, so das Blatt.

Doch wer war dieser Mun - der Unternehmer, der wohl erste Milliardär Südkoreas, der Antikommunist und selbsternannte Friedenskönig? Bis zuletzt galt Mun als Autorität innerhalb seiner Organisation. Ganz am Anfang stand eine spirituelle Erfahrung: Auf einem Berg soll der 1920 geborene Mun als 16-Jähriger eine Jesus-Christus-Erscheinung gehabt haben. Am Ostersonntag sei ihm dabei verkündet worden, er werde die "unvollendete Mission" auf Erden beenden, so Mun. Mehrmals erklärte er sich zum Messias. Dies wurde später von ihm selbst und seinen Anhängern jedoch immer wieder relativiert.

Im Mai 1954 gründete Mun in Seoul die Vereinigungskirche. Mit Hilfe von Missionaren konnte er anschließend Hunderttausende, meist junge Menschen in Südkorea, Japan, den USA und Europa von seinen Lehren einer Wiederherstellung des Himmels auf Erden überzeugen. Zugleich schuf der Sektenführer ein Wirtschaftsimperium mit Unternehmen in den unterschiedlichsten Branchen.

Als geistiger Verführer kritisiert

Mun verstand es, seiner Organisation ein gewaltiges Immobilien-, Firmen- und Barvermögen zu verschaffen. Er kontrollierte einen südkoreanischen Waffen- und Werkzeugmaschinenhersteller, mischte im Ginseng-Geschäft und in der Bauindustrie mit. Seine gläubigen "Munies" füllten ihm durch unbezahlte Verkaufs-, Sammel- und Bettelaktionen die Kirchenkasse.

Seine unternehmerischen wie missionarischen Aktivitäten brachten ihm insbesondere in den siebziger und achtziger Jahren Negativschlagzeilen ein. Von seinen Anhängern, die oft zur völligen Selbstaufopferung bereit waren, wurden Mun und seine Frau Han Hak Ja als die "Wahren Eltern" verehrt, von den Gegnern als geistige Verführer kritisiert. Seine Bewegung geriet vor allem nach Berichten über die Isolation von Mitgliedern in religiösen Zentren ins Zwielicht.

Mun erkannte die Medien als wichtiges Instrument, um sich Einfluss zu verschaffen. Anfang der achtziger Jahre gründete er in den USA die stark rechts orientierte Hauptstadt-Zeitung "Washington Times". Kritiker warfen ihm vor, er strebe eine Art Weltherrschaft an.

Muns religiöse Lehre ist ein groteskes Sammelsurium, das von radikal antikommunistischen Tendenzen und rassistisch-faschistische Ansätze geprägt ist. "In der geistigen Welt wurde San Myung Mun als Sieger des Universums und Herr der Schöpfung anerkannt", hieß es in einem "Lebenslauf" des Sektenoberhaupts, den dessen Anhänger verbreiteten.

Schon länger mache der Mitgliederschwund der Organisation Sorgen, sagen Beobachter. Besonders war diese Entwicklung in Westeuropa und in den USA zu spüren, wo Mun 1982 wegen Steuervergehens zu einer 18-monatigen Haftstrafe verurteilt wurde. Heute gibt die Vereinigungskirche die Mitgliederzahl mit drei Millionen an. Jedoch dürfte die Zahl nach Ansicht der Beobachter niedriger sein. Die meisten Mitglieder seien mit 500.000 in Japan, sagt ein Sektensprecher, und rund 200.000 zähle man in Muns Heimat Südkorea.

wit/dpa

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