50.000 Facebook-Likes Matthias Schweighöfer wünscht sich ein Weihnachten ohne Pegida

Friedliche Feiertage? Mit den "Deppen und Mitläufern" von Pegida kaum vorstellbar, findet der Schauspieler Matthias Schweighöfer. Seine Facebook-Anhänger finden's super - die sogenannten "Patriotischen Europäer" schäumen.

Schauspieler Matthias Schweighöfer: "Was soll das für ein friedliches Weihnachtsfest werden?"
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Schauspieler Matthias Schweighöfer: "Was soll das für ein friedliches Weihnachtsfest werden?"


Pegida-Anhänger schimpfen auf Flüchtlinge, die Lügenpresse - und seit Freitagnacht auch auf Matthias Schweighöfer. Der Schauspieler hatte auf seiner Facebook-Fanseite geschrieben:

"Was soll das eigentlich für ein friedliches Weihnachtsfest werden, wenn so viele PEGIDA Deppen und Mitläufer unser Land in den Abgrund ziehen....?? Leute, lasst uns ein offenes und gutes Land sein!! Wir haben das Zeug dazu! Peace!"

Rund 50.000 Menschen gefällt dieser Eintrag bei Facebook, rund 3900 Mal wurde er geteilt - und mehr als 1200 Mal kommentiert.

"Schlecht recherchierter post mister schweighöfer! Die leute die bei pegida mitmachen sind nicht alles deppen!" Und: "In kreuzberg ist weihnachten schon halb verboten, was soll da werden wenn immer mehr menschen aus muslimischen ländern zu uns kommen?", fragt sich Melanie G.

"Im übrigen... dass die Politik nicht regider gegen Pegida und Co vorgeht hat Methode. Während wir uns mit DEN deppen beschäftigen bleibt weniger Zeit dass wir uns um TTIP kümmern. Alles fügt sich und es wird klarer als man es sich wünscht. (TTIP lässt sich durch andere Themen ergänzen oder ersetzten)", glaubt Chris D.

"Matthias Schweighoefer.....wie dein Name schon sagt...Schweig lieber oder willst du alleine deine Filme im Kino anschauen?", empfiehlt Frank W.

"Deppen??? Hol dir doch ein paar kriminielle Asylwerber nach hause und feiert zusammen das Weihnachtafest!", rät Michael T.

Alexander P. schreibt: "Weshalb nennst Du fremde Menschen Deppen? Du Penner! Wenn ich solche Leute wie Dich sehe... nichts im Kopp aber überall seinen Senf dazu geben. Halt Dich ans Drehbuch, aber sonst die Klappe."

Sebastian S. erstaunen die Kommentare: "Krass wieviele sich hier als Deppen angesprochen fühlen und jedes Klischee der Pegida Anhänger auch noch bestätigen!"

Micha B. ist nach Lesen der Kommentare eher ratlos: "Bin jetzt verwirrt von euren Kommentaren hier ...nehmen Ausländer jetzt unsere Arbeitsplätze weg oder sind es alles sozialschmarotzer ...entschiedet euch.mal bitte damit ich euch ernst nehmen kann"

Die Nutzerin Ulrike L. resümiert: "Tja, die Kommentare der Pegida-Befürworter hier zu lesen ist wirklich eine prima Studie zu Pegida, da soll noch mal einer sagen, die seien ja gar nicht rechts .... waaaaaaaaaaaaaaahhhhh!"

"Geistige Brandstifter"

Die Anhänger von Pegida, die "Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes", fühlen sich immer wieder zu Unrecht als rassistisch bezeichnet. Medienberichte seien tendenziös, sagen sie. Deswegen wollen viele Demonstranten auch gar nicht mit der Presse sprechen. Sie kämpfen bei ihren Demonstrationen gegen eine angebliche Islamisierung in Deutschland, gegen kriminelle Ausländer und Asylbewerber. 15.000 Menschen demonstrierten zuletzt in Dresden.

Die SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi sagte jetzt in der "Welt am Sonntag": "Die Pegida-Organisatoren betätigen sich als geistige Brandstifter." Vor einer vermeintlichen Islamisierung des Abendlandes zu warnen sei purer Populismus. "Durch eine solche Atmosphäre fühlen sich manche Wahnsinnige zu Anschlägen auf Flüchtlingsheime ermuntert wie zuletzt in Franken."

Pegida sei eine "Schande für Deutschland", bekräftigte die SPD-Generalsekretärin. Jedoch sei Deutschland "nicht Pegida", sondern weltoffen und tolerant.

Sachsens Innenminister Markus Ulbig (CDU) glaubt, dass die Organisatoren gar nicht ernsthaft über die eigenen Forderungen sprechen wollen: "Vielleicht ist es ja so, dass diejenigen, die das organisieren, wissen, dass, wenn es ernstzunehmende Gespräche gäbe, sich zumindest ein Teil der Veranstaltungen überleben würde", sagte er. "Und insofern könnte es bewusstes Kalkül sein, immer nur zu sagen, 'Die reden ja nicht mit uns', um genau diesen Mythos weiterzubauen."

fln/dpa



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