Scarlett Johansson Im Verteidigungsmodus

Wegen ihres Werbevertrages für einen Sprudelflaschen-Hersteller arbeitet Scarlett Johansson nicht mehr als Botschafterin der Hilfsorganisation Oxfam. Diesen Schritt hat die Schauspielerin nun verteidigt. Und auch zu den Missbrauchsvorwürfen gegen Woody Allen hat sie Eindeutiges zu sagen.

AFP

London - Eigentlich wollte Scarlett Johansson wohl nur über ihren neuen Film "Under the Skin" plaudern. Aber dann fragte eine Journalistin des "Guardian" nach ihrem umstrittenen Werbevertrag für die israelische Firma Sodastream - und Johansson antwortete. Dass sie die Diskussion damit beendet, scheint aber zweifelhaft. Denn die neuen Äußerungen der Schauspielerin sind nicht geeignet, Kritiker zu besänftigen.

Der Hintergrund: Sodastream betreibt eine große Fabrik in einer jüdischen Siedlung im besetzten Westjordanland. Johansson unterschrieb einen Werbevertrag für den Sprudelflaschen-Hersteller - war aber gleichzeitig Welt-Botschafterin der Hilfsorganisation Oxfam. Diese teilte mit, das Engagement der Schauspielerin sei nicht vereinbar mit dem Werbevertrag für Sodastream.

Daraufhin stellte die 29-Jährige die Zusammenarbeit mit der Organisation ein. Palästinensische Menschenrechtsaktivisten hatten Johansson als neues "Postergesicht der israelischen Besatzungs- und Apartheidspolitik" bezeichnet. Nach Unternehmensangaben beschäftigt Sodastream im Gewerbegebiet Mischdor Adumim in der Siedlung Maale Adumim östlich von Jerusalem 800 Palästinenser und 500 Israelis.

Nun sagte Johansson dem "Guardian", sie stehe zu ihrem Werbeauftrag. "Ich wusste von dieser einzelnen Fabrik, bevor ich unterschrieben habe", sagte sie. Sie könne darin weiterhin kein Problem erkennen - zumal eine Schließung der Fabrik viele Menschen mittellos zurücklassen würde. Sie sehe die Fabrik als Vorbild für Fortschritt in einer scheinbar ausweglosen Situation.

Sie sei plötzlich in eine Diskussion hineingeraten, die immer mehr ausgeufert sei, sagte Johansson. In der Debatte gebe es kein eindeutiges Falsch oder Richtig. Auf die Frage, ob sie sich für Sodastream (Geld) und gegen Oxfam (soziales Engagement) entschieden habe, antwortete Johansson, das sei eine Betrachtungsweise. Aber wenn eine Nichtregierungsorganisation eine politische Sache unterstütze - "fühlt sich das für mich nicht richtig an".

Auch zum Thema Woody Allen hatte Johansson Eindeutiges zu sagen. Allens Adoptivtochter Dylan Farrow hatte dem Regisseur in einem offenen Brief in der "New York Times" vorgeworfen, sie missbraucht zu haben. Allen bestreitet das vehement. Farrow kritisierte zudem die Filmindustrie, weil diese geschwiegen habe. Dabei sprach sie auch Johansson direkt an.

Die Schauspielerin antwortete nun, sie halte es für verantwortungslos, die Namen einiger Schauspieler in eine Diskussion einzubringen, zu der die Genannten nichts beitragen könnten. "Ich weiß nichts darüber. Es wäre lächerlich, wenn ich eine Annahme in die eine oder andere Richtung machen würde." Immerhin sei Allen weder strafrechtlich verfolgt noch verurteilt worden. Es handle sich eben nur um Vermutungen. Johansson hat in mehreren Filmen Allens mitgespielt, etwa in "Vicky Christina Barcelona", "Match Point" und "Scoop - Der Knüller".

ulz/AFP



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