Suizid Polizei findet Abschiedsbriefe von Stardesigner McQueen

Der tot in seiner Londoner Wohnung aufgefundene Modeschöpfer Alexander McQueen soll Freunden Briefe hinterlassen haben, in denen er Gründe für seinen Selbstmord aufführt. Ob der 40-Jährige sich wie vermutet erhängte, ist bisher nicht bekannt.


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Alexander McQueen: Mut, Visionen, Provokation

London - Die Polizei habe im Hause des Verstorbenen "zahlreiche Mitteilungen" entdeckt, berichtet die britische "Sun" am heutigen Samstag. "Er hinterließ Briefe, in denen er sein Handeln erklärte", zitiert das Blatt einen Informanten aus Polizeikreisen.

Der 40-jährige McQueen war am Donnerstag tot in seiner Wohnung in Mayfair, im Zentrum Londons, aufgefunden worden. Die Polizei schloss ein Fremdversschulden schnell aus. Gerüchten zufolge soll sich McQueen in seinem Haus in der Nähe des Hyde Parks erhängt haben. Scotland Yard bestätigte diese Version bisher aber nicht. Am Montag soll die Autopsie vorgenommen werden.

Erst vor zehn Tagen war McQueens geliebte Mutter Joyce gestorben, zu der er ein sehr inniges Verhältnis gehabt haben soll. "Er liebte seine Mutter sehr, besuchte sie, um mit ihr auf dem Sofa zu sitzen und Tee zu trinken", sagte Modeberaterin Alice Smith am Donnerstag Reportern. Die Modejournalistin Hilary Alexander vom "Daily Telegraph" schrieb, dass McQueen nach dem Tod von Joyce so verzweifelt gewesen sei, dass er sich "der Zukunft nicht mehr stellen konnte".

Auf die Frage seiner Mutter, was ihn am meisten ängstige, hatte der Designer einst im "Guardian" geantwortet: "Vor dir zu sterben." Mit dem Tod von Joyce wurden McQueens schlimmste Befürchtungen Realität.

Bereits 2007 hatte eine weitere wichtige Frau im Leben des homosexuellen Künstlers, seine Mentorin und Entdeckerin Isabella Blow, Selbstmord begangen. Im vergangenen Jahr starb seine Tante Dolly, die stets seine Fashion-Shows besucht und seinen beruflichen Werdegang aufmerksam verfolgt hatte.

"Es ist so hart"

McQueens Bruder Michael, 49, sagte der Zeitung "The Evening Standard" die Familie versuche nach Kräften, mit der Situation klarzukommen. "Es ist so hart. Wir trauern. Alle sind zu bestürzt, um überhaupt etwas sagen zu können." Die Mutter wurde wie geplant am Freitag in London beigesetzt. Mehr als 100 Familienangehörige und Freunde fanden sich zur Beerdigung auf dem Manor Park Friedhof ein.

Nur wenige Wochen vor seinem Tod, hatte sich McQueens Freund, angeblich ein Pornodarsteller, von ihm getrennt. Noch im September hatte der Designer in einem seiner letzten Interviews gesagt, die Beziehung zu "Mr. Stag", den er offenbar über das Internet kennengelernt hatte, verlaufe gut. Erst im vergangenen Jahr soll McQueen laut "Sun" sein Testament geändert haben.

"Eine sehr mächtige Marke"

Supermodel Naomi Campbell und die australische Sängerin Kylie Minogue trugen zum Zeichen ihrer Anteilnahme einen McQueen-Schal mit Totenkopfmuster. Derweil stürmten Tausende Fans des Stylisten die Londoner Outlets, um noch eine Kreation der Modelegende zu erhaschen. Der Umsatz soll teilweise bis zu 1400 Prozent gestiegen sein.

Die Zukunft von McQueens Label, das im Modehaus Gucci beheimatet ist, bleibt nach dem Tod der Stilikone ungewiss. Branchenkenner gehen davon aus, dass die Linie ohne den Designer nicht profitabel sein werde. "Es ist eine sehr mächtige Marke, aber es ist nahezu unmöglich sie ohne ihn weiterzuführen", sagte die britische Modeexpertin Jessica Brown. Die letzte Kollektion der Stilikone soll im März auf der Pariser Fashion Week gezeigt werden.

Der Brite, Sohn eines Taxifahrers aus dem Londoner East End, entwarf bereits als Kind Kleider für seine Schwestern. Seine Ausbildung machte er unter anderem in der berühmten Londoner Savile Row beim Herrenausstatter Anderson & Sheppard, zudem absolvierte er die renommierte Modeschule Central Saint Martins College of Art and Design.

Zunächst galt McQueen als Enfant terrible der Modeszene, entwickelte sich aber in den vergangenen Jahren zu einem der einflussreichsten Vordenker seiner Branche. Mehrere Jahre arbeitete er als Chefdesigner bei dem französischen Modehaus Givenchy - seine Berufung zum Nachfolger John Gallianos 1996 war ein Paukenschlag. 2001 endete die Zusammenarbeit - McQueen fühlte sich "künstlerisch eingeengt". Seit 2000 vermarktete er unter dem Dach des italienischen Modekonzerns Gucci sein eigenes nach ihm benanntes Label. 2004 brachte er seine erste Herren-Modelinie auf den Markt, außerdem kreierte er Parfums.

ala



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