Til Schweiger über Dieter Wedel "Ein Menschenquäler"

Til Schweiger hat Verständnis für Missbrauchsopfer gezeigt, die erst nach Jahren an die Öffentlichkeit gehen. In der Debatte um Dieter Wedel sprach er auch über Machtstrukturen im Filmgeschäft.

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Die #MeToo-Debatte beschäftigt die deutsche Filmbranche spätestens, seitdem mehrere Frauen dem Regisseur Dieter Wedel sexualisierte Gewalt vorgeworfen haben. In der Debatte geht es auch um die Frage, warum sich viele der mutmaßlichen Opfer mit ihren Vorwürfen erst nach Jahren an die Öffentlichkeit wenden.

Til Schweiger hat nun um Verständnis dafür geworben. Das Zögern der Frauen erkläre er sich mit "der wahnsinnigen Macht", die Wedel gehabt hätte, sagte der Schauspieler und Produzent. "Wenn so ein Sender da nicht drauf reagiert, wo soll diese Frau, die schon sowieso traumatisiert ist durch das, was man ihr angetan hat, wo soll denn sie den Mut hernehmen gegen diesen Übermenschen auszusagen?", sagte er im Zusammenhang mit den Vorwürfen, der SR habe bereits früher von Übergriffen Wedels gewusst.

"Wir müssen sagen: 'Wir verstehen, warum ihr so lange gelitten habt und so lange nicht den Mut hattet'. Und nicht sagen: '20 Jahre hattet ihr die Chance und jetzt haltet die Klappe'", sagte Schweiger in der Talkshow von Markus Lanz. Damit widersprach er der Journalistin Gisela Friedrichsen. Sie warnte im Fall Wedel vor einer medialen Vorverurteilung und forderte Frauen auf, Taten frühzeitiger anzuzeigen, um sie juristisch besser aufklären zu können. "Wenn eine Frau so etwas erlebt, ist der angezeigte Weg zur Staatsanwaltschaft zu gehen", sagte die 72-Jährige.

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Missbrauchsopfer: Til Schweiger zeigt Verständnis

Wedel hatte alle Anschuldigungen zurückgewiesen. Schweiger hält die mutmaßlichen Opfer des Filmemachers aber offenbar für glaubwürdig: "Ich glaube nicht, dass drei Frauen nach 30 Jahren, die sich untereinander auch nicht kennen, sich jetzt absprechen und sagen, jetzt wird es Zeit den Wedel fertig zu machen."

"Es wussten nicht alle in der Branche, dass er vergewaltigt haben soll. Man wusste aber, dass er ein Menschenquäler ist", sagte Schweiger. Eine Kollegin, die er nicht namentlich nannte, habe ihm einmal berichtet, dass sie von Wedel verprügelt worden sei. Von den Vergewaltigungsvorwürfen habe er jedoch erst aus der Presse erfahren.

Es gehe in vielen Fällen gar nicht um Geschlechtsverkehr, sondern um die Demonstration von Macht. "Leute, die ihre Macht demonstrieren und ausleben wollen, können nichts weniger leiden, als wenn sich jemand widersetzt", sagte Schweiger. "Deswegen wollen sie diesen Menschen brechen, verletzen und erniedrigen." Man müsse den Opfern zuhören, ihnen glauben und sie ermutigen.

Schweiger kündigte auch an, bei den Dreharbeiten zu seinem neuen Film zwei Vertrauenspersonen einzusetzen. An sie könnten sich Crewmitglieder im Falle von sexuellen Belästigungen wenden.

#MeToo bei der Berlinale

Auch bei der anstehenden Berlinale ist die #MeToo-Debatte ein Thema. "Ich würde mich freuen, wenn von der Berlinale auch für Deutschland ein deutliches Signal ausgehen würde, dass sexuelle Übergriffe nirgends mehr geduldet werden dürfen", sagte der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig. Er forderte den Zeitungen der Funke-Mediengruppe zufolge auch eine Beschwerdestelle für die Filmbranche.

"#MeToo macht deutlich, wie schwer es ist, das Schweigen zu brechen, wenn es keine allgemein bekannten und leicht zugänglichen Beschwerde- und Hilfeangebote gibt und Frauen mächtigen Agenten, Regisseuren oder Produzenten gegenüberstehen", sagte Rörig dem Bericht zufolge.

Berlinale-Chef Dieter Kosslick sagte demnach: "Mit den Events, die wir bei den Filmfestspielen präsentieren, möchten wir auch zu einer Veränderung innerhalb der Branche beitragen." So gebe es Veranstaltungen zur Vielfalt, in denen es "nicht nur um Übergriffigkeit und Gewalt gegenüber Frauen und Kindern, sondern generell um Diskriminierung und Missbrauch" gehe. Zudem sei die Jury um Regisseur Tom Tykwer mit drei Männern und drei Frauen paritätisch besetzt.

Die Debatte über sexualisierte Gewalt und Diskriminierung hat ihren Ursprung in der US-Filmbranche. Im Herbst beschuldigten Schauspielerinnen den Hollywood-Produzenten Harvey Weinstein der sexuellen Belästigung. Seither meldeten sich unter dem Schlagwort #MeToo weltweit zahlreiche Betroffene auch aus anderen Branchen zu Wort.

bbr/dpa

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