Streit um Jackson-Beerdigung: Bizarrer Abschied für König Einsam

Aus Los Angeles berichtet

Das Gezerre um den toten Michael Jackson nimmt absurde Züge an: Allerlei Stars und Sternchen in Hollywood sonnen sich im Glanz des verstorbenen King of Pop. Vorne mit dabei ist seine Familie. Der Clan plant jetzt eine bombastische Trauerfeier.

Hollywood kann im Tod durchaus diskret sein: Der Forest Lawn Memorial Park schmiegt sich sanft in die Hügel der Filmstadt. Von hier hat man einen wundervollen Blick auf Los Angeles. Dezente Metallplatten markieren die Gräber im sattgrünen Gras.

Hier sind viele Größen der Glitzermetropole bestattet: von Humphrey Bogart über Clark Gable bis Spencer Tracy. Doch um sie wird nicht viel Rummel veranstaltet. Ganz still liegen die Hügel am Anfang dieser Woche da, nur vereinzelt sind ein paar Blumen auf den Grabplatten drapiert. Es gibt keine auffälligen Hinweise auf die Ruhestätten der toten Promis. "Maximal drei Blumengestecke pro Grab", regelt ein großes Schild am Eingang die Trauerordnung.

Mit der Ruhe könnte es schon bald vorbei sein. Denn der legendäre Friedhof gilt als ein denkbarer Ort für die Bestattung des King of Pop, Michael Jackson. Noch steht nicht fest, wann und wo Feierlichkeiten stattfinden sollen. "Wir arbeiten an der Planung", ließ Familienoberhaupt Joe Jackson bislang nur verlauten. Man wolle erst weitere Untersuchungen zur Todesursache abwarten.

Die Verzögerung wundert kaum. Schließlich ist die Familie schon mit dem Streit ums Erbe ausreichend beschäftigt. Zwar hatte Jackson 400 Millionen Dollar Schulden. Allerdings verfügte er auch über Vermögenswerte von über einer Milliarde Dollar - die auf seine drei Kinder übergehen dürften.

Um den Nachwuchs balgen sich jetzt die lieben Verwandten. Jacksons 79 Jahre alte Mutter Katherine erhielt am Montag vorübergehend die Vormundschaft für Prince Michael Jr., 12, Paris Michael Katherine, 11, und Prince Michael II, 7. Sie will aber auch das endgültige Sorgerecht. Er denke nicht, dass es jemanden gebe, der besser für diese Aufgabe geeignet sei, sagte Familienanwalt Londell McMillan. Von der leiblichen Mutter der ersten beiden Kinder, Deborah Rowe, habe die Familie bisher nichts gehört, fügte er hinzu. Der jüngste Sohn wurde von einer Leihmutter geboren. Am 3. August soll eine Anhörung stattfinden.

Bis dahin dürfte Jackson beigesetzt sein. Dessen geliebte Neverland-Ranch in Santa Barbara County scheint nach Andeutungen von Jacksons Vater Joe dafür nicht mehr in Frage zu kommen. Eine Sondergenehmigung für eine Bestattung auf privatem Grund wäre notwendig, zudem könnte der erwartete Massenansturm die abgeschiedene Ranch-Umgebung vor Platzprobleme stellen.

Noch ist nicht einmal offiziell geklärt, nach welchem Glauben Jackson bestattet werden soll - anders als einer seiner Brüder ist er wohl nicht zum Islam übergetreten. Doch welche religiösen Präferenzen er hegte, ist wie so vieles in seinem Leben unklar.

Millionen Trauergäste werden erwartet

Fest steht wohl nur: Eine diskrete Angelegenheit wird die Zeremonie nicht. Zu groß ist der erwartete Ansturm der Trauernden. Jacksons Stern auf dem Hollywood Boulevard ist auch am fünften Tag nach seinem Tod immer noch umlagert. Es existiert eine eigene Internet-Seite mit den letzten Informationen zur Beerdigung.

Für eine öffentliche Trauerfeier rechnen Planer mit bis zu einer Million Menschen, weit mehr noch als bei der Beisetzung von Prinzessin Diana 1997 oder Elvis Presley 20 Jahre zuvor. Fast eine Milliarde Menschen könnten weltweit am Fernseher zuschauen.

Jacksons Familie dürfte an einem stillen Abschied ohnehin wenig Interesse haben. Zwar rief sie dazu auf, ihre Privatsphäre zu wahren. "Für euch war er eine Ikone, für uns war er Familie", sagte Schwester Janet Jackson beim Festakt des Black Entertainment Television (BET) am vergangenen Sonntag in Los Angeles.

Doch die Jackson-Familie hat immer selbst das Rampenlicht gesucht - und könnte auch den Tod des berühmtesten Clan-Mitglieds vor allem als Teil einer neuen Verwertungskette sehen.

Als Oberhaupt Joe am Montag eine Pressekonferenz gab, stellte er erst einmal sein eigenes Plattenlabel vor statt an den toten Sohn zu erinnern. Die Rede ist nun von Plänen für eine gewaltige öffentliche Abschiedsfeier, womöglich gar in verschiedenen Ländern, gefolgt von einer privaten Bestattung - angeblich weil der verstorbene Jackson sich dies so gewünscht habe. Der hatte einst gesagt, er wolle eine Beerdigung als größte Show der Welt, komplett mit Feuerwerken und allem Drum und Dran.

Es ist wieder cool, Jackson zu verehren

Doch nicht nur Familienmitglieder möchten sich nun wieder im Glanz des King of Pop sonnen - ungeachtet all der Erinnerungen an bizarre Auftritte und die Anklagen wegen Kindesmissbrauchs. Und so werden jede Menge Stars beim Mega-Abschiedsspektakel dabei sein wollen. Darunter wohl: Jacksons enge Vertraute Liz Taylor, Freund Paul McCartney oder Elvis-Tochter Lisa Marie Presley, die kurz mit Jackson verheiratet war und seit dessen Tod wieder durch die Talkshows tingelt.

Zum Tod von Michael Jackson
Sony BMG/Reuters

Musik, Bilder, Hintergründe: Alles über den King of Pop

Hinzu kommt Musiknachwuchs wie Justin Timberlake, Britney Spears oder Beyoncé, alle mehr oder weniger beeinflusst vom Jackson-Stil. US-Promis äußern sich im Minutentakt über ihre Trauer - sich an den verstorbenen Popstar laut zu erinnern, ist offenbar "cool" geworden. "Ich kann nicht mehr aufhören zu weinen", lässt Madonna vermelden. Die Klatschseite TMZ, die die Todesnachricht als Erste meldete, bietet einen Überblick über die Twitter-Updates der Stars zu seinem Tod. "Still remembering MJ", schreibt da etwa Rapper Snoop Dog.

Der eine oder andere dürfte auch auf einen Trauerauftritt hoffen, der das eigene Image hebt - immerhin ist dies Hollywood. Beim BET-Festakt war Moderator Jamie Foxx prompt in eine rote Lederjacke gekleidet, wie Jackson sie im "Thriller"-Video trug, und versuchte sich im Moonwalk.

"Ich wünschte, er wäre hier, um das zu sehen. Ich wünschte, die Welt hätte ihm die gebührende Anerkennung gezollt, als er noch lebte", klagte daraufhin ausgerechnet Vater Jackson. Denn Amerika ist nach langer Zeit wieder im Jackson-Fieber - darunter auch die afro-amerikanische Gemeinschaft, die den Popstar lange misstrauisch beäugte, weil der sich durch seine Schönheitsoperationen offenbar von ihr distanzieren wollte. "Es gibt keinen Grund, traurig zu sein", sagte Foxx. "Wir wollen diesen Schwarzen feiern."

Vorsichtige Trauer von Barack Obama

"Michael Jackson hat den Weg geebnet für Obama", rufen seit Tagen daher viele schwarze US-Künstler in TV-Mikrofone. Sie erinnern daran, dass der King of Pop Rassenschranken im Musikgeschäft und bei Sendern wie MTV einriss.

Das stellt Barack Obama vor eine gewisse Herausforderung. Der US-Präsident ist sich Jacksons historischer Rolle gewiss bewusst. Doch dessen Skandale und die Pädophilie-Vorwürfe geben auch Grenzen vor, wie offen der Präsident trauern darf. Bislang sprach Obama nicht selbst zu Jacksons Tod, er ließ seinen Sprecher Robert Gibbs dies erledigen - und auch der bemühte sich um vorsichtige Ausgewogenheit. Jackson sei eine "Musikikone" und "spektakulärer Künstler" gewesen, sagte Gibbs, es habe aber auch "tragische und traurige Aspekte in Jacksons Leben" gegeben.

Die öffentliche Trauerwelle könnte das Weiße Haus zur Trauernachbesserung zwingen. Schon ist zu lesen, die Obama-Regierung werde einen Vertreter zu Jacksons Beerdigung entsenden - wann und wo auch immer die stattfindet.

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