Spitzer-Nachfolger Auch New Yorks neuer Gouverneur beichtet Affäre

Eliot Spitzer, Ex-Gouverneur von New York, kostete die Liaison mit einem Callgirl den Job. Sein Nachfolger David Paterson wollte alles besser machen - und doch bleibt alles beim Alten. Er habe über Jahre eine Geliebte gehabt, gestand der Politiker in einem Interview.


New York - David Paterson geht in die Offensive - und das, obwohl er eigentlich als pressescheu gilt: Eine Woche nachdem sein Vorgänger Eliot Spitzer wegen einer Affäre mit einem Callgirl zurücktreten musste, plauderte New Yorks neuer Gouverneur in einem Interview mit der Zeitung "New York Daily News" offen über seine mehrere Jahre andauernde Affäre.

David und Michelle Paterson: Flucht nach vorne
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David und Michelle Paterson: Flucht nach vorne

Durch den Schritt wollte Paterson den seit einiger Zeit kursierenden Gerüchten, er habe ein uneheliches Kind, den Garaus machen. "Ab einem gewissen Punkt ging unsere Ehe schief", sagte er der "New York Daily News". "Wir sind dann zusammen zu einer Eheberatung gegangen und haben beschlossen, an uns zu arbeiten. Michelle weiß sehr genau darüber Bescheid, was damals passiert ist."

Das Interview mit dem Ehepaar Paterson fand laut dem Zeitungsbericht im Büro des Politikers statt, während Parteifreunde und Bekannte seinen Amtsantritt feierten. In dem Interview stellte der Gouverneur auch einen Zusammenhang zum unfreiwilligen Abgang seines Vorgängers her. Nach der Prostitutionsaffäre von Spitzer würden die persönlichen Angelegenheiten hoher Regierungsbeamter ohnehin überaus genau betrachtet.

Ein Hotel - für die Frau und die Geliebte

Das Gerücht, ein uneheliches Kind zu haben, wies Paterson entschieden zurück. "Glauben Sie nicht, dass er sich um sein Kind kümmern würde, wenn er eines hätte?", fragte Michelle Paterson. "Wie bei vielen anderen Paaren gab es auch in unserer Ehe schwere Zeiten."

David Paterson sagte, seine Affäre habe von 1999 bis 2001 gedauert. Mit der Frau, deren Namen er nicht nannte, sei er immer in einem bestimmten Hotel abgestiegen - in das er später auch regelmäßig seine Frau eingeladen habe, vor allem zu der Zeit, in der sie versucht hätten, ihre Ehe zu retten. "Das Hotel lag sehr günstig, da es nur vier U-Bahn-Stationen von meinem Büro entfernt ist", sagte Paterson.

Michelle Paterson betonte in dem Gespräch, sie vertraue ihrem Mann voll und ganz. "Ich denke das Leben an sich ist sehr zerbrechlich. Man weiß nie, was geschieht. Aus diesem Grund sollten wir auch nicht vorschnell über andere urteilen. Ich habe einen Grundsatz in meinem Leben: Man muss die Menschen ihr Leben leben lassen. Ich bin fest überzeugt, dass mein Mann mich liebt und ich weiß, dass er sich hingebungsvoll um die Familie kümmert." Über andere Frauen werde sie sich nicht den Kopf zerbrechen.

Schweres Erbe des Vorgängers

Paterson wurde bei seinem Amtsantritt gestern als besonders integere Persönlichkeit gewürdigt, die der Regierung des US-Staates in Albany nach einem Jahr der Tumulte wieder in eine Phase der Stabilität führen kann.

Sein Vorgänger Eliot Spitzer hatte sich nach einem Zeitungsbericht über Kontakte zu einem Prostituiertenring öffentlich entschuldigt. Aus Ermittlungskreisen verlautete, der 48-Jährige habe mehrere zehntausend Dollar für die Dienste von Edelprostituierten bezahlt. Der Druck auf den Politiker war daraufhin binnen weniger Tage dramatisch angestiegen. In einer Umfrage sprachen sich mehr als zwei Drittel der New Yorker für einen Rücktritt Spitzers aus. Wäre er dem nicht durch seine Rücktrittsankündigung zuvorgekommen, wären laut der Umfrage 66 Prozent sogar für eine Amtsenthebung gewesen. Die oppositionellen Republikaner im Parlament des Staates New York hatten ihm ein solches Verfahren bereits angedroht.

han/AP

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