Argentinien Touristen im Selfie-Wahn lassen Baby-Delfin sterben

Anstatt das gestrandete Delfin-Baby zurück ins Meer zu bringen, machen Dutzende Touristen Selfies und schleppen das Tier an den Strand. Es stirbt unter den Sonnenstrahlen.


Ein Baby-Delfin wird an den Strand des Badeorts Santa Teresita in Argentinien gespült. Dutzende Touristen kommen angerannt, ein Mann hebt das Tier aus dem seichten Wasser, es wird von Hand zu Hand gereicht. "Gebt es zurück ins Wasser", rufen einige Frauenstimmen. Doch niemand tut es. Jemand legt das Delfin-Baby in den Sand, Kinder sind zu sehen, wie sie das Tier streicheln. Immer mehr Menschen kommen mit ihren Smartphones dazu und schießen Selfies. Am Ende ist das Tier tot.

Die Geschichte ereignete sich offenbar schon letzte Woche, wurde jedoch erst am heutigen Donnerstag von verschiedenen Medien aufgegriffen und tausendfach in sozialen Netzwerken geteilt - und verurteilt.

"Das ist so abartig. Einfach nur sprachlos." Und: "Menschen sind doch einfach nur kacke", hieß es auf Twitter. "Der Mensch war, ist und wird immer eines der egoistischsten Wesen dieser Erde sein", empörte sich eine Facebook-Userin.

Der kleine Franciscana-Delfin starb nach Angaben der Umweltschutzorganisation Vida Silvestre unter den Sonnenstrahlen. Mehrere Tierschutzorganisationen reagierten mit einem dringlichen Aufruf, nicht Selbstdarstellungsdrang vor den Schutz der Tiere zu stellen.

Franciscana-Delfine sind mit nur rund 1,5 Meter Länge die kleinsten ihrer Art. Sie leben ausschließlich an den Küsten Brasiliens, Argentiniens und Uruguays, wo sie oft in Fischernetzen hängenbleiben. Ihren Namen verdanken sie ihrer bräunlichen Farbe, die der Franziskaner-Kutte ähnelt.

kry/dpa

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