Todesfall Jackson: Arzt ließ angeblich Beweise verschwinden

Michael Jacksons Hausarzt gerät bei den Untersuchungen zum Tod des Popstars immer mehr unter Druck. Neben seinem Versagen bei der Ersten Hilfe wird dem Mediziner nun von Zeugen vorgeworfen, Beweismaterial unterschlagen zu haben.

Todesfall Michael Jackson: Gelogen? Unterschlagen? Versagt? Fotos
REUTERS

Los Angeles - Schwere Vorwürfe gegen Conrad Murray, den Leibarzt des verstorbenen "King of Pop": In einer gerichtlichen Anhörung, die zu einer Anklage wegen fahrlässiger Tötung gegen den Mediziner führen könnte, sagte ein Zeuge am Mittwoch in Los Angeles, Murray habe nach Jacksons Tod Beweismaterial verschwinden lassen. Der Arzt habe ihn vor dem Eintreffen der Rettungssanitäter aufgefordert, medizinisches Material zu verstecken, so Alberto Alvarez, ein Mitarbeiter des Popstars.

Als er in Jacksons Schlafzimmer gekommen sei, habe Murray gerade an dem offenbar toten Sänger mit einer Hand eine Herz-Lungen-Reanimation (CPR) vorgenommen, sagte Alvarez. Der Arzt habe dann mehrere Medikamentenflaschen aufgesammelt und ihn gebeten, diese in eine Plastiktüte zu stecken.

Dann sei Alvarez von Murray gebeten worden, einen Infusionsbeutel vom Ständer zu nehmen. Darin habe sich eine "milchige Substanz" befunden. Der Beutel sei in einer anderen Tasche verschwunden. All dies sei geschehen, bevor der Notruf gewählt wurde, so der Mitarbeiter Jacksons.

Murray droht Prozess wegen fahrlässiger Tötung

Alvarez machte seine Aussage am zweiten Tag der Anhörungen vor einem Gericht in Los Angeles. Am Dienstag hatten bereits andere Angestellte von Michael Jackson den Arzt schwer belastet.

Richter Michael Pastor muss nach der auf bis zu zwei Wochen veranschlagten Anhörung mit etwa 35 Zeugen entscheiden, ob genügend Beweise vorliegen, um Murray den Prozess zu machen. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Arzt vor, keine angemessene medizinische Ausrüstung verwendet und nicht rechtzeitig einen Notarzt verständigt zu haben.

Der 57-jährige Murray soll Jackson in den Wochen vor seinem Tod am 25. Juni 2009 jeden Abend das starke Beruhigungsmittel Propofol gespritzt haben, damit er während der Vorbereitungsphase für seine geplanten Comeback-Konzerte in London gut schlafen konnte.

Die Autopsie ergab später, dass der 50-Jährige an einer Überdosis des Mittels starb. Murray räumt zwar ein, Jackson Propofol verabreicht zu haben, weist aber jede Schuld am Tod des Popstars von sich. Bei einem Schuldspruch drohen ihm bis zu vier Jahre Haft.

bac/AFP

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