Künstler im Visier der Ermittler: Steuerfahnder durchsuchen Baselitz-Villa

Künstler Georg Baselitz vor einer seiner Arbeiten: Villa aus viel Glas und Holz Zur Großansicht
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Künstler Georg Baselitz vor einer seiner Arbeiten: Villa aus viel Glas und Holz

Der Ankauf von Steuerdaten hat sein erstes prominentes Opfer in der Kunstszene gefunden: Nach SPIEGEL-Informationen durchsuchten Steuerfahnder am Ammersee die Villa von Georg Baselitz, dem weltberühmten Maler und Bildhauer. Die Ermittler sicherten kistenweise Unterlagen.

Hamburg - Steuerfahnder haben den weltberühmten Maler und Bildhauer Georg Baselitz ins Visier genommen. Nach SPIEGEL-Informationen durchsuchten bayerische Ermittler mit Unterstützung von Kollegen aus dem Rheinland das weitläufige Anwesen des Künstlers am Ammersee in Bayern.

Der 75-jährige Hausherr hatte möglicherweise kurz zuvor von der Aktion erfahren: Als die Fahnder klingelten, soll Baselitz auf dem Weg nach Italien gewesen sein. Dort besitzt er ein weiteres Domizil an der ligurischen Küste. Die Ermittler stellten kistenweise Unterlagen in Baselitz' Haus am Ammersee sicher.

Der Name des Künstlers soll in Unterlagen zu Kunden der Schweizer Großbank UBS aufgetaucht sein, die Nordrhein-Westfalens Landesregierung im vergangenen Sommer angekauft hatte (SPIEGEL 29/2012). Im Gegensatz zu Bayern-Präsident Uli Hoeneß soll Baselitz keine Selbstanzeige erstattet haben, obwohl in den Medien, auch im SPIEGEL, seit Monaten über den Ankauf von UBS-Daten berichtet wird. Die Bank fordert nach eigenen Angaben ihre Kunden "aktiv" auf, "bei Bedarf ihre Steuerprobleme zu lösen".

Auf Anfrage ließ Baselitz über seinen Sekretär ausrichten, dass er keine Steuern in Millionenhöhe hinterzogen habe, auch einen Haftbefehl habe es nicht gegeben. Die Ermittlungen dementierte er nicht und auch nicht, dass er eine Steuerschuld inzwischen beglichen habe.

Georg Baselitz, der als Hans-Georg Kern im sächsischen Deutschbaselitz geboren wurde, ist einer der höchstgehandelten Maler der Welt. Seine Gemälde erzielen auf Auktionen Millionengebote; selbst Aquarelle werden auf Messen für bis zu 500.000 Dollar angeboten. Auf dem Kopf stehende Motive waren lange sein Markenzeichen; vor einem scheinbar stürzenden Adler ließ sich der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder in seinem Arbeitszimmer mit Vorliebe fotografieren.

Vor sieben Jahren war Baselitz aus einem Schloss in Niedersachsen ausgezogen. Von den Schweizer Stararchitekten Herzog & de Meuron ließ er sich eine Villa aus viel Glas und Holz am Ufer des Ammersees errichten. Im Januar hatte sich der Maler und Bildhauer in einem SPIEGEL-Gespräch darüber empört, dass "trotz der ganzen Steuern", die die Künstler zahlten, "angeblich kein Geld da ist in diesem Land für die Kunst".

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insgesamt 73 Beiträge
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1. Verkehrte Welt
Zaphod 05.05.2013
Gerog Baseltiz hat so viel für Deutschland getan, er hat das Bild der Deutschen in der Welt zu recht gerückt, indem er es auf den Kopf gestellt hat. Er hat die 80er geprägt wie wenige Künstler. Dieser gute Mensch, die Mutter Theresa der Kunstwelt, der Pinselmeister aus der DDR, der furiose Farbenfetischist hat es nicht verdient, dass nun die Steuerfahndung bei ihm ist. Es ist ein Unding, dass dieser Umstand nun öffentlich geworden ist - hier muss die Schuld bei den Behörden gesucht werden. Warum sollte ein Künstler Steuern zahlen, wenn die Ankaufetats der Kunstmusen immer geringer werden?
2. der nächste Bitte
Zündkerze 05.05.2013
Vielleicht kann Herr Baselitz ja galubhaft machen das er nun zur Aktionskunst gewechselt ist und seine Steuerhinterziehung einen Teil der Performance darstellt.
3. In jedem Scharlatan steckt ein Genie
tomatosoup 05.05.2013
Auch in früheren Jahrhunerten gab es "teuere" Künstler und große Künstler. Meistens wurden die großen nach hundert Jahren teuer und die ehemals teueren billiger.Aber das interessiert weder den "teueren" Künstler noch den Kunsthandel, der ihn gepusht hat. Après moi le déluge. So bleibt nur noch der schöne Schein von des Kaisers neuen Kleidern. Wer den erzeugen kann, ist ein Scharlatan, ein superintelligenter Moneymaker. Kein Genie dieser Couleur zahlt freiwillig Steuern in Milionenhöhe - da müsste das Genie ja blöd sein. Und das, ja, das wäre dann wirklich eine contradictio in adjecto.
4. Der (unvollkommene) Visionär Baselitz
spon-4bq-bici 05.05.2013
Den Bundesadler nach unten zeigend darzustellen, zeugt von großer Imagination und Voraussicht. Dass so ein Kulturschaffender und Millionär als Kunst-Lieferant der deutschen und anderer Steuerhinterzieher noch in Deutschland wohnt, zeigt neben seinem Genie auch eine gewisse Schwäche: Er war dumm genug, als Großverdiener nicht in die Schweiz oder eine andere Steueroase auszuwandern, wie das viele Reiche vor ihm schon gemacht haben. Wahrscheinlich war er in Steuerdingen genauso beratungsresistent wie Bratwurst-Uli, der schon öffentlich geäußert hat, die "wichtigen" Entscheidungen in Finanzfragen würde er grundsätzlich selbst treffen.
5. keine ausnahmen bitte.
snigger 05.05.2013
Zitat von ZaphodGerog Baseltiz hat so viel für Deutschland getan, er hat das Bild der Deutschen in der Welt zu recht gerückt, indem er es auf den Kopf gestellt hat. Er hat die 80er geprägt wie wenige Künstler. Dieser gute Mensch, die Mutter Theresa der Kunstwelt, der Pinselmeister aus der DDR, der furiose Farbenfetischist hat es nicht verdient, dass nun die Steuerfahndung bei ihm ist. Es ist ein Unding, dass dieser Umstand nun öffentlich geworden ist - hier muss die Schuld bei den Behörden gesucht werden. Warum sollte ein Künstler Steuern zahlen, wenn die Ankaufetats der Kunstmusen immer geringer werden?
warum sollte hier eine ausnahme gemacht werden? wenn er als selbständiger etwas verkauft, dann muss er (wie jeder andere selbständige auch) seine gewinne versteuern. da er laut eigener aussage nix falsch gemacht hat ... wird ihm schon nix passieren ...
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