Stummes Interview von Shia LaBeouf "Harr, harr, harr - hi hi hi"

Schauspieler Shia LaBeouf hat einem britischen Magazin ein Interview ohne Worte gegeben - mehr als eine Stunde lang schwieg er sich mit der Reporterin an und filmte die Aktion. Nur verlegenes Lachen ist zu hören.

dazeddigital.com

New York - In der Geschichte des Journalismus gab es schon einige bemerkenswerte stumme Interviews. Man denke nur an den Boxer Norbert Grupe, der im ZDF-Sportstudio keine Frage des Moderators beantworten wollte und maximal mit einem kalten Lächeln reagierte. Oder an die schöne Serie "Sagen Sie jetzt nichts", bei der Prominente im Magazin der "Süddeutschen Zeitung" nur mit Mimik und Gestik auf die Fragen der Redakteure antworten.

US-Schauspieler Shia LaBeouf hat das Prinzip des stummen Interviews nun auf die Spitze getrieben. Mit einer Reporterin des britischen Magazins "Dazed and Confused" hatte er zuvor eine E-Mail-Korrespondenz gestartet. Für das persönliche Treffen schlug der 28-Jährige eine besondere Variante vor: Er und die Reporterin Aimee Cliff trafen sich in einem Hotelzimmer, setzten sich gegenüber auf zwei Stühle und schwiegen sich an. Mehr als eine Stunde lang. Auf den Kopf geschnallte Kameras zeichneten das "Gespräch" auf.

Zu sehen sind zwei Menschen, die sich zuvor wahrscheinlich noch nie begegnet sind, sich nun auf engstem Raum gegenüber sitzen und die seltsame Stille vor allem in den ersten Minuten noch mit verlegenem Lachen und Kichern überspielen. Er: "Harr, harr, harr." Sie: "Hi, hi." Dann halten sie sich gegenseitig aus.

Mal schlägt er die Beine übereinander, mal rutscht er auf dem Stuhl nach vorne, mal verkreuzt er die Arme. Sie spielt meist mit ihren Händen. Nach einer Stunde geben sie sich die Hand, dann verlässt sie das Zimmer.

Hintergrund der Idee: LaBeouf hatte in einer E-Mail an Cliff geschrieben, er behandele soziale Netzwerke im Internet wie das Spiel Tetris - Onlinebeziehungen könnten physische Anwesenheit nicht ersetzen. Die Autorin schrieb zurück, dass es sich auch bei Onlinekommunikation um etwas Menschliches handele, es gebe Spielraum für Antworten und Interpretation, viel mehr Variablen als bei Tetris. LaBeouf stimmte zu, man müsse das Menschliche in den Netzwerken finden, schrieb er. "Vergiss Tetris, wir können neue Spiele erfinden." So entstand die Idee zu dem ungewöhnlichen Interview.

Für den Artikel zitierte die Autorin aus ihrem schriftlichen Dialog mit dem Schauspieler. "Auf diese Weise bin ich im gedruckten Magazin mit Worten vertreten, die ausschließlich digital abgeliefert wurden", erklärt LaBoeuf das Konzept. "Und im Internet bin ich durch eine stumme physische Anwesenheit präsent. Die Realität meines Ichs liegt irgendwo dazwischen."

LaBeouf hatte zuletzt immer wieder eher merkwürde Auftritte hingelegt. Im Juni wurde er festgenommen, weil er eine Broadway-Aufführung störte. Er stand in der Kritik, weil er als Filmemacher von einem Comicautor abkupferte, eine Entschuldigung ließ er per Flugzeug in den Himmel über Los Angeles schreiben. In Deutschland hatte er zudem Irritationen ausgelöst, als er bei der Berlinale mit einer Papiertüte über dem Kopf über den roten Teppich lief.

Die Papiertüte war auch Teil seiner Kunstaktion "IAMSORRY?", über die er bei "Dazed und Confused" ebenfalls Auskunft gab.

Den schriftlichen Austausch zwischen LaBoeuf und der Reporterin können Sie auf dieser Website nachlesen.

hut



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