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Schein und Sein: Webgemeinde spottet über Googles Luxus-Hochzeit

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Die Webgemeinde spottet: Während die Google-Homepage heute schwarz bleibt, um für den Klimaschutz zu werben, feiert Google-Gründer Larry Page in der Karibik eine energieaufwendige Luxus-Hochzeit. Hunderte Gäste flogen in Privatjets ein, eine Sandbank wurde aufgeschüttet und Bierzelte aufgestellt - natürlich per Klimaanlage gekühlt.

Hamburg - Das Bild wirkt idyllisch: eine Sandbank, im Sonnenlicht schimmerndes Meer, einige Palmen, dahinter blauer Himmel mit einigen fluffigen Wölkchen. Doch der Schein trügt - das jedenfalls schreibt das Internetmagazin "Valleywag", eine Website aus dem Silicon Valley, die sich selbst als Technik-Klatsch-Postille für Nerds versteht. Der Kapitän eines Charterboots, heißt es dort, sei der Wahrheit der Pageschen Hochzeitsvorbereitungen auf die Schliche gekommen.

Multimilliardär Larry Page, 34, soll heute seine Verlobte Lucy Southworth heiraten, eine 27 Jahre alte Stanford-Doktorandin. Für die Zeremonie hat er die Insel von "Virgin"-Boss Richard Branson gemietet, Necker Island: Palmen, türkisblaues Wasser und jeder erdenklicher Luxus. Kosten pro Tag: 46.000 Dollar.

Für eine Megahochzeit ist aber auch Necker Island offenbar nicht ausgerichtet. Die Sandbank musste laut "Valleywag" erst aufgeschüttet werden, die Palmen sind demnach aus Plastik, und das Festzelt sei vollgestopft mit Überwachungstechnik und ausgestattet mit einer Klimaanlage. Zuvor hatte die Website noch berichtet, es werde extra ökologisch wertvolles Mobiliar für die Hochzeit herbeigeschifft. Erst vor kurzem hatten Page und Mitgründer Sergeji Brin Pläne verkündet, wie ambitioniert ihr Unternehmen Google gegen die Klimaerwärmung kämpfen wolle.

"Das wirkt schon ein bisschen scheinheilig, sich Plastikpalmen als Kulissen für eine angeblich umweltfreundliche Hochzeit pflanzen zu lassen", sagte Owen Thomas, geschäftsführender Redakteur von "Valleywag", SPIEGEL ONLINE. Auch der Plan, alle Gäste einfliegen zu lassen, sei unter Umweltgesichtspunkten nicht gerade preiswürdig.

Auch im Forum der Seite erregen sich die Leser über die Mammuthochzeit. "Ich glaube, der Umweltgedanke bleibt zu Hause, sobald die Gäste (und das glückliche Paar) in ihre Privatjets steigen", schreibt "Sample023". Ein User namens "Dula" meint: "Vergiss umweltfreundlich, das Ganze ist so ziemlich die klimaschädlichste Veranstaltung des Planeten."

Eingeladen sind der "Times" zufolge rund 600 Gäste. Seit einem halben Jahr sind Hochzeitsexperten mit der Planung des Megaereignisses beschäftigt. Die Planungsstrategen haben an Flughäfen überall auf der Welt Jets gechartert, um sicherzustellen, dass alle Gäste rechtzeitig zur Feier eintreffen. Übernachten sollen die meisten - Necker Island ist zu klein für alle - auf der Nachbarinsel Virgin Gorda. Der Transfer erfolge mit angemieteten Fähren. Schon vor Monaten hätten die Organisatoren alle verfügbaren Hotelzimmer reserviert, damit die Page-Gäste auch wirklich unter sich sind. "Sie haben die ganze Insel eingenommen", wird ein namentlich nicht genannter Insider zitiert.

Stars, Milliardäre - und die liebe Verwandtschaft

Inselbesitzer Branson ist den Angaben zufolge Trauzeuge. Und auch die Mischung der Gäste verspricht interessant zu werden. Silicon-Valley-Milliardäre kämen ebenso wie ältliche Verwandte, Rockstars und Weggefährten aus Studententagen in Stanford (die nicht wie Page zu gigantischem Reichtum gelangt sind). Zugesagt haben angeblich auch U2-Frontmann Bono und das Ehepaar Clinton.

Larry Page, der laut "Forbes"-Liste viertmächtigste Manager mit einem Reichtum von knapp 20 Milliarden Dollar, ist den Angaben zufolge seit einem Jahr mit Lucy Southworth zusammen. Sie studierte an der Eliteuni Oxford und promoviert nun in Stanford in ihrem Fachbereich biomedizinische Informatik, ebenfalls eine akademische Topadresse. Offizielle Bilder des Paares gibt es nicht - wie die Braut aussieht, ist allerdings auf der Internetseite des Bräutigams zu recherchieren. Wer in der Google-Bildersuche "Lucy Southworth" eingibt, bekommt in Sekundenschnelle im Netz kursierende Schnappschüsse zu sehen.

Trauzeuge Branson und Bräutigam Page verbindet laut "Times" übrigens nicht nur Reichtum, sondern auch eine "ungewöhnliche Freundschaft im weltweiten Club der Milliardäre". Bei der Suche nach Bransons Freund, dem verschollenen Abenteurer und Ebenfalls-Milliardär Steve Fossett, hatte Page ihn mit seinem Angebot Google Maps unterstützt - bislang allerdings erfolglos.

Page hatte die Suchmaschine Google 1998 zusammen mit seinem gleichaltrigen Kommilitonen Sergeji Brin gegründet - mit einem Startkapital von etwa einer Million Dollar. Seit dem Börsengang 2004 sind die Aktien um das Siebenfache gestiegen, das Unternehmen hat inzwischen einen Wert von rund 200 Milliarden Dollar.

Kollege Brin hat ebenfalls dieses Jahr geheiratet. Er gab seiner Freundin Anne Wojcicki, einer Yale-Absolventin, auf den Bahamas das Jawort.

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