Staatsaffäre Berlusconi will Ehekrise vor Parlament klären

Der Rosenkrieg im Hause Berlusconi wird zur Staatsaffäre - das begreift jetzt offenbar auch Italiens Regierungschef selbst. Er erwägt eine Rede vor dem Parlament, um seine angebliche Liason mit einer 18-Jährigen aufzuklären. Berichten zufolge soll Berlusconi über das Verhältnis gelogen haben.


Rom - Der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi denkt darüber nach, sich vor dem Parlament zu seiner angeblichen Beziehung zu einer 18-Jährigen zu äußern. Er sei versucht, dies zu tun, werde aber noch eine Weile überlegen, sagte der 72-Jährige am Samstag in einem Interview mit dem Fernsehsender T9. Mehrere Abgeordnete der Opposition hatten den Regierungschef aufgefordert, öffentlich zu den Gerüchten Stellung zu nehmen.

Die Noch-Ehefrau Berlusconis, Veronica Lario, hatte vor drei Wochen angekündigt, dass sie wegen der chronischen Schwäche ihres Mannes für hübsche, junge Frauen die Scheidung wolle. Für Zorn im Hause Berlusconi hatte vor allem dessen Besuch zum 18. Geburtstag der Neapolitanerin Noemi Letizia gesorgt. Bei den Feiern seiner eigenen Kinder glänzte Berlusconi dagegen mit Abwesenheit.

"Engelsgleiches Gesicht"

Bislang hatte der 72-Jährige stets erklärt, er habe das Mädchen über ihre Eltern kennengelernt - sie sei eine "Freundin der Familie". Allerdings soll der italienische Regierungschef einem Zeitungsbericht zufolge über seine Beziehung zu der Neapolitanerin gelogen haben.

Tatsächlich habe der milliardenschwere Medienunternehmer im Oktober Fotos von ihr, die der Direktor einer seiner Fernsehsender bei ihm vergessen habe, entdeckt und sie daraufhin kontaktiert, schrieb die "La Repubblica" am Sonntag.

Die Zeitung beruft sich auf einen Ex-Freund der 18-Jährigen. Er habe sie angerufen und von ihrem "engelsgleichen Gesicht" und ihrer "Reinheit" geschwärmt haben, sagte der 22-Jährige. Berlusconi habe sich seiner Ex-Freundin gegenüber "väterlich" verhalten. "Er fragte sie, wie es in der Schule war, ob sie auch genug lerne."

Anmerkung der Redaktion: In der ursprünglichen Version dieses Artikels wurde Berlusconi irrtümlich als Präsident bezeichnet. Wir bitten diesen Fehler zu entschuldigen.

amz/AFP



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