Britische Reality-Stars Bitte recht künstlich

Darsteller britischer Reality-Serien haben offenbar eine neue Einnahmequelle. Sie loben öffentlich ihre Schönheitsoperationen. Diese Art der Vermarktung geht selbst der Vereinigung britischer Schönheitschirurgen zu weit.

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London - Die Nasen sind perfekt proportioniert, die Fältchen entfernt, die Oberweiten künstlich vergrößert: Mit natürlicher Schönheit haben die Darsteller in der britischen Reality-Serie "The Only Way Is Essex" (Towie) nur bedingt etwas zu tun. Wer die Show als Leistungsschau der Schönheitschirurgie versteht, liegt gar nicht so falsch.

Das machen sich die Darsteller zunutze. Sie erreichen ein Millionenpublikum und sind damit so etwas wie wandelnde Werbefiguren für plastische Chirurgen. Auf der Seite des Anbieters "Make Yourself Amazing" etwa sind mehr als ein Dutzend britische Prominente aufgeführt, die sagen, wie toll das Unternehmen sei. Unter ihnen sind auch die Towie-Darsteller Lauren Pope, Nicola Goodger und Kirk Norcross.

Goodger wird auf der Seite zu ihrer Brustvergrößerung mit den Worten zitiert, die Beratung durch den Chirurgen sei hervorragend, das Personal freundlich und die Operation schnell vorbei gewesen. "Ich konnte es nicht erwarten, das Ergebnis zu sehen!"

Laut einem Bericht des "Guardian" sorgen Towie und ähnliche Sendungen dafür, dass die Nachfrage nach Schönheitsoperationen steigt. Demnach werden die Reality-Stars sogar dafür bezahlt, die Operationen wohlwollend zu erwähnen - sei es auf Twitter, in Interviews oder bei Auftritten. Pope sagte einst der BBC, die Anbieter der Operationen müssten sich vermarkten. "Wieso sollen wir das nicht tun?"

Diese Verquickung geht nun selbst Branchenverbänden zu weit. Die plastische Chirurgie sieht sich ungern auf Nasenkorrekturen und Brustvergrößerungen reduziert. Schließlich hilft sie auch Personen, die nach schwerer Krankheit oder Unfällen entstellt sind.

Die britische Vereinigung ästhetisch-plastischer Chirurgen fordert im "Guardian" nun mehr Transparenz. Towie und andere Sendungen "normalisieren etwas, das nicht normal ist", sagte Rajiv Grover, Vorsitzender der Ärztevereinigung. 19- oder 20-Jährige sollten keine Botox-Behandlungen oder Brustimplantate bekommen als handle es sich dabei nur um oberflächliche Schönheitsbehandlungen.

Grover forderte im "Guardian", Sponsoringverträge in der Branche zu veröffentlichen. Mit ein bisschen mehr Transparenz würden wohlwollende Aussagen über Eingriffe vielleicht nicht mehr so einfach für bare Münze genommen.

ulz

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