Schulbau in Malawi Madonnas Hilfsprojekt verschwendet Millionen

3,8 Millionen Dollar für eine Schule, die nie gebaut wurde - Madonnas Wohltätigkeitsorganisation hat eine Bruchlandung hingelegt. Der Projektleiter investierte das Geld lieber in Gehälter, Golf-Mitgliedschaften und einen Chauffeur für die künftige Direktorin.

REUTERS

New York - Malawi liegt Madonna am Herzen. Der Weltstar hat zwei Kinder aus dem südostafrikanischen Land adoptiert. Und die Sängerin hat Großes vor: 2006 gründete sie mit Michael Berg die Hilfsorganisation "Raising Malawi". Diese hat laut der offiziellen Homepage zum Ziel, die extreme Armut der zwei Millionen Waisen und benachteiligten Kinder in dem Land "ein für allemal" zu beenden.

Dafür setzt sich Madonna mit ihrem Namen und elf Millionen Dollar ein. Doch ob die tatsächlich bei den hilfsbedürftigen Kindern ankommen, ist fraglich. Nach einem Bericht der "New York Times" musste der Vorsitzende der Organisation gehen, weil er 3,8 Millionen Dollar für eine Mädchenschule verschwendete, die nie gebaut wurde - eine enorme Summe für eine Organisation, die bisher insgesamt 18 Millionen Dollar gesammelt hat. Nun hätten Madonna, ihr Manager und weitere Personen die Geschicke der Organisation übernommen, schreibt die Zeitung.

Dem Bericht zufolge gab der frühere Leiter des Projekts, Philippe van den Bossche, Partner von Madonnas ehemaliger Trainerin Tracy Anderson, das Geld für Gehälter, Autos für künftige Angestellte, Büroräume, Mitgliedschaften in Golfclubs, kostenlose Wohnungen sowie ein Auto mit Chauffeur für die Schuldirektorin aus. Die Schule sollte insgesamt 15 Millionen Dollar kosten. Madonna war laut der "New York Times" mindestens zweimal in der Stadt Lilongwe, wo das Gebäude hätte stehen sollen.

Finanzielles und programmatisches Chaos

Nach dem Urteil von unabhängigen Prüfern ist unklar, wie genau die ganze Summe ausgegeben wurde. Die Bauarbeiten hatten noch nicht einmal begonnen, es hatte lediglich im vergangenen April eine symbolische Grundsteinlegung gegeben.

Van den Bossche musste im vergangenen Oktober gehen. Außer ihm kritisierten die Prüfer auch Anjimile Oponyo heftig. Sie sollte Direktorin der geplanten Eliteschule werden. Ihr Charisma überdecke einen Mangel an substantiellem Wissen und ihre schlechten Managementfähigkeiten hätten bedeutend zum finanziellen und programmatischen Chaos beigetragen, so das Urteil der Prüfer.

Im Januar war bekannt geworden, dass die Schule nicht gebaut werden würde. Berg hatte mitgeteilt, eine "bedachte Entscheidung" sei getroffen worden, die Pläne für die Raising Malawi Academy for Girls aufzugeben.

Nach dieser Ankündigung musste sich auch Madonna heftige Kritik anhören. Malawische Offizielle sagten, der Weltstar versuche, die Schuld auf das Management abzuschieben, weil sie nicht in der Lage gewesen sei, das Geld für das Projekt aufzubringen. Auch Anwohner waren verärgert, weil sie ihre Häuser auf etwa 45 Hektar Land für das Schulgelände verlassen hatten.

Ihr Engagement für Malawi einstellen will Madonna offenbar nicht: Sie ließ mitteilen, sie wolle die Organisation weiterhin unterstützen, um die Lage in Malawi zu verbessern.

Wie es trotz ihres intensiven Interesses zu dem finanziellen Desaster kommen konnte - darüber gaben laut "New York Times" Madonna und ihr Management keine Auskunft.

ulz



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