Ex-Kaiserin Soraya Erbe geht an Chauffeur des Bruders

Es ist ein dramatisches Schicksal, das nun in einer dramatischen Gerichtsentscheidung endete: Der Nachlass der ehemaligen Kaiserin von Persien geht an den Chauffeur ihres Bruders.

Hochzeitsfoto vom Februar 1951: Muhammad Reza Pahlavi und Prinzessin Soraya Esfandiary Bakhtiari
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Hochzeitsfoto vom Februar 1951: Muhammad Reza Pahlavi und Prinzessin Soraya Esfandiary Bakhtiari


Alles begann es mit einer prunkvollen kaiserlichen Hochzeit vor mehr als 60 Jahren in Teheran: Die damals erst 18 Jahre alte Soraya mit deutsch-persischen Wurzeln heiratet 1951 Schah Mohammed Reza Pahlavi und wird weltweit als "Märchenkaiserin" berühmt. Doch schon nach einigen Jahren verstößt der Schah die junge Frau, die Ehe bleibt kinderlos, nach nur sieben Jahren wird sie geschieden.

Soraya bekommt viele Millionen Leibrente und den Titel Prinzessin. Sie versucht sich als Schauspielerin, scheitert, wird dennoch zum High-Society-Liebling. Doch privat soll sie kein Glück finden. Sie stirbt im Oktober 2001 im Alter von 69 Jahren einsam in Paris. Begraben wird sie in München, kurz vor ihrem Tod nahm sie noch die deutsche Staatsbürgerschaft an.

Ihren Bruder Bijan macht sie zum Alleinerben. Doch nur eine Woche nach ihrem Tod stirbt auch er. Ein wenig glanzvolles Gezerre um das Millionen-Erbe beginnt. Die Verfahren waren in Köln gelaufen, weil Bijan dort seinen letzten Wohnsitz hatte.

Zwei parallele Verfahren in Köln halten die Gerichte auf Trab. Jetzt ist das letzte Wort gesprochen - vom Oberlandesgericht (OLG) Köln, das am Dienstag letztinstanzlich sein Urteil verkündet hat.

Fast 15 Jahre nach dem Tod Sorayas und ihres Bruders kann sich jetzt dessen früherer Chauffeur und Privatsekretär Hassan F. freuen. Laut OLG-Urteil steht ihm als Alleinerbe der Nachlass zu, der von der Ex-Kaiserin an ihren Bruder übergegangen war. Es betrifft das zum Todeszeitpunkt in Deutschland befindliche Vermögen.

Soraya 1991 in Paris: Erbe geht an Chauffeur ihres Bruders
DPA

Soraya 1991 in Paris: Erbe geht an Chauffeur ihres Bruders

Zentral war ein kurzer Text, der im privaten Notizbuch Bijans enthalten war - und die Frage, ob dieser als wirksames Testament zugunsten seines früheren Privatsekretärs zu bewerten ist. Das OLG stellte dazu jetzt abschließend klar: Es handelt sich "um ein rechtlich verbindliches, mit sogenanntem Testierwillen verfasstes Dokument".

In der Begründung heißt es im Detail: Der Kurztext stamme tatsächlich von Bijan Esfandiary und sei von ihm auch eigenhändig unterschrieben worden. Es sei keine "Testier-Unfähigkeit" nachgewiesen worden. Bijan habe das Papier auf den 1. November 2001, 23.15 Uhr datiert. Das war einige Stunden vor seinem Tod. Dass er zu dem Zeitpunkt nicht mehr in der Lage gewesen sei, "sich über die Tragweite seiner Anordnungen ein klares Urteil zu bilden", konnte nicht festgestellt werden, betont das OLG und bestätigt damit die Auffassung des Landgerichts. Es gebe auch keinen Beleg dafür, "dass der Erblasser bei der Abfassung des Testaments einem Irrtum unterlegen war" oder gar gezwungen wurde.

Soraya-Millionen für gemeinnützige Organisationen in Frankreich

Um die Soraya-Millionen war aber noch in einem zweiten Verfahren gerungen worden. Dabei setzten sich 2015 drei gemeinnützige Organisationen in Frankreich erfolgreich durch. Das Landgericht Köln sprach ihnen 2014 rund 4,5 Millionen Euro zu. Das OLG bestätigte das Urteil im Mai 2015, wie ein Gerichtssprecher am Dienstag erläutert.

Dabei ging es um bewegliches Vermögen - etwa Schmuck oder die Einrichtung von Sorayas Pariser Wohnung. Unterlegen waren in diesem Streitfall Prozessbeteiligte, die als "Erben" des Bruders Bijan bezeichnet worden waren, der allerdings nicht verheiratet war und keine ehelichen Kinder hatte.

Um dem nun aktuell geklärten zweiten Fall hatten Hassan F. auf der einen Seite und mehrere andere Verwandte der Ex-Kaiserin auf der anderen Seite gestritten. Die Prozesse waren ungewöhnlich aufwendig. Viele Schriftgutachten, medizinische Expertisen und auch Ermittlungen im Ausland waren erforderlich. Nun aber dürfte der Streit um die Millionen der Ex-Kaiserin für immer ruhen.

Yuriko Wahl-Immel, dpa/gam



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