Prozess gegen Rapperin Schwesta Ewa gibt Schläge gegen junge Frauen zu

Schwesta Ewa schlug vier weibliche Fans - das hat die Rapperin vor dem Landgericht Frankfurt am Main zugegeben. Zur Prostitution will die 32-Jährige die jungen Frauen aber nicht gezwungen haben.

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Zuhälterei, Menschenhandel, Körperverletzung, Steuerhinterziehung: Die Liste der Vorwürfe gegen Schwesta Ewa ist lang - nun hat der Prozess gegen die Rapperin begonnen.

Laut Staatsanwaltschaft waren vier teilweise noch minderjährige Fans Opfer der Sängerin. Zum Prozessauftakt gab Schwesta Ewa zu, die jungen Frauen geschlagen zu haben. Der Prostitution seien sie aber aus freien Stücken nachgegangen, um in kurzer Zeit möglichst viel Geld für Luxusartikel zusammenzubekommen. Der Erlös aus der Prostitution sei nach dem Abzug aller Spesen gleichmäßig verteilt worden.

Sie selbst sei ebenfalls bereits als 17-Jährige ins Rotlichtmilieu gekommen, "für mich war dies ein normaler Job". Auf den Gedanken, dass es den jungen Frauen nicht guttun könnte, sich zu prostituieren, sei sie deshalb nicht gekommen: "Ich hab' ja selber jung angefangen."

Die Rapperin soll laut Anklage die jungen Frauen von November 2015 bis September 2016 zur Prostitution gezwungen haben. Sie habe ihre Opfer bewusst emotional und finanziell abhängig sowie "durch psychischen Druck und wiederholte körperliche Misshandlungen gefügig" gemacht, hieß es von der Staatsanwaltschaft. Zum Erlös habe sie zudem in ihren Einkommensteuer- und Umsatzsteuererklärungen falsche Angaben gemacht.

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Schwesta Ewa: Rapperin vor Gericht

Eine der vier jungen Frauen hatte im Herbst 2016 Strafanzeige erstattet, woraufhin Schwesta Ewa festgenommen wurde. Die junge Frau behauptete unter anderem, erheblich misshandelt worden zu sein.

Diesen Vorwurf bestritt die Rapperin nun energisch: Sie sei zwar öfter mal ausgerastet und habe Ohrfeigen verteilt, wenn die Mädchen nicht ordnungsgemäß bekleidet gewesen seien oder Zeitvorgaben nicht eingehalten hätten. "Es gab aber kein Blut bei meinen Ausrastern", sagte die Angeklagte.

Anfang kommender Woche sollen alle vier Frauen als Zeuginnen aussagen. Das Gericht hat dann noch zwei weitere Verhandlungstermine bis zum 20. Juni angesetzt. Für den Tag wird das Urteil erwartet. Seit Mitte November sitzt Schwesta Ewa in Untersuchungshaft. Die Anklage wirft der Sängerin auch Steuerhinterziehung vor.

Schwesta Ewa wurde als Ewa Müller 1984 in Polen geboren und zog als Dreijährige mit ihrer Mutter nach Kiel. Über einen Job als Kellnerin kam sie schon als Jugendliche in Kontakt mit dem Rotlichtmilieu, auf dem Bonner Straßenstrich wurde sie mit Anfang 20 crackabhängig. Sie selbst beschreibt ihre Jugend als Martyrium, geprägt von Gewalt.

SPIEGEL TV Reportage (26.02.2015)

ulz/dpa

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