Osterode am Harz Til Schweiger will Flüchtlingsheim in alter Kaserne errichten

Ein "Vorzeige-Flüchtlingsheim" soll es werden: Til Schweiger will in einer alten Kaserne in Osterode gemeinsam mit Freunden eine Unterkunft für Asylbewerber schaffen. Der Betreiber ist in der Region jedoch umstritten.

Schauspieler Schweiger (Archiv): Große Pläne in Osterode
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Schauspieler Schweiger (Archiv): Große Pläne in Osterode


Til Schweiger will sich persönlich für die Hilfe für Flüchtlinge engagieren und in Niedersachsen eine Unterkunft errichten. "Ich werde mit Freunden zusammen ein Flüchtlingsheim aufbauen", sagte der Schauspieler und Regisseur der "Bild am Sonntag". Anfang 2014 haben die Freunde demnach die Rommel-Kaserne in Osterode am Harz gekauft. "Wir wollen ein Vorzeige-Flüchtlingsheim bauen. Und ich werde eine Stiftung für traumatisierte Kinder gründen", sagte Schweiger.

So weit, so gut. Die Geschichte um die geplante Unterkunft in Osterode verläuft jedoch seit einigen Monaten kompliziert. Nun gibt es zu den Details widersprüchliche Angaben: Das Land Niedersachsen hatte in der Kaserne eigentlich bereits im Juni eine Erstaufnahmestelle für Flüchtlinge eröffnen wollen. Bisher sind die Verträge mit dem privaten Betreiber, der Firma Princess of Finkenwerder, nach Angaben aus dem Innenministerium aber noch nicht unterzeichnet.

"Das ist noch nicht eingetütet. Wir freuen uns, dass sich auch Herr Schweiger dort engagieren möchte", sagte der Sprecher des niedersächsischen Innenministeriums, Philipp Wedelich, der Deutschen Presse-Agentur. Schweiger hatte hingegen der "Bild am Sonntag" gesagt, seit Donnerstag sei alles unter Dach und Fach.

Vorgesehen war, dort zunächst etwa 200 und später bis zu 600 Flüchtlinge unterzubringen. Eine Bürgerinitiative in Osterode hatte im Frühjahr erhebliche Bedenken gegen die Princess of Finkenwerder als Betreiber geäußert. Die Firma sei keine Non-Profit-Organisation, sondern ein gewinnorientierter Betreiber. Deswegen gebe es in Bezug auf die Qualität der Unterbringung große Sorgen in der Bevölkerung.

Aufregung lösten auch Berichte aus, denen zufolge ein Geschäftspartner des Unternehmens in der internationalen Sicherheitsbranche tätig sein soll - ausdrücklich auch in Krisengebieten. Diesen Zusammenhang hatte unter anderem der Linken-Kreistagsabgeordnete Frank Kosching scharf kritisiert.

Schweiger sprach nun von konkreten Ideen, in dem Heim solle es Freizeitangebote für Kinder, eine Sportanlage, Werkstätten und eine Näherei geben, damit die Menschen arbeiten könnten.

Zu seiner Motivation sagte der Filmemacher ("Honig im Kopf"): "Ich habe früher immer mit meiner Rolle als Schauspieler gehadert: Ich mache ja nur Faxen vor der Kamera und kriege dafür auch noch Geld. Jeder Polizist, jeder Soldat, jede Krankenschwester leistet mehr für die Gesellschaft. Ich vermiete nur mein Gesicht." Erst mit seiner Funktion als Regisseur habe er das Gefühl, dass er etwas geschaffen habe, das gesellschaftliche Relevanz habe. "Jetzt schaffe ich etwas viel Relevanteres."

Schweiger hatte sich zuletzt auch bei Facebook für Flüchtlinge starkgemacht und mit scharfen Worten auf teilweise rassistische Kommentare seiner Fans reagiert.

hut/dpa

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