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30. Dezember 2012, 14:17 Uhr

Südafrika

Sieben Tote nach Fitnesstest für Verkehrsbetriebe

Zehntausende Bewerber wollten unbedingt einen von nur 90 Jobs bei den Verkehrsbehörden in Südafrika. Dafür quälten sie sich durch eine harte Fitnessprüfung - bei 30 Grad im Schatten. Hunderte landeten im Krankenhaus, sieben Anwärter überlebten die Tortur nicht.

Pietermaritzburg - Der Wetterbericht für die südafrikanische KwaZulu-Natal-Provinz war bestens in den vergangenen Tagen. Immer rund 30 Grad, kaum eine Wolke am Himmel. Genau richtig für einen Trip an die Traumstrände der Region oder ein kühles Getränk im Schatten.

Mehr als 30.000 Menschen in Pietermaritzburg, rund 80 Kilometer nordwestlich von Durban, hatten am Donnerstag und Freitag jedoch etwas anderes vor. Sie buhlten um einen Job bei der Behörde für Verkehr und Transport. Bei der Bewerbung gehört ein Fitnesstest zum Pflichtprogramm. Die Prüfung entwickelte sich zum Alptraum.

Sieben Menschen starben, mehr als 200 mussten in Krankenhäusern behandelt werden. Elf befinden sich immer noch in einem kritischen Zustand. Die meisten der Opfer litten nach bisherigem Stand der Ermittlungen unter extremem Flüssigkeitsmangel während eines Vier-Kilometer-Laufs.

Willies Mchunu, in der Provinzregierung verantwortlich für die Verkehrsbetriebe, bestätigte am Sonnabend, dass der Test auf tragische Weise außer Kontrolle geraten war. "Rund 34.000 Menschen wollten sich für die 90 ausgeschriebenen Jobs bewerben. Viele von ihnen kamen mit den extremen Wetterbedingungen nicht zurecht und sind kollabiert", heißt es in seiner Mitteilung.

Die Massenveranstaltung fand in einem Stadion statt. Am Donnerstag hatten sich rund 16.000 Menschen eingefunden, am Freitag waren es noch etwas mehr. Man werde nun untersuchen, ob in der Sportarena ausreichend Rettungskräfte vor Ort gewesen sind, so Mchunu. Auch die Frage nach der Versorgung der Teilnehmer mit Getränken sei Teil der Nachforschungen."Wir bedauern diesen Vorfall sehr", so Mchunu, der alle weiteren Tests vorläufig absagte.

Schon jetzt gibt es erhebliche Vorwürfe gegen die Organisatoren. "Ich glaube, dass die Behörde das nicht im Griff hatte", sagte Thandeka Nkabinde, die ihren Sohn im Krankenhaus besucht hatte, dem Sender SABC: "Er ist sehr fit, hat keine Krankheiten, trotzdem ist er zusammengebrochen." Bewerberin Slindile Ngcobo sagte: "Ich glaube, dass vier Kilometer gerade für Frauen einfach zu weit sind."

Die südafrikanische Regierung hat eine umfangreiche Untersuchung der Vorfälle in Pietermaritzburg angekündigt.

jok

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