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Spätzünder: Mutterfreuden jenseits der 40

Von Katrin Mink

Madonna hat es getan und Kim Basinger auch. Birgit Schrowange lag voll im Trend, seit kurzem Sandra Maischberger und jetzt auch Barbara Eligmann: Babyglück mit über 40. Aber die Liste der sexy späten Mütter ist noch länger.

Hamburg - Die Fernseh-Moderatorin Barbara Eligmann ist schwanger. Wie letzte Woche bekannt wurde, erwartet sie im Mai ihr drittes Kind. Das ist eigentlich keine Besonderheit, wäre da nicht ihr eigenes Geburtsdatum: 1963. Barbara Eligmann ist 43 Jahre alt und sie befindet sich in guter Gesellschaft. Denn sie gehört zu der immer größer werdenden Gruppe - auch prominenter - Frauen, die sich mit über 40 noch für ein Kind entscheiden.

Laut Gender Datenreport des Bundesfamilienministeriums nimmt der Anteil von Erstgeburten bei Frauen ab 35 Jahren seit Anfang der 90er Jahre kontinuierlich zu: Innerhalb von zwölf Jahren hat er sich fast verdreifacht und lag 2003 bei 16,9 Prozent.

"Ja, das ist eindeutig ein Trend – vor allem bei Karrierefrauen. Durch die verzögerte Lebensplanung, den späteren Einstieg in das Berufleben entscheiden sich immer mehr Frauen, erst später Kinder zu bekommen", bestätigt auch Wolfgang Hantel-Quitmann, Familientherapeut aus Hamburg. "In 10 bis 15 Jahren wird Frau Eligmanns Schwangerschaft mit 43 gar nichts Ungewöhnliches mehr sein - sondern etwas ganz Normales."

Sandra Maischberger wollte erst reisen und unabhängig sein

Noch sind es vor allem Karrierefrauen und Prominente, die sich erst spät zu einer Mutterschaft entschließen möchten. Erst im September überraschte Sandra Maischberger mit ihrem späten Babyglück. Die Moderatorin erwartet Anfang März ihr erstes Kind von Ehemann Jan Kerhart. Und geht im Februar in ein siebenwöchiges TV-Baby-Päuschen. In einem "Bunte"-Interview erklärte sie, dass ihre Karriere nicht der ausschlaggebende Punkt war, warum sie solange mit Kindern gewartet habe. "Es war schlicht und ergreifend so, dass ich leben wollte. Ich wollte reisen, ich wollte unabhängig sein. Aber der Gedanke, Kinder zu haben, war von Anfang an da."

Die Karriereplanung, gesellschaftliche Zwänge oder wenn kein Partner vorhanden ist, dem man die Vaterrolle zutraut, sind dafür verantwortlich, dass Frauen immer später Kinder bekommen. Laut Familienpsychologen Hantel-Quitmann ganz normale, nachvollziehbare Gründe. So war das auch bei Frauke Ludowig, die ihr erstes Kind mit Ende 30 bekam. Immer hatte die RTL-Moderatorin erklärt, dass sie auf den richtigen Partner warte, um Kinder zu bekommen. Der war mit 38 Jahren gefunden und mittlerweile hat sie mit Ehemann Kai Roeffen zwei Töchter: Nele und Nika.

Die wichtigste Frage für Psychologen ist immer: Warum will eine Frau gerade jetzt ein Kind? Schwierig wird es aus Psychologensicht vor allem, wenn es bisher überhaupt keinen Kinderwunsch gab. "Wenn ein Kind funktionalisiert wird, egal ob als Karrierestation oder als Mittel, um die eigene schlechte Kindheit zu verarbeiten, kann sich das später rächen", meint Hantel-Quitmann.

Auch wenn die Gründe für eine späte Schwangerschaft unterschiedlich sind, teilen viele späte Mütter eins: Sie sind eine "Risikoschwangerschaft" Denn darunter fallen in Deutschland alle Frauen über 35 Jahre. Ab diesem Alter steigt das Risiko, ein behindertes Kind zu bekommen deutlich an. Liegt die Gefahr von Trisomie 21 ("Down-Syndrom") normalerweise bei etwa 1:7000, steigt es bei 35-Jährigen bereits auf 1:385; bei 40-jährigen Müttern erhöht sich die Zahl auf 1:90 und bei 45-Jährigen liegt sie sogar bei 1:30. Auch die Gefahr von Diabetes, Bluthochdruck und Fehlgeburten nimmt zu, je älter die Mutter ist.

Cherie Blairs Schwangerschaften bewegten Großbritannien

Cherie Blair, die Frau von Großbritanniens Premier Tony Blair hat beides erlebt: Die Chancen und Risiken einer späten Schwangerschaft. Im Jahr 2000 kam sie zum vierten Mal zu unverhofften Mutterfreuden. Sohn Leo war nach drei Kindern im Alter von 12 bis 16 zwar nicht mehr geplant, brachte aber eine Menge Leben in die Downing Street – und Tony Blair eine Menge Sympathiepunkte in der Bevölkerung. Damals war Cherie Blair 45 Jahre alt, aber trotz Komplikationen ging alles gut. Zwei Jahre später wurde sie mit 47 Jahren erneut schwanger, freute sich schon auf ein Mädchen und erlitt dann eine Fehlgeburt.

Aus psychologischer Sicht hat eine späte Schwangerschaft aber durchaus Vorteile. Laut Hantel-Quitmann besitzen ältere Frauen einen größeren Erfahrungsschatz und sind deshalb ruhiger und gelassener. Dadurch, dass sie sich meist beruflich schon verwirklichlicht haben, wissen sie was sie wollen: Nämlich ein Kind. Die größere Zufriedenheit wirkt sich dann auch positiv auf das Baby aus.

Auch für Oscar-Gewinnerin Holly Hunter ("Das Piano") kam erst mit Mitte 40 der richtige Zeitpunkt für ein Baby. Sie wurde mit 47 Jahren noch Mutter. Und zwar gleich zweifache: Im Januar brachte sie Zwillinge zur Welt. Spät aber doppelt glücklich wurde auch Hollywood-Schauspielerin Geena Davis. Im Alter von 48 Jahren bekam auch sie Zwillinge. Und schon bei Tochter Nummer eins war Davis immerhin stolze 46 Jahre alt.

Von Caroline bis Kim Basinger: Sexy Mütter mit über 40

Die Liste der späten Mütter ist lang: Pop-Ikone Madonna, Fernseh-Moderatorin Bärbel Schäfer, Hollywood-Schauspielerin Annet Bening, Schriftstellerin Helen Fielding ("Bridget Jones – Schokolade zum Frühstück"), Prinzessin Caroline von Monaco, die Schauspielerinnen Jane Seymour, Barbara Wussow und Kim Basinger – sie alle bekamen mit über 40 noch ein Kind.

Eine Altersgrenze gibt es höchstens aus biologischer Sicht. Für den Psychologen ist es entscheidend, dass die Frau noch flexibel und feinfühlig genug ist, um die Bedürfnisse des Kindes in den Mittelpunkt des eigenen Lebens stellen zu können. Das hat aber nicht zwingend mit dem Alter zu tun. "Denn um das noch mal ganz klar zu sagen", betont Hantel-Quitmann. "Besser eine späte Mutter als eine zu junge, minderjährige Mutter."

Ob das auch für die älteste Mutter der Welt gilt? Dank künstlicher Befruchtung brachte die Rumänien Adriana Iliescu im Januar 2005 ihre erste Tochter zur Welt. Da war sie stolze 66 Jahre alt.

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Promis über 40: Spätes Mutterglück

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