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24. April 2011, 21:30 Uhr

Sathya Sai Baba

Anhängerscharen trauern um indischen Guru

Mit seinen angeblich übernatürlichen Kräften zog er weltweit Millionen Menschen in seinen Bann: Der umstrittene indische Guru Sathya Sai Baba ist tot. Unter massivem Polizeiaufgebot versammelten sich Tausende Bewunderer in der Heimatstadt des Sektenführers.

Neu Delhi - Der umstrittene indische Sektenführer Sathya Sai Baba ist tot. Der 85-Jährige gehörte zu den weltweit bekanntesten "Gurus" (spirituellen Lehrmeistern) mit mehreren Millionen Anhängern im In- und Ausland, darunter Filmstars, einflussreiche Geschäftsleute und Politiker. Wie indische Medien berichteten, starb Sathya Sai Baba am Sonntag in einem Krankenhaus im Süden des Landes an Herz- und Lungenversagen. Seit Ende März war er dort in stationärer Behandlung.

Indiens Regierungschef Manmohan Singh nannte den Guru eine "ikonische Persönlichkeit", die Millionen beeinflusst habe. Seine Lehren hätten auf "universellen Idealen" wie Wahrheit, Redlichkeit, Liebe und Gewaltlosigkeit beruht. Sathya Sai Baba sei für Menschen aller Glaubensrichtungen eine große Inspiration gewesen. Premier Singh würdigte in seiner Erklärung auch das Engagement des Gurus im Bildungs- und Sozialbereich. Sai Baba war aber auch mehrfach des sexuellen Missbrauchs bezichtigt worden.

Unmittelbar nach Bekanntwerden des Todes versammelten sich Tausende Trauernde vor der Klinik in Puttaparthi. Viele brachen in Tränen aus. In der Kleinstadt rund 150 Kilometer nördlich der IT-Metropole Bangalore befindet sich das Hauptquartier der Sekte, der Prashanthi Nilayam Ashram. Seit Beginn des Krankenhausaufenthalts von Sai Baba waren unzählige Anhänger hierher geströmt, um für ein Wunder zu beten.

In Puttaparthi soll der Leichnam Sai Babas zwei Tage lang aufgebahrt bleiben. Die Polizei zog mehr als 6000 Einsatzkräfte zusammen, um des erwarteten Massenansturms Herr zu werden.

Die Landesregierung des Bundesstaates Andhra Pradesh rief eine viertägige Staatstrauer aus. Die Einäscherung des Gurus soll am kommenden Mittwoch mit staatlichen Ehren stattfinden.

Umstrittener Sektenführer

Die als Stiftung organisierte Sekte unterhält nach eigenen Angaben in 126 Ländern Gebetszentren. In Indien betreibt sie zahlreiche Krankenhäuser und gemeinnützige Zentren sowie Schulen und Universitäten. Das Vermögen der Organisation wird auf umgerechnet rund sieben Milliarden Euro geschätzt. Zu den prominenten Anhängern Sathya Sai Babas gehören unter anderem der frühere indische Regierungschef Atal Behari Vajpayee und Ex-Präsident Abdul Kalam.

Sathya Sai Baba war nach eigener Aussage die Reinkarnation eines berühmten Gurus aus dem 19. Jahrhundert. Ihm wurden übernatürliche Kräfte zugesprochen, etwa tödliche Krankheiten zu heilen und sich an seine früheren Leben zu erinnern. Bei öffentlichen Auftritten konnte der Sektenführer auf wundersame Weise Goldmünzen oder Uhren herbeizaubern oder Gegenstände zum Schweben bringen. Seine Gegner hatten dies stets als "Taschenspielertricks" kritisiert.

Im Jahr 2000 war die Sekte in die Schlagzeilen geraten, nachdem ehemalige Anhänger, darunter auch ein Deutscher, dem Guru und anderen ranghohen Sektenmitgliedern sexuellen Missbrauch vorgeworfen hatten. Satya Sai Baba wies die Anschuldigungen stets zurück. Zu einem Ermittlungsverfahren kam es in Indien nicht.

can/dpa/AFP

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