Schwarzenegger und Shriver: Ende der Musterlösung

Von Marc Hujer, Washington

Der Beginn ihrer Beziehung war bezeichnend: Er stand auf dem Tennisplatz, halbnackt, sie schaute als Mitglied des Kennedy-Clans zu, lud ihn später ein. Arnold Schwarzenegger und Maria Shriver führten eine Ehe voller Gegensätze. Das ist nicht der Grund ihres Scheiterns - sondern ihrer Beständigkeit.

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Es war immer die gleiche Frage, die sie begleitet hat: Warum sie überhaupt geheiratet haben, aus Liebe oder Kalkül? Er, der Halbstarke aus dem hinterwäldlerischen Österreich, und sie, die Nichte von Präsident John F. Kennedy, eine Prinzessin aus Amerikas heimlicher Königsfamilie.

Hat er sie geheiratet, weil er gesellschaftlich aufsteigen wollte, als er noch eine zweifelhafte Berühmtheit war? Und hat sie ihn geheiratet, weil sie dem engen Korsett der Kennedy-Familie entfliehen wollte, dieser ererbten Verpflichtung nach politischem Engagement? Oder haben sie sich einfach perfekt ergänzt?

Am Montagabend haben Maria Shriver und Arnold Schwarzenegger erklärt, dass sie nach 25 Jahren Ehe getrennt leben werden.

Schwarzenegger hat immer gescherzt, dass man nur drei Dinge im Leben tun muss, um erfolgreich zu sein, erstens nach Amerika zu kommen, zweitens wie verrückt zu arbeiten, drittens eine Kennedy zu heiraten.

Schwarzenegger hatte kein Kalkül, nichts war geplant

Zweifellos hat Schwarzenegger von Shriver profitiert, in seinen frühen Tagen als Filmschauspieler, als sie bedingungslos an ihn glaubte und noch nicht abzusehen war, dass er es in der obskuren Rolle als Conan, der Barbar, halbnackt und in Lendenschurz, zu Weltruhm bringen sollte.

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Und später, als er sich entschied, in die Politik zu gehen, als Gouverneur von Kalifornien. Sie kannte wichtige Experten, sie hatte wertvolle Kontakte in die Demokratische Partei, die ihm im mehrheitlich demokratischen Kalifornien immer wieder nutzten. Und natürlich verlieh sie ihm ein Stück mehr Faszination. Wie konnte einer wie er in die mächtigste Politikerfamilie Amerikas einheiraten?

Aber Kalkül hat Schwarzenegger nie gehabt, nichts war geplant. Er ist mehr hineingestolpert in diese Ehe, damals als er im August 1977 beim Robert F. Kennedy Wohlfahrts-Tennisturnier in Forest Hills bei New York mit freiem Oberkörper auf dem Center Court stand und sie beeindruckt war von seiner rohen, archaischen Natur. Als sie ihn danach fürs Wochenende auf das Kennedy-Anwesen in Hyannisport einlud, nahm er das Angebot an, aber erzählte danach nicht einmal seinen besten Freunden davon.

Jeder hatte sein eigenes, unabhängiges Leben

Neun Jahre vergingen nach diesem Wochenende in Hyannisport, neun Jahre, in denen er in Los Angeles noch eine andere Freundin gehabt haben soll, und in denen Gerüchte über Affären die Runde machten. Wenn die Ehe mit Shriver jemals wirklich Teil eines kalkulierten Karriereplans gewesen sein sollte, dann hätte er unnötig viel riskiert. Erst 1986 heiratete er Shriver.

25 Jahre haben die beiden zusammengelebt, es war immer eine Ehe der größtmöglichen Unterschiedlichkeit, aber diese Gegensätze haben sie zusammengehalten. Sie hatte ihre Freundinnen, er seine Kumpels, mit denen er sich am Samstag zum Zigarrenrauchen traf und abends im Whirlpool. Shriver und Schwarzenegger verbrachten die Wochenenden zusammen, aber jeder führte daneben auch sein eigenes, unabhängiges Leben. Es war ihr Erfolgsrezept.

Eine der großen Belastungen für die Ehe war Schwarzeneggers Wunsch, Gouverneur von Kalifornien zu werden. Shriver hatte sich immer so weit wie möglich aus der Politik herausgehalten, ein politisches Amt kam für sie nie in Frage. Sie hielt so weit Abstand von der Politik, wie es für eine Kennedy möglich war. Sie kannte ja die Belastungen für die Familie, sie hatte miterlebt, wie ihre Cousins und Cousinen im Fokus der Öffentlichkeit aufwuchsen, wie ihre Kindheit geprägt wurde von den Präsidentschaftswahlkämpfen ihrer Väter und den schrecklichen Attentaten auf sie. Shriver hatte deshalb auch Angst um ihre Kinder.

Sein Entschluss, in die Politik zu gehen, stellte alles in Frage

Und so war gerade sie, die Tochter einer der berühmtesten Politikerfamilien Amerikas, gegen die Pläne ihres Mannes, in der Politik Karriere zu machen. 2003 zog er trotzdem in den Wahlkampf und wurde überraschend zum Gouverneur gewählt.

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Sie freundete sich zwar zusehends mit dem Gedanken an, gemeinsam mit ihm die Politik Kaliforniens zu gestalten, sie fand ihre Rolle als First Lady, aber das politische Amt blieb immer eine Belastung für das Familienleben. Schwarzenegger pendelte die gesamten sieben Jahre seiner Amtszeit von Los Angeles in die kalifornische Hauptstadt Sacramento. Weder seine Frau noch seine Kinder waren bereit, aus Los Angeles wegzuziehen.

Familie war Shriver immer sehr wichtig, mit ihren Eltern telefonierte sie regelmäßig, und so war es zweifellos ein großer Einschnitt in ihrem Leben, als im August 2009 ihre Mutter starb und im Januar 2011 auch ihr Vater.

Die beiden Töchter Katherine und Christina studieren inzwischen, die eine in Washington, die andere in Los Angeles, beide Jungen, Patrick und Christopher, gehen noch in die Schule. In einem YouTube-Video vor einem Monat sprach Shriver von großen Umbrüchen, die sie zu meistern habe, Umbrüche, die Shriver, wie so vieles in ihrem Leben, problematisierte. Konnte er ihre Sorgen teilen? Er, der nirgendwo Probleme sah, den sein Just-Do-it-Geist immer weiter, immer höher trug?

Shriver und Schwarzenegger haben sich zunächst freundschaftlich getrennt, ihre Kinder haben jetzt Priorität, heißt es.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Textes hieß es, Maria Shriver sei die Cousine John F. Kennedys. Sie ist jedoch seine Nichte. Wir haben dies korrigiert und bitten, den Fehler zu entschuldigen.

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