Bikini-Ausgabe der "Sports Illustrated" Mehr Speck wagen

Zum ersten Mal ist in der Bademoden-Ausgabe der "Sports Illustrated" ein Übergrößenmodel zu sehen, mit Schwabbelbauch und Speckröllchen. Wie schön! Doch der Schritt geht nicht weit genug - siehe Cover.

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Es ist heiß. Die Sonne scheint vom blauen Himmel, die Palmenblätter schaukeln leicht im Wind. Eine Frau im schwarzen Bikini schreitet in Zeitlupe am Pool entlang, drei Sixpack-Männer kommen bei ihrem Anblick ins Schwitzen. Die Brünette fährt sich durch ihre langen Haare. Und ihr Bauch, ihre Oberschenkel - sie schwabbeln. Wie schön!

Die Frau aus dem Video ist Ashley Graham, 26 Jahre alt, Model und das neue Gesicht der Kampagne "Curves in Bikinis". Damit hat sie jetzt Geschichte geschrieben: Grahams Foto wird in der Bademoden-Ausgabe der "Sports Illustrated" zu sehen sein. Nie zuvor hat es ein Plus-Size-Model ins Heft geschafft. Und Graham verdient diesen Namen tatsächlich.

Oft ist es so: Sobald ein weibliches Model Kurven hat und nicht so aussieht, als hätte es vier Wochen lang nur Algenshakes zu sich genommen, wird es für seine Weiblichkeit gefeiert - und gern mit dem Attribut "Plus Size" versehen. Doch Graham ist tatsächlich rund: mit kräftigen Beinen, mit breiten Hüften und speckigen Oberarmen. Sie trägt Kleidergröße 44. Und sieht umwerfend aus.

Es wird Zeit, dass in den Hochglanzmagazinen häufiger solche Frauen zu sehen sind. Frauen, die ihre Rundungen nicht unter Stoffbahnen verhüllen, sondern selbstbewusst zu ihren Maßen stehen. Dass Graham ausgerechnet im "Sports Illustrated Swimsuit Issue" zu sehen ist, und sei es nur als Teil einer Werbekampagne, könnte Signalwirkung für die Branche haben, denn es ist nicht irgendein Heft. Seit 1964 gibt es jährlich eine Bikini-Cover-Ausgabe, sie ist eine Art brave Porno-Variante und hat zahlreiche Karrieren befördert, darunter die von Kate Upton und Heidi Klum. Dass dieses Kultheft Platz für eine Frau wie Graham macht, war längst überfällig. Doch der Schritt geht nicht weit genug.

Denn ihr Foto wird im Magazin versteckt. Auf dem Cover lächelt die sehr blonde, sehr große, sehr dünne Hannah Davis. Starfotograf Ben Watts hat die 24-Jährige im knappen Triangel-Bikini abgelichtet, das Höschen hat sie mit beiden Händen so weit heruntergezogen, dass ihr Bild auf Twitter mit dem Hashtag #Vagina geteilt wird. Selbst für die "Sports Illustrated" ist das ein besonders freizügiges Bild. Enthüllt wurde es mit viel Getöse in der "Tonight Show" von Jimmy Fallon.

"Sex sells" - auf diesem Prinzip basiert der Erfolg der "Sports Illustrated". Aber auch Rundungen können sexy in Szene gesetzt werden, das beweisen die Fotos und Filmaufnahmen von Graham. Am Ende des Clips dreht sie der Kamera den Rücken zu, sie wirft ihr Bikini-Oberteil von sich, bedeckt die Brüste mit ihren Händen. Graham dreht sich leicht in Richtung Kamera - und auf ihrem Rücken bilden sich, wie bei so vielen Frauen, Speckröllchen. Und genau die gehören aufs Cover.

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 79 Beiträge
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Seite 1
Kleinfinger 05.02.2015
1. Nichts zu sehen
Schwabbelbauch? Speckröllchen?? Ja, wo denn??? Die Frau auf dem Bild hat Kurven, ja. Aber wer dort einen Schwabbelbauch sieht, muss wohl mit Blindheit geschlagen sein.
UncleRuckus 05.02.2015
2. Na toll
Jetzt wollen die Feministen auch Supermodels werden, oder wie? Was kommt als nächstes? Vielleicht Models mit unrasierten Achselhöhlen? Hier zeigt sich leider die totalitäre Gesinnung. Niemand verbietet doch den Feministen ein eigenes Magazin für sich zu gründen, da könnt Ihr jeden ablichten den Ihr wollt. Und solche Magazne gibt es sogr bereits. Doch das reicht anscheinend nicht, die Feministen wollen ja die Welt nach ihrer Gesinnung verändern. Und Sie "wissen" zu hundert Prozent dass sie richtig liegen. Mit solchen Gruppierungen hatte die Menschheit schon immer ihre Probleme, man schaue sich mal ein paar Geschichtsbücher an.
Hesekiel 05.02.2015
3.
"Denn ihr Foto wird im Magazin versteckt. Und auf dem Cover lächelt die sehr blonde, sehr große, sehr dünne Hannah Davis. Star-Fotografen Ben Watts hat die 24-Jährige im knappen Triangel-Bikini abgelichtet, das Höschen hat sie mit beiden Händen so weit heruntergezogen, dass ihr Bild auf Twitter mit dem Hashtag #Vagina geteilt wird." Wie der vorletzte Absatz die ganze Nummer (und eigentlich auch diesen Artikel) wieder in Relation setzt: Eine PR-Nummer, um die "zeigt doch mal echte (sic!) Frauen!"- Fraktion am Zeitschriftenregal abzuholen. Ich finde Davis im uebrigen auch interessanter, Mann muss eben nicht auf barroque stehen.. Mens health oder andere uebliche Verdaechtige bilden im Uebrigen auch keine Bierbaeuche oder Plautzen ab und mir geht es gut damit - dass die wenigsten Maenner so aussehen wie Herr Cover heisst nicht, dass nicht die meissten gern so (oder aehnlich) aussehen wuerden.
Schweizer 05.02.2015
4. umwerfend na ja :)
Tut mir leid ich finde so einen fetten Hintern nicht schön. Die Mehrheit teilt diese Ansicht scheinbar. Das heisst ja nicht, das jede Frau incl. meiner dünn sein muss. Aber warum soll ich (wenn ich überhaupt Spass dran habe) dicke Frauen in Zeitungen ansehen, da brauche ich nur auf die Strasse. Sorry für mich ist das mal wieder feministische Gleichmacherei. Lasst doch einfach jeden leben wie er will? OK diese ultradünnen Models mag ich auch nicht. Gar nicht. Aber fett muss nun ebenso wenig sein...
lillykatze 05.02.2015
5. Nett
Mir gefällt das Video. Die Frau ist hübsch und nicht mager. Nette Werbung. Gute Botschaft. Spricht an.
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