Madrid - Die spanische Wirtschaft steckt tief in der Krise - und ausgerechnet in dieser Zeit vergnügt sich König Juan Carlos auf der Elefantenjagd in Afrika. Nun steht der Monarch gleich aus zwei Gründen in der Kritik: Seine Landsleute verurteilen das schlechte Timing des Urlaubs. Und Tierschützer kritisieren die Doppelmoral des jagenden Königs, zugleich Ehrenpräsident der spanischen Sektion der Umweltorganisation WWF.
Brigitte Bardot, die sich nach ihrer Schauspielkarriere als Tierschützerin engagiert, verglich Juan Carlos in einem Brief mit Wilderern. "Das ist (...) widerlich und unwürdig für eine Person Ihres Ranges", heißt es in dem Schreiben, das von Bardots Stiftung verbreitet wurde. "Ihre Majestät, ich wünsche Ihnen keine zügige Genesung, wenn dies dazu führt, dass sie Ihre mörderischen Reisen nach Afrika oder anderswohin fortsetzen, aber ich hoffe, dass dieser Sturz Ihre Gedankenwelt wieder in Ordnung bringt", so die 77-Jährige.
Juan Carlos hatte sich bei einem Sturz die Hüfte gebrochen, nur so wurde bekannt, dass er zur Jagd in Botswana weilte. Der König habe im Okavango-Gebiet Elefanten gejagt, sagte der botswanische Regierungssprecher Jeff Ramsay. "Er hatte eine Genehmigung."
Auch der WWF Deutschland kritisierte den Jagdausflug: "Wir gehen davon aus, dass es sich um eine legale Trophäenjagd gehandelt hat. Als Ehrenpräsident des spanischen WWF hätte er das aber lieber bleiben lassen sollen", sagte Sprecher Roland Gramling in Berlin. Die spanischen Kollegen seien im engen Kontakt mit dem dortigen Königshaus: "Es besteht Erklärungsbedarf."
Auf einer spanischen Website haben bisher fast 50.000 Menschen eine Petition zur Absetzung des Ehrenpräsidenten unterzeichnet. "Die Bestürzung ist gut nachvollziehbar. Wir sind von den Meldungen am Wochenende genauso überrascht worden", so Gramling. "Auch wenn es für manche Naturschützer schwer nachvollziehbar ist: Nach Ansicht des WWF kann die Trophäenjagd - sofern sie der Arterhaltung und dem Naturschutz dient - unter strengen Voraussetzungen sinnvoll sein."
Die relativ hohen Abschussgebühren - laut WWF werden pro erlegtem Tier etwa 20.000 Euro fällig - müssten dabei aber der regionalen Bevölkerung und dem Naturschutz zu Gute kommen. 2011 seien in Botswana im Zuge einer "regulierten und nachhaltigen Trophäenjagd" etwa 400 Elefanten erlegt worden.
Angesicht der heftigen Kritik bemüht Juan Carlos nun offenbar um Schadensbegrenzung. Unmittelbar nach seiner Entlassung aus dem Krankenhaus wolle er am Freitag gemeinsam mit Ministerpräsident Mariano Rajoy beraten, wie den Vorwürfen begegnet werden solle, berichtete die Tageszeitung "El Mundo".
Der linke Parlamentarier Gaspar Llamazares sagte, das Königshaus habe mit dem Jagdausflug gezeigt, dass es ihm an Sensibilität fehle in einer Zeit, in der viele Spanier nicht wüssten, wie die Zukunft ihrer Kinder aussehen werde. Derzeit ist fast jeder zweite Spanier unter 25 Jahren arbeitslos. Nach Ansicht der Zeitung "El País" hätte Regierungschef Rajoy den König dazu bringen müssen, die kostspielige Safari-Reise in Afrika abzusagen.
"Es wäre nicht schlecht", wenn der König sich bei den Bürgern entschuldigen würde, sagte der Regierungschef des spanischen Baskenlandes, Patxi Lopez. Juan Carlos habe zwar wie alle anderen Menschen ein Recht auf ein Privatleben. "In diesen Zeiten gibt es jedoch gewisse Dinge, die die Bürger nicht verstehen, und eins davon ist diese Reise", sagte Lopez. Der Chef der Sozialisten in Madrid, Tomás Gómez, ging in seiner Kritik noch weiter und rief den König dazu auf, er solle seiner Verantwortung als Staatschef nachkommen oder abdanken.
hut/dpa
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