"Time's Up" Hunderte Hollywoodstars starten Aktion gegen sexuelle Belästigung

Die Zeit für Sexismus und sexuelle Übergriffe ist vorbei: Unter diesem Motto haben 300 Hollywoodgrößen die Initiative "Time's Up" gegründet. Sie wollen betroffenen Frauen unter anderem mit 13 Millionen Dollar helfen.

"Time's Up"-Unterstützerinnen Reese Witherspoon, Jennifer Aniston, Shonda Rhimes
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"Time's Up"-Unterstützerinnen Reese Witherspoon, Jennifer Aniston, Shonda Rhimes


Mehr als 300 Hollywood-Künstlerinnen wollen der Belästigung von Frauen in der Filmindustrie und im amerikanischen Berufsalltag insgesamt ein Ende bereiten. Reese Witherspoon, Alyssa Milano, Maggie Gyllenhaal und viele weitere riefen dazu auf, sich der Initiative "Time's Up" (Die Zeit ist um) anzuschließen. Sie wollen künftig auch weniger privilegierten Frauen wie Arbeiterinnen, Kellnerinnen und Zimmermädchen Schutz vor und Rechtshilfe nach sexuellen Angriffen zu bieten.

Der Initiative gehören auch Schauspielerinnen wie Meryl Streep, Emma Stone, Cate Blanchett, Goldie Hawn und Gwyneth Paltrow sowie Regisseurinnen, Produzentinnen und Drehbuchautorinnen an. Spenden unter anderem von Witherspoon, Streep, Steven Spielberg und Kate Capshaw hätten einen Fonds für Rechtsbeihilfe ermöglicht, der bereits über 13 Millionen Dollar (knapp 11 Millionen Euro) verfüge, berichtete die "New York Times".

Die Initiative will sich außerdem für mehr Gleichheit in Filmstudios und Talentagenturen einsetzen und Gesetze voranbringen, die Firmen für sexuelle Übergriffe am Arbeitsplatz bestrafen sollen. Mehr Informationen zu den Plänen lesen Sie auf der Homepage von "Time's Up".

Im Kampf gegen sexuellen Missbrauch in der US-Unterhaltungsindustrie haben Filmstudios und Fernsehsender vor rund zwei Wochen eine Kommission gegründet. Ihre Aufgabe: für "sicherere, gerechtere und gleichberechtigtere Arbeitsplätze" sorgen - besonders für Frauen, aber auch für Randgruppen. Den Vorsitz hat die Juristin Anita Hill, die bereits vor 26 Jahren das Thema in die Öffentlichkeit gebracht hatte. 1991 hatte sie dem für das Oberste Gericht vorgesehenen Richter Clarence Thomas sexuelle Belästigung vorgeworfen.

Die meisten beschuldigten Politiker blieben bisher im Amt

In den vergangenen Monaten wurden im Zuge der #MeToo-Debatte weltweit zahlreiche Fälle bekannt, in denen Männern sexuelle Belästigung oder sogar Vergewaltigung vorgeworfen wird - in der Unterhaltungsbranche, aber auch in der Politik.

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US-Debatte: Vorwürfe, Reaktionen, Konsequenzen

In Großbritannien trat Verteidigungsminister Michael Fallon zurück, nachdem eine Journalistin ihm sexuelle Belästigung vorgeworfen hatte. In Österreich entschied der Politiker Peter Pilz, sein Parlamentsmandat nicht anzutreten - er soll eine Frau sexuell bedrängt haben. In den USA ist die Rede vom Weinstein-Effekt, ausgelöst durch die Vorwürfe gegen Filmproduzent Harvey Weinstein. Die Liste der Männer, denen in Amerika Missbrauch vorgeworfen wird, ist längst auf über 50 Namen angewachsen.

Die Konsequenzen fallen allerdings sehr unterschiedlich aus. Während mehrere Beschuldigte in der Entertainmentbranche ihre Jobs verloren, blieben die meisten beschuldigten US-Politiker bisher im Amt, etwa der Republikaner Roy Moore, der zuletzt bei der Senatsnachwahl in Alabama antrat. Wähler und Parteifreunde haben sie bislang verschont. Weinstein selbst wurde von seinem Studio gefeuert und ist untergetaucht, angeblich zu therapeutischen Zwecken.

mja/dpa

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vitalik 02.01.2018
1.
Interessant, in dem Artikel wird überwiegend von sexuellen Belästigungen der Frauen gesprochen, aber die Fotoserien hat auch Kevin Spacey gelistet, der einen jungen Mann belästigt hat. Leider lässt der Artikel offen, ob auch betroffenen Männer diese Hilfe nutzen können. Weiterhin ist es irgendwie komisch, dass es eine Privatorganisation braucht, wo das doch eindeutig die Aufgabe des Staates ist. Wobei die Frage ist, was genau die Organisation erreichen will, wenn die Vorfälle anscheinend nicht strafrechtlich relevant sind.
dasfred 02.01.2018
2. Ich unterstütze das Engagement der Frauen
Für Opfer sexueller Übergriffe, noch dazu verbunden mit einem starken Machtgefälle verbunden, ist jede Unterstützung nötig. Was ich SPON ankreide, ist, dass explizit darauf hingewiesen wird, das noch immer beschuldigte Politiker im Amt sind. So lange ist der Kachelmann Prozess nicht her, dass man vergessen haben kann, dass allein eine Beschuldigung kein Beweis und erst recht keine Verurteilung darstellt. Ich erwarte da mittlerweile eine eindeutige Differenzierung. Immerhin kann eine einzige falsche Beschuldigung nicht nur dem vermeintlichen Täter sondern auch der lobenswerten Aktion schaden.
DasOrakel 02.01.2018
3. Hysterie
Mir geht die weibliche Hysterie um das Thema eigentlich nur noch auf de Sack, meiner Ansicht nach kann es sicherlich sein, dass Männer in machtpositionen diese ausnutzen weil sie gewöhnt sind sich Erfolg einfach zu nehmen weil er ihnen gebührt, da sie ja tolle Hechte sind und der Wert eines Menschen immer am beruflichen Erfolg/Geld bemessen wird. Ferner erschliesst sich mir die Relevanz des Themas aufgrund des nachrichtenwerts hinsichtlich publikumsbezogenheit und dem heheren gerechtigkeitsideal das man als autor dadurch für sich in Anspruch nehmen kann. Mir ist klar das aufgrund allein dieser zwei Faktoren (jeder kann betroffen sein/autor ist Ritter des rechts) viele Journalisten von dem Thema angezogen werden wie Motten durchs Licht aber dennoch, es nervt. Die hypermoral die in sämtlichen Artikeln mitschwingt ist kaum zu ertragen und dadurch das jeder Schreiberling seinen Senf dazu abgibt und jeden 'fall' weltweit aufgreift um zu beweisen das Männer Frauen belästigen, hat man ja fast das Gefühl das eine Epidemie um sich geht, was aber nicht der Realität entspricht, denn durch übersteigerte Hysterie und ständiges wiederholen wird etwas suggeriert was es so nicht gibt und es entsteht eine sinnlose Debatte da die Leute die überwiegend für kulturelle bedingte sexuelle aufdringlichkeit bekannt geworden sind eure "alman-emanzen-texte" nicht lesen können oder wollen. Hauptsache alte weisse Männer verlieren ihren Ruf und fortschrittliche Frauen nehmen ihren Platz ein, aber was soll's gönnt euch Ladies, aber zeigt doch bitte mehr klasse dabei.
lilsue66 02.01.2018
4. Tolles Engagement!
Solang es noch Idioten gibt, die in Endlossätzen über weibliche Hysterie und sinnlose Themen schwurbeln, werden solche Berichte nötig sein. Die weibliche Hälfte des Erdballs ist unbestritten die hauptleidtragende Hälfte, wenn es um sexuelle Gewalt geht. Aber die männliche Hälfte sollte nicht vergessen, daß das soziale Engagement allen! Betroffenen hilft, wenn sich dadurch die Gesellschaft verbessert. Ein Blick über den eigenen Tellerrand hilft dabei ungemein. Hört endlich auf, rumzujammern und versteht die Wichtigkeit dieser gesellschaftlichen Umwälzung.
ergo-oetken 02.01.2018
5. Klagen können, so lange die Verjährung noch nicht eingetreten ist
Zitat von dasfredFür Opfer sexueller Übergriffe, noch dazu verbunden mit einem starken Machtgefälle verbunden, ist jede Unterstützung nötig. Was ich SPON ankreide, ist, dass explizit darauf hingewiesen wird, das noch immer beschuldigte Politiker im Amt sind. So lange ist der Kachelmann Prozess nicht her, dass man vergessen haben kann, dass allein eine Beschuldigung kein Beweis und erst recht keine Verurteilung darstellt. Ich erwarte da mittlerweile eine eindeutige Differenzierung. Immerhin kann eine einzige falsche Beschuldigung nicht nur dem vermeintlichen Täter sondern auch der lobenswerten Aktion schaden.
Ich verstehe die Aktion so, dass privilegiertere Frauen Geld sammeln, um es Frauen und Transpersonen zu ermöglichen, im Zusammenhang mit an ihnen verübten Sexualstraftaten juristische Verfahren anzustrengen.
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