Transsexuelle bei "Miss Universe Canada" Gescheitert und doch gewonnen

Jenna Talackova nahm als erste Transsexuelle bei der Wahl zur "Miss Universe Canada" teil - und legte einen überragenden Auftritt hin. Zwar holte am Ende eine andere Kandidatin den Titel. Dennoch kann sich Talackova als Siegerin fühlen.

REUTERS

Toronto - Sie hatte wochenlang für den Auftritt im Wettbewerb gekämpft - und hat verloren: Jenna Talackova, 23, ist bei der Wahl zur "Miss Universe Canada" ausgeschieden.

Eigentlich hätte sie bei dem Schönheitswettbewerb gar nicht mitlaufen sollen. Denn Jenna Talackova kam als Walter zur Welt. Allerdings habe sie sich immer im falschen Körper gefühlt, mit 14 begann sie mit einer Hormontherapie, vor vier Jahren unterzog sie sich einer Geschlechtsumwandlung. Sie war bereits im Finale zur "Miss Vancouver", sollte dann aber beim nationalen Wettbewerb ausgeschlossen werden. Der Grund: Sie habe bei der Bewerbung falsche Angaben zu ihrem Geschlecht gemacht.

Allerdings wird in den Bewerbungsunterlagen nicht nach möglichen Geschlechtsumwandlungen gefragt. Voraussetzungen für eine Teilnahme an der Wahl zur "Miss Universe Kanada" sind laut Website der Veranstalter lediglich, dass die Frauen die kanadische Staatsbürgerschaft haben und zwischen 18 und 27 Jahre alt sind.

Als der drohende Ausschluss bekannt wurde formierte sich eine Unterstützerbewegung für Talackova. Zehntausende unterschrieben eine Online-Petition bei Change.org und hatten Erfolg: Sie durfte antreten - das gilt auch für künftige transsexuelle Kandidatinnen.

"Für uns ist sie eine Gewinnerin"

Bei dem Wettbewerb trat sie gegen 62 Kanadierinnen an, schritt im weißen Abendkleid über den Laufstieg, im knappen roten Kleidchen und in einem weißen Bikini. Dabei überragte sie viele ihrer Konkurrentinnen um fast zwei Köpfe und schaffte es immerhin unter die besten zwölf.

Die 26-jährige Sahar Biniaz, wie Jenna Talackova aus Vancouver, gewann zwar den Wettbewerb und wird Kanada bei der Wahl zur "Miss Universe 2012" im Dezember vertreten. Aber Jenna Talackovas Anwältin Gloria Allred sagte: "Ich denke, sie ist immer noch eine Gewinnerin." Jenna Talackova habe schließlich einen bedeutenden Erfolg für die Bürgerrechte errungen und dieser Erfolg sei wesentlich wichtiger als jeder andere Sieg, den sie hätte gewinnen können.

Ähnlich sieht es Susan Gapka, Vorsitzende von Torontos Trans Lobby Gruppe: Jenna Talackova habe der transsexuellen Community geholfen, sagte sie der kanadischen Zeitung "Toronto Star". "In unseren Augen ist sie eine Gewinnerin - als Frau, als Trans, als Aktivist und als Schönheitskönigin."

fln/dpa/AP



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insgesamt 16 Beiträge
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Seite 1
talackova 20.05.2012
1. Sieg und Niederlage
Zitat von sysopREUTERSJenna Talackova nahm als erste Transsexuelle bei der Wahl zur "Miss Universe Canada" teil - und legte einen überragenden Auftritt hin. Zwar holte am Ende eine andere Kandidatin den Titel. Dennoch kann sich Talackova als Siegerin fühlen. http://www.spiegel.de/panorama/leute/0,1518,834053,00.html
Es ist ein zwiespältiger Sieg. Zwar hat Sie sehr viel im Wettbewerb erreicht und mit einem Ehrentitel als Miss Congeniality die Herzen der Jury erobert, aber sie hat dafür viel der zukünftigen Normalität aufgegeben, da sie ab jetzt immer und überall als Transsexuelle erkannt werden wird.
sting111 20.05.2012
2. Seltsame Teilnahmebedingungen
Da blickt doch keiner mehr durch. So wie Playboy fast keine Modelle mehr ablichtet, die sich nicht oben kuenstlich erweitert haben, ist bei "Miss Universe" wohl auch jedwede chirurgisch-kosmetische Aufmotzung erlaubt. Grosse Frauen mit langen Beinen kommen in der Regel "besser an" - da ist doch die von den maennlichen Genen herruehrende Koerpergroesse ja wohl ein unfairer Wettbewerbsvorteil. Werden die Umgebauten bei der diesjaehrigen Olympiade jetzt auch bei den Frauenwettbewerben zugelassen ?
talackova 20.05.2012
3. Ja
Zitat von sting111Da blickt doch keiner mehr durch. So wie Playboy fast keine Modelle mehr ablichtet, die sich nicht oben kuenstlich erweitert haben, ist bei "Miss Universe" wohl auch jedwede chirurgisch-kosmetische Aufmotzung erlaubt. Grosse Frauen mit langen Beinen kommen in der Regel "besser an" - da ist doch die von den maennlichen Genen herruehrende Koerpergroesse ja wohl ein unfairer Wettbewerbsvorteil. Werden die Umgebauten bei der diesjaehrigen Olympiade jetzt auch bei den Frauenwettbewerben zugelassen ?
Ja, aber mehrere Jahre Hormontherapie lassen die Vergangenheit als großen Nachteil wirken. Es bleiben die schwereren Knochen des männlichen Körpers zusammen mit der zarteren Muskulatur des weiblichen. Das sind keine guten Bedingungen, darum sind Transsexuelle Sportler natürlich zugelassen, aber ohne Chance auf Sieg.
Corinna 20.05.2012
4.
Zitat von sting111Da blickt doch keiner mehr durch. So wie Playboy fast keine Modelle mehr ablichtet, die sich nicht oben kuenstlich erweitert haben, ist bei "Miss Universe" wohl auch jedwede chirurgisch-kosmetische Aufmotzung erlaubt. Grosse Frauen mit langen Beinen kommen in der Regel "besser an" - da ist doch die von den maennlichen Genen herruehrende Koerpergroesse ja wohl ein unfairer Wettbewerbsvorteil. Werden die Umgebauten bei der diesjaehrigen Olympiade jetzt auch bei den Frauenwettbewerben zugelassen ?
Hinsichtlich der Körpergrösse sollten sie mal nachlesen was bei solchen Schönheitskonkurrenzen als MINDESTgrösse gefordert wird. Bei sportlichen Wettbewerben ist es so dass nach einigen Jahren Hormontherapie auch die Muskeln entsprechend schwächer werden, verbunden mit einigen Aspekten des vormals männlichen Körpers dürfte sich insgesamt ein Wettbewerbsnachteil ergeben.
quarry 20.05.2012
5. es heisst
GeschlechtsANGLEICHUNG nicht Umwandlung...
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