Sarg-Diebstahl Flick-Witwe soll 111.900 Euro für Milliardärsleiche zahlen

Nach dem spektakulären Raub der Leiche von Karl Flick haben Unbekannte die von der Familie des Milliardärs ausgelobte Belohnung eingefordert. Dafür wollen sie preisgeben, wo sich der gestohlene Sarg befindet. Flick-Witwe Ingrid zeigte sich entsetzt.


Berlin - Der Nürnberger Anwalt Wolfgang Spachmüller soll im Auftrag eines anonymen Mandanten die Belohnung von 100.000 Euro eingefordert haben. Dies berichtet die "Bild"-Zeitung am Samstag. Im Gegenzug wolle Sprachmüller ermitteln, wo sich die Leiche des Milliardärs befinde.

Bei seinen Forderungen scheint der Anwalt an alles gedacht zu haben: In dem überbrachten Vertragsentwurf fordert Spachmüller dem Bericht zufolge nicht nur das Geld, sondern auch gleich sein Honorar in Höhe von 11.900 Euro ein. Außerdem zu erstatten seien die Steuern auf die Belohnung und alle Kosten aus möglichen Ermittlungen oder Strafverfolgungsmaßnahmen gegen ihn oder seinen Mandanten, hieß es.

Die Witwe des Verstorbenen, Ingrid Flick, äußerte gegenüber "Bild" die Vermutung, dass die Täter selbst hinter den Forderungen steckten. Sie habe das Angebot abgelehnt und Anzeige erstatten lassen. "Es ist abscheulich, wie man mit meiner Familie umgeht - und das vor Weihnachten", sagte die Witwe der Zeitung. Der Anwalt wies die Kritik als "absurd" zurück. "Ich meine, dass wir keine überzogenen Forderungen stellen. Die Familie ist doch reich", sagte Spachmüller dem Blatt.

Der Nachrichtenagentur AP gegenüber bestätigte der Jurist, die Flick-Familie kontaktiert zu haben. Seine Mandantschaft wolle sicherstellen, dass sie die Belohnung auch in voller Höhe bekomme. "Ich wüsste nicht, was daran in irgendeiner Weise zu beanstanden sein könnte", so Sprachmüller. Dass es sich bei seinen Mandanten um die Täter selbst handele, wollte er nicht bestätigen. "Es gibt viele Varianten, wie jemand davon Kenntnis erlangt haben könnte", sagte er.

Unbekannte hatten Flicks Leiche samt Sarg aus seinem Grab auf dem Friedhof im österreichischen Velden gestohlen. Der Coup war Mitte November bekannt geworden. Der deutsche Milliardär war im Oktober 2006 im Alter von 79 Jahren nach schwerer Krankheit in seiner Villa am Südufer des Wörthersees gestorben. Seine vier Kinder erbten sein auf fünf bis sechs Milliarden Euro geschätztes Vermögen zu gleichen Teilen.

Flick hatte 1985 durch den Verkauf seiner Industriebeteiligungen ein Milliardenvermögen angehäuft. Den Konzern hatte sein Vater aufgebaut. Seine Vermögensverwaltung verlegte Flick in den neunziger Jahren aus steuerlichen Gründen von Düsseldorf nach Wien. Der Name Flick steht auch für einen Anfang der 80er Jahre aufgeflogenen Parteispendenskandal. Dabei waren Millionenbeträge aus den Kassen des Unternehmers an CDU, CSU, SPD und FDP geflossen.

Flick hatte zeitlebens Angst vor Entführungen. Seine Kinder wurden von Leibwächtern zur Schule begleitet. Im Dezember 1991 war der Bruder seiner Frau gekidnappt worden. Die Geiselnehmer verlangten rund fünf Millionen Euro Lösegeld. Sie wurden jedoch noch vor der Geldübergabe geschnappt und die Entführung unblutig beendet.

ala/AFP/AP



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