Debatte über Missbrauchsvorwürfe Hollywoodstars fordern Ermittlungen gegen R. Kelly

R. Kelly soll Frauen missbraucht und erniedrigt haben, diese Vorwürfe gibt es seit vielen Jahren. Nun wendet sich die Organisation "Time's Up" gegen den Musiker - und stellt Forderungen an mehrere Unternehmen.

AFP

Neu sind die Vorwürfe nicht, aber sie sind heftig und von Dauer: R. Kelly, einer der prägenden R&B-Künstler der vergangenen Jahrzehnte, soll sich an Frauen und Jugendlichen vergangen haben. Bekannt ist das seit knapp zwei Jahrzehnten, erste Fälle landeten schon in den Neunzigerjahren vor Gericht - und nun holen diese Anschuldigungen den Musiker erneut ein.

Seit Beginn der #MeToo-Bewegung, die im vergangenen Jahr mit Enthüllungen über den Filmmogul Harvey Weinstein begann, steht auch der dreifache Grammy-Preisträger unter Druck. Bereits seit Monaten läuft eine Kampagne in sozialen Netzwerken, die Konsequenzen fordert für den Sänger - unter dem Schlagwort #MuteRKelly ("Schaltet R. Kelly stumm").

Tatsächlich, so berichtet es unter anderem die "New York Times", lief es für R. Kelly zuletzt nicht gerade rund: Nachdem er jahrelang mit Hits wie "Bump N' Grind" und "I Believe I Can Fly" trotz aller Vorwürfe Riesenerfolge feierte, mussten in jüngster Vergangenheit zehn seiner Konzerte abgesagt werden. Zudem trennten sich ein Jurist, ein Presseagent und ein Assistent von dem Musiker.

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Missbrauchsvorwürfe: Der Fall R. Kelly

Seit Montag unterstützt nun auch die einflussreiche Organisation "Time's Up" die #MuteRKelly-Aktion - unter anderem die Regisseurin Ava DuVernay, der Sänger John Legend und #MeToo-Gründerin Tarana Burke sprachen ihre Solidarität auch persönlich aus. Das Netzwerk Hunderter Hollywoodstars geht in einem offenen Brief detailliert auf den Fall R. Kelly ein.

"Die Narben der Vergangenheit stellen sicher, dass wir nicht interessiert sind an Strafverfolgung gegen jemanden ohne triftigen Grund", heißt es in dem Schreiben. "Wir fordern angemessene Ermittlungen und Untersuchungen der Missbrauchsvorwürfe gegen R. Kelly, die schwarze Frauen und deren Familien vor mehr als zwei Jahrzehnten erhoben haben."

R. Kelly stand wegen zahlreicher Vorwürfe, Frauen sexuell belästigt oder missbraucht zu haben, immer wieder in den Schlagzeilen: 2002 und 2003 war er zweimal wegen des Verdachts festgenommen worden, mit Minderjährigen Geschlechtsverkehr gehabt zu haben und davon Aufnahmen gemacht zu haben. 2008 sprach ihn ein Gericht in einem Missbrauchsprozess frei. Und im Sommer 2017 wurden Vorwürfe laut, R. Kelly habe mehrere Frauen wie ein Sektenführer in Abhängigkeit gehalten.

Die "Time's Up"-Initiative fordert nun von Unternehmen, die mit R. Kelly Geld verdienen, die Verbindungen zu dem Musiker zu kappen und sich von ihm zu distanzieren. Namentlich erwähnt werden unter anderem das Plattenlabel RCA Records, Spotify und Apple Music.

R. Kelly, der Missbrauchsvorwürfe in der Vergangenheit zurückgewiesen hatte, äußerte sich bislang nicht persönlich zu dem offenen Brief. Ein Manager des Musikers teilte in einem von "Variety" veröffentlichten Statement mit, dass die Initiatorinnen es vernachlässigt hätten, mit dem Musiker zu sprechen.

Sie seien daher zu einem Urteil gekommen, das nicht auf Fakten basiere. "Es wird bald klar werden, dass Herr Kelly das Ziel einer gierigen, bewussten und boshaften Verschwörung ist." Das Ziel dieser Kampagne sei es, "ihn, seine Familie und die Frauen, mit denen er seine Zeit verbringt, zu erniedrigen".

Die Gegenseite ist anderer Meinung. Oronike Odeleye, eine der Initiatorinnen von #MuteRKelly, ist mit dem bisherigen Verlauf der Kampagne zufrieden. "Es fängt an, sich wie ein Erfolg anzufühlen", sagte sie laut "New York Times" am Montag. Nun bestehe endlich die Hoffnung, dass sich einiges ändern werde.

mxw

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Seite 1
exoholic 02.05.2018
1. Wo sind die Beweise?
Bestimmt ab jetzt der Mob über die Frage der Schuld? Wenn es keine Beweise gibt ist sowas doch reiner Rufmord. Diese Entwicklung ist mehr als bedenklich. Vergewaltiger sind das Letzte und gehören für immer weggesperrt, aber metoo ist nicht als Ankläger und Richter "in einer Person" zu gebrauchen. Jeder Mann steht zum Abschuss frei wenn es nur um Geschrei und nicht um Beweise und Fakten geht.
acitapple 02.05.2018
2.
Zitat von exoholicBestimmt ab jetzt der Mob über die Frage der Schuld? Wenn es keine Beweise gibt ist sowas doch reiner Rufmord. Diese Entwicklung ist mehr als bedenklich. Vergewaltiger sind das Letzte und gehören für immer weggesperrt, aber metoo ist nicht als Ankläger und Richter "in einer Person" zu gebrauchen. Jeder Mann steht zum Abschuss frei wenn es nur um Geschrei und nicht um Beweise und Fakten geht.
So gerne ich auch die metoo-Hysterie kritisiere, ich schätze in diesem Fall ist es wohl gerechtfertigt. Seit Jahren kommen immer wieder solche Geschichten ans Licht. Offenbar steht der feine Herr wohl auf die jungen Dinger und nicht unbedingt immer mit deren Einverständnis, aber er teilt sie auch gerne mit Kumpels. Ist mir schleierhaft, dass bisher noch keine Anklage stattgefunden hat. Offenbar zahlt er auch ganz gut, außergerichtlich.... Vielleicht sollte man doch mal genauer hinschauen.
jawahnsinn 02.05.2018
3. @ #1
absolut korrekt. Er wurde frei gesprochen seinerzeit. Es gab keine "außergerichtliche Einigung" sondern einen Freispruch. Alles andere ist Klatsch und Tratsch auf Bunte-Niveau. Und die MeToo-Bewegung in Kombination mit US-Amerikanischem Empörungskult ist ein sich selbst verstärkender, wie Tollwut wütender Mechanismus. Und - in der Tat - als Ankläger und Richter obliegt es dieser Bewegung, ob zum Abschuss freigegebene Verdächtige ihr Leben weiterleben können oder diese sich bis zum Ende aller Tage mit Gerichten und Rufmordkonsequenzen herumzuschlagen müssen.
exoholic 02.05.2018
4. Anklagen
Zitat von acitappleSo gerne ich auch die metoo-Hysterie kritisiere, ich schätze in diesem Fall ist es wohl gerechtfertigt. Seit Jahren kommen immer wieder solche Geschichten ans Licht. Offenbar steht der feine Herr wohl auf die jungen Dinger und nicht unbedingt immer mit deren Einverständnis, aber er teilt sie auch gerne mit Kumpels. Ist mir schleierhaft, dass bisher noch keine Anklage stattgefunden hat. Offenbar zahlt er auch ganz gut, außergerichtlich.... Vielleicht sollte man doch mal genauer hinschauen.
Wenn man lieber das Geld nimmt, anstatt ihn ins Gefängniss zu bringen und damit zu verhindern, dass er anderen schaden kann, hat man jedes Recht verloren sich noch zu beschweren. Es ist aber auch unerheblich wenn er sich mit zich Frauen umgibt die wie "Dreck" behandelt werden wollen oder es zumindes freiwillig zulassen wegen seines Reichtums. Wenn sie Erwachsen sind, sind sie auch selbst dafür zuständig sich nicht zu erniedrigen, solange kein Zwang vorliegt geht es einfach niemanden was an... Mit rechtsstaatlichen Methoden und nicht mit metoo-Pranger müssen solche Fälle geklärt werden, sonst ist es doch reine Anarchie. "Im zweifel für den Angeklagten" muss für Jeden gelten, es ist essenziell um Vorverurteilungen zu unterbinden.
Fackel01 02.05.2018
5. Hetze versus Justiz
Wenn jemand Anschuldigungen erhebt gehört R. Kelly angeklagt und wenn sich die aklagen belegen lassen gehört er verurteilt. Punkt aus. Die Vorverurteilung bzw. Lynchjusziz durch #metoo- Kanäle halte ich für extrem widerlich und gefährlich. Für mich ist das KKK Niveau.
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