SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

03. Dezember 2012, 21:28 Uhr

Kates Schwangerschaft

Neues Glück für die Monarchie

Von , London

Auf diese Nachricht warten die britischen Massenblätter seit zwei Jahren: Kate Middleton ist schwanger. Der Jubel auf der Insel ist groß. Das britische Königshaus erfährt ungeahnte Begeisterung. Jetzt muss Premier Cameron nur noch das Thronfolgegesetz ändern - falls es ein Mädchen wird.

Die Gerüchte begannen bereits bei der Verlobung. War auf diesem Foto nicht eine leichte Wölbung zu erkennen? Und lag Kates Hand auf jenem Bild nicht schützend auf dem Bauch? Seit zwei Jahren erhöhen die britischen Hochglanzmagazine und Klatschblätter stetig den Druck auf die Herzogin von Cambridge. Sie sollte der Nation endlich einen Thronfolger gebären.

Selbst die britische Regierung war vergangenes Jahr schon tätig geworden - rein vorsorglich natürlich. Premierminister David Cameron fragte bei den 16 Commonwealth-Partnern an, die ebenfalls die Queen als Staatsoberhaupt haben, ob sie einer Änderung der Thronfolgegesetze zustimmen würden - für den Fall, dass Prinz William und Kate eine Tochter bekämen. Bislang werden männliche Nachkommen bevorzugt. Alle Partner sagten Ja.

Die hohen Erwartungen scheinen nun erfüllt zu werden. Die Nachricht von Kates Schwangerschaft vom Montag versetzte die Royal-Watcher auf der Insel in höchste Verzückung. Die 30-Jährige, im Sommer noch gescholten wegen unvorsichtiger Oben-Ohne-Fotos in Südfrankreich, wird nun wieder ihrer Rolle als Musterprinzessin gerecht.

Cameron: "Sie werden wunderbare Eltern sein"

"Baby-Glück für Wills and Kate", titelte das Massenblatt "Sun". Premier Cameron war sich sicher: "Kate und William werden wunderbare Eltern sein". Und Oppositionsführer Ed Miliband twitterte: "Die ganze Nation wird das königliche Baby feiern."

Natürlich gab es auch die anderen. Nun komme also die nächste Generation der Parasiten, wurde in Internet-Foren gelästert. Und als der linke, republikanische "Guardian" in einer Online-Umfrage seinen Lesern die negativ aufgeladene Frage stellte, ob sie sich auch so wie Cameron über Kates Baby freuten, gab es als Antwort mehrheitlich ein "Nein".

In der Bevölkerung sind die Nein-Sager jedoch in der Minderheit. Das Baby wird der jüngsten Royals-Begeisterung den nächsten Schub geben. Kate und William hatten sie mit ihrer Verlobung 2010 neu entfacht, es folgte die Hochzeit im April 2011, das diamantene Thronjubiläum von Queen Elizabeth II. mit großer Flottenparade im Juni und der Überraschungs-Stunt der 86-Jährigen mit James Bond bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in London.

Selten hat die englische Monarchie für eine solche Serie positiver Schlagzeilen gesorgt. Schon jetzt ist Kate neben der Queen das Aushängeschild der Royals. Das Baby wird die hübsche Herzogin nun noch weiter ins Zentrum des Königshauses rücken. Es werde das "berühmteste Baby der modernen Geschichte", prophezeite die Königshausexpertin Kate Williams.

Die Regierung wird nun alles daran setzen, die Änderung der Thronfolgegesetze in den 16 Commonwealth-Ländern noch vor der Geburt zustande zu bringen, damit auch eine Tochter den dritten Rang in der Thronfolge beanspruchen kann. Sie würde ihren Onkel, Prinz Harry, auf den vierten Platz verdrängen. Eine grundsätzliche Einigung mit den Commonwealth-Partnern gibt es bereits, aber alle Parlamente müssen noch zustimmen. Laut Downing Street ist die gleichberechtigte Thronfolge jedoch auch ohne diese Formalität "de facto" in Kraft.

Noch ist nichts über das Geschlecht des Babys bekannt, Kate ist erst im dritten Monat. Die Nachricht wäre noch gar nicht bekannt geworden, wenn die Herzogin nicht mit schwerer Übelkeit in ein Londoner Krankenhaus hätte eingeliefert werden müssen. Da Kate alle Termine für die Woche absagen musste, hätte es Nachfragen und Spekulationen gegeben. Deshalb ging der Palast in die Offensive.

Die Briten vertreiben sich das Warten auf den Urenkel der Queen nun mit Namensraten, Buchmacher nehmen bereits seit längerem Wetten an. Einem skandinavischen Modenamen, wie andere Eltern ihn ihren Kindern gern verpassen, wird das Baby mit allergrößter Wahrscheinlichkeit entgehen. Englische Königskinder bekommen historische Namen wie Charles, Edward, Mary oder Victoria. Und Kate und William haben es bisher stets traditionell gehalten - deshalb gilt William auch als der Lieblingsenkel.

Wenn das Paar noch mal bei der alten Dame punkten will, könnte es das Kind einfach Elizabeth nennen. Wenn es denn eine Tochter wird. Der Beifall der britischen Öffentlichkeit wäre ihnen sicher.

URL:

Mehr auf SPIEGEL ONLINE:

Mehr im Internet


© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH