"Schwarzwaldstube" Baiersbronn Sternekoch Wohlfahrt zieht sich zurück

Über ein Vierteljahrhundert hinweg verteidigte Spitzenkoch Harald Wohlfahrt drei Michelin-Sterne. Nun will der 61-Jährige die Leitung der "Schwarzwaldstube" abgeben - doch er kocht weiter.

Sternekoch Harald Wohlfahrt 2015
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Sternekoch Harald Wohlfahrt 2015


Spitzenkoch Harald Wohlfahrt zieht sich als Küchenchef aus dem Drei-Sterne-Restaurant "Schwarzwaldstube" im baden-württembergischen Baiersbronn zurück. Nach 40 Jahren übergibt er die Leitung des renommierten Lokals im Hotel "Traube Tonbach" an seinen langjährigen Sous-Chef Torsten Michel. Der 39-Jährige habe das Lokal bereits seit 2016 als Küchenchef gemeinsam mit Wohlfahrt in einer Doppelspitze geführt, sagte Hotel-Sprecherin Daniela Heykes.

Der 61-jährige Wohlfahrt ist der dienstälteste Drei-Sterne-Koch Deutschlands und verteidigt diese vom "Guide Michelin" vergebene höchste Auszeichnung der Spitzengastronomie seit 25 Jahren - Rekord in Deutschland.

"Guide Michelin" bedauert Wohlfahrts Rückzug

Unter Wohlfahrts Ägide lernten zahlreiche Spitzenköche; weit mehr als 70 Michelin-Sterne haben seine Schüler inzwischen erkocht. Ab Sommer will er kürzertreten - "ohne bestimmtes Datum, ein sanfter Übergang", sagte Hotel-Sprecherin Heykes.

"Herr Wohlfahrt ist eine Persönlichkeit, eine Institution", sagte Jörg Sackmann, ebenfalls Küchenchef in Baiersbronn - im Zwei-Sterne-Lokal "Schlossberg". "Er wird sicher fehlen", würdigte Sackmann Wohlfahrts Küche. Auch beim "Guide Michelin" bedauert man die Übergabe. Dass er die Sterne so lange immer wieder bekam, sei eine grandiose Leistung, sagte Sprecher Michael Küster. "Sein Rückzug ist ein Stück weit traurig."

Der "Traube", die neben der "Schwarzwaldstube" noch drei andere Restaurants beherbergt, will Wohlfahrt aber erhalten bleiben. Er sei dort weiterhin angestellt und wolle sich keineswegs zur Ruhe setzen - "auch nicht als Koch", sagte die Hotel-Sprecherin. Nur eben nicht mehr als Küchenchef.

"Herr Wohlfahrt hat viele Pläne und nun mehr Luft für neue Projekte", sagte Heykes. So wolle er sich mehr dem Ereignisrestaurant "Palazzo" in Stuttgart widmen, wo Wohlfahrt seit mehr als zehn Jahren Gerichte zwischen artistischen Darbietungen auftischt. "Er wird die Zeit gut zu nutzen wissen."

"Torsten Michel ist ein hervorragender Mann", lobte "Schlossberg"-Küchenchef Sackmann Wohlfahrts Nachfolger. "Er wird sich einen eigenen Stil aneignen müssen, und das ist gar nicht so leicht - gerade, weil er schon so lange mit Wohlfahrt zusammenarbeitet."

apr/dpa

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