Großmeister Nigel Short über Frauen Schach wat?

Nigel Short, britischer Großmeister, sorgt mit platten Mann-Frau-Attitüden für Empörung. Man solle einfach "würdevoll akzeptieren", dass es weniger Kolleginnen im Profi-Schach gebe.

Corbis

Nigel Short, 49, mag Großmeister des Schachs sein. Zum Großmeister der Gleichberechtigung dürfte es allerdings nicht reichen. Mit seinen jüngsten Äußerungen in einem Interview mit dem Branchenmagazin "New in Chess" löst der Brite landesweit Empörung aus.

Männer und Frauen sollten einfach akzeptieren, dass sie "anders verdrahtet sind", zitiert der "Telegraph" Short aus dem Artikel. Es war um die Frage gegangen, warum es so wenig Frauen im Profi-Schach gibt. "Warum sollten Männer und Frauen gleich funktionieren? Ich habe nicht das geringste Problem anzuerkennen, dass meine Frau eine wesentlich höhere emotionale Intelligenz besitzt als ich." Gleichzeitig sei es für seine Gattin auch nicht peinlich, ihn zu bitten, das Auto aus der engen Garage zu fahren.

So weit, so letztes Jahrhundert. Doch dann setzt Short zu dem Satz an, der nicht nur Profi-Schachspielerinnen verärgert. "Anstatt uns über Ungleichheit zu ärgern, sollten wir das einfach würdevoll als Fakt anerkennen."

Die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten. "Es ist unfassbar schädigend, wenn jemand, der so etabliert ist, Sexismus beipflichtet", erklärte Amanda Ross, Chefin des Casual Chess Clubs in London. Dann erinnerte sie Short daran, dass die ehemalige Weltmeisterin der Frauen, Judit Polgar, Short mehrfach besiegte. "Da hat sie wohl an diesem Tag ihr Männerhirn mitgebracht." Schach.

"Das ist ein biologischer Fakt"

Short reagierte auf Twitter, in ähnlicher Manier, wie er sich zuvor im Interview äußerte. "Sie scheinen unter Begriffsstutzigkeit zu leiden", schrieb er an Ross gewandt. "Männer und Frauen haben unterschiedliche Gehirne. Das ist ein biologischer Fakt." Matt.

Sabrina Chevannes, britische Star-Schachspielerin, erklärte im "Telegraph", Schach habe allgemein ein Problem mit Sexismus. Sie leide schon ihre gesamte Karriere darunter. Frauen müssten sich bei Turnieren oft sexistische Witze und Sprüche anhören - auch deswegen würden so viele Spielerinnen wieder aussteigen. Sie sei schon gefragt worden, ob sie nicht lieber in der Junior-Ecke antreteten wolle - oder sich in der Veranstaltung geirrt habe.

Inhaltlich schlägt sich Short damit auf die Seite eines alten Kontrahenten: Schach-Über-Meister Garri Kasparow. Dieser hatte einmal gesagt, Frauen seien von Natur aus keine außergewöhnlichen Schachspieler - weil sie keine guten Kämpfer seien. Allerdings ist Short der ewige Konkurrent auch in dieser Hinsicht voraus: 2002 ruderte Kasparow in einem SPIEGEL-Interview zurück und erklärte, er habe lediglich "eine Bestandsaufnahme machen" wollen. Selbst der Altmeister musste schließlich zugeben: "Der Abstand zwischen den Geschlechtern wird deutlich geringer, die Zeiten, als ein Weltmeister wie im letzten Jahrhundert einer Frau eine Figur vorgeben konnte, sind endgültig vorbei."

gam

Mehr zum Thema


Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 59 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
palart 20.04.2015
1. Peinliche Einfalt
Schach ist ein äusserst einfältiges Spiel. Wer nur Schach spielen kann, weist oft Defizite an anderer Stelle auf, nicht zuletzt im zwischenmenschlichen Bereich. Mir war immer schleierhaft, warum exzentrische "Grossmeister" derart in den Medien gewälzt werden, wo sie doch eher peinlich wirken, wenn es nicht um ihr einseitiges Können geht. Das ist leider auch in anderen Disziplinen zu beobachten, zum Beispiel Fussball. Multimillionäre in diesem Sport benehmen sich oft wie kleine, zänkische, vom Ehrgeiz zerfressene Kinder. Manche Sportler werden immer hässlicher und agieren zusehends jenseits jeder Vorbildfunktion. Kein Wunder, wenn dann die Fans vor lauter Einfalt ebenfalls durchdrehen.
felix1756 20.04.2015
2. Wo er Recht hat...
...hat er Recht. Da hilft auch kein "#Aufschrei".
Eduschu 20.04.2015
3.
Wäre ja nett gewesen, wenn sich im Artikel jemand mit den Aussagen Shorts beschäftigt hätte, anstatt sie schon deshalb zu verdammen, weil sie scheinbar(sic) sexistisch sind. Warum z.B. gibt es getrennte Schachweltmeisterschaften für Frauen und Männer?
Esib 20.04.2015
4. Na super
Wenn es also keine biologischen Unterschiede gibt, gibt es natürlich auch keinen Grund, Frauen- und Männerturniere getrennt zu veranstalten. Da kann man dann ja auch eine einzige Rangliste führen usw. Doch gerade die weiblichen Schachprofis wehren sich genau dagegen. Warum eigentlich?
KaroXXL 20.04.2015
5. Aufschrei!
Es ist ja unglaublich wo bei und wie schnell "man" heutzutage empört ist. Pawlowsche Reflexe lassen grüßen. Manchmal glaube ich Empörtsein schafft manchen erst Identität. Bei den Dingen die auf der Welt passieren (auch in Deutschland, auch wenn es "nur" das bevorstehende TTIP ist über das die Medien nicht aufklären), die unter den Teppich gekehrt und verharmlost werden, ist es da nicht Dekadenz pur soetwas zu einem (Empörtheits-)Thema zu machen?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.