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Trauerfeier für Michael Jackson: Pompöser Abschied vom König des Pop

"Amerikanische Legende", "leuchtendes Licht", "größter Star auf Erden" - mit Komplimenten sparten die Festredner in Los Angeles nicht. In einer gigantischen Zeremonie haben sich Freunde, Fans und Familie von Michael Jackson verabschiedet. Doch der ganz große Ansturm blieb aus.

Los Angeles - Fast 20.000 Menschen im Staples Center von Los Angeles und Millionen Fernsehzuschauer in aller Welt verfolgten die zweieinhalbstündige Veranstaltung am Dienstag live. Den emotionalen Höhepunkt bildete der Auftritt von Jacksons elfjähriger Tochter Paris-Michael Katherine, die sich als letzte Rednerin an die Trauergäste wandte und unter Tränen erklärte, ihr "Daddy" sei der beste Vater gewesen, den man sich vorstellen könne.

Die Feier begann mit mehreren Minuten des Schweigens und der stillen Andacht, anschließend wurde Jacksons vergoldeter und mit einem großen Blumenbouquet geschmückte Sarg auf die Bühne gebracht. Soulstar Smokey Robinson verlas Würdigungen von Nelson Mandela, Diana Ross und anderen Freunden des Verstorbenen.

Viele Künstler zollten Jackson Tribut, darunter Mariah Carey, Lionel Richie, Stevie Wonder, John Mayer, Jennifer Hudson und Brooke Shields. Auf der Liste der geladenen Gäste standen auch Larry King, Dionne Warwick, Spike Lee, Usher, Kobe Bryant und Queen Latifah. Auf einer Großleinwand wurden Aufnahmen von wichtigen Stationen aus Jacksons Weltkarriere eingespielt.

"Zu einer Einheit verschmelzen"

Einer der Fans, der 31-jährige Niederländer Nils Raneijer, hatte vor der Trauerfeier prophezeit, dass "sie überwältigend sein wird und alle 20.000 Menschen in der Arena zu einer Einheit verschmelzen werden". Seine Voraussage erfüllte sich spätestens mit dem Jackson-Song "We Are The World", den Familienmitglieder, Stars und mehrere Kinder gemeinsam zum Schluss der Veranstaltung vortrugen.

Vor der Arena hatten verzweifelte Fans bis zuletzt gehofft, noch Zutritt zu der Megaveranstaltung zu bekommen. "Ich brauche eine Eintrittskarte. Bin eine passionierte Jackson-Anhängerin", schrieb eine junge Japanerin auf ein Poster.

Kitty, eine 43-jährige Yogalehrerin, hatte Glück und bei der Internetauslosung zwei Tickets gewonnen. Als ihr Freund in den Niederlanden "wegen des Rummels" abwinkte, verkaufte sie die zweite Karte zum Höchstangebot von 2000 Dollar, wie sie verriet. Die 33-jährige Spanierin Pilar Martinez appellierte an die Jackson-Familie: "Lasst ihn doch jetzt endlich in Frieden! Sein Leben war schwer genug".

Die Amerikanerin Denise Smith hatte auch ohne Aussicht darauf, die Gedenkfeier in der Konzert- und Sportarena live miterleben zu können, die 18-stündige Fahrt von Seatle nach L.A. auf sich genommen. "Nichts kann mich davon abbringen, in seiner Nähe zu sein. Auch wenn ich nichts sehen kann", sagte Smith.

Mehrere Packungen Taschentücher

Die 55-jährige Australierin Lynn Champion aus Melbourne erstand außer einem Ticket zum Preis von 700 Dollar auch mehrere Packungen Taschentücher für die Trauerfeier. Ihr Wunsch, dass ein gläserner Sarg ihr einen letzten Blick auf Michael Jackson erlauben würde, ging allerdings nicht in Erfüllung.

Der 29-jährige Kanadier Thierry Marceau sah dem Superstar in einer schwarzen Perücke, Maske und einem der typischen Jackson- Anzüge zum Verwechseln ähnlich. Sein Outfit verhalf ihm zur Gunst einer Jackson- Anbeterin aus Frankreich, die ihm ihr zweites Tickets wegen seines gelungenen Aussehens kostenlos überließ. Auf die Frage, ob die Gedenkfeier wohl nach Michaels Gusto verlaufen würde, sagte er: "Ich glaube, er hätte sich lieber wie im Märchen mit einer gläsernen Kutsche nach Neverland bringen lassen, wo dann alle seine Träume wahr geworden wären."

Der Ansturm der Fans in Los Angeles fiel aber insgesamt deutlich geringer aus als von der Polizei erwartet. Der stellvertretende Polizeichef Sergio Diaz sagte, die Behörden seien von 250.000 oder mehr Besuchern ausgegangen. Neben Journalisten und Gästen mit Eintrittskarten für die Trauerfeier hätten sich aber nur etwa 1000 Fans rund um das Staples Center versammelt.

Die Polizei hatte zuvor Besucher ohne Eintrittskarte aufgerufen, sich von der Arena fernzuhalten. Der Ort der Trauerfeier wurde großräumig abgeriegelt. Nur wer ein Ticket und das dazugehörige goldfarbene Armband am Handgelenk vorweisen konnte, erhielt Zutritt. Dutzende Straßenhändler verkauften Jackson-Souvenirs, wie T-Shirts, Buttons und Fotos.

"Du hast deinen Traum gelebt"

Den Gästen im Staples Center wurde ein goldenes Programmheft mit zahlreichen Fotos des Verstorbenen ausgehändigt. Jacksons Schwester La Toya erinnerte sich in einem Beitrag an den Tag im Jahr 1980, an dem ihr Bruder die Grammy-Verleihung verfolgte und weinte, weil er nur einen der begehrten Preise gewonnen hatte. Er schwor ihr, mit seinem nächsten Album so viele Grammys einzuheimsen wie keiner vor ihm.

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"Ich werde der größte und bedeutendste Entertainer aller Zeiten sein", zitierte ihn seine Schwester und fügte hinzu: "Du hast deinen Traum gelebt, du hast uns allen bewiesen, dass man etwas erreichen kannst, wenn man daran glaubt. Du hast daran geglaubt und meine Güte, du hast es erreicht!"

Zwei Stunden vor der öffentlichen Trauerfeier kamen Familie und Freunde zu einer privaten Zeremonie auf einem Prominentenfriedhof in den Hollywood Hills zusammen. Für den Autokorso, der mit Polizeieskorte von Jacksons Elternhaus zum Forest Lawn Memorial Park fuhr, wurden mitten im morgendlichen Berufsverkehr mehrere Straßen kurzzeitig gesperrt. Nach der Zeremonie luden kräftige Männer den Sarg mit Jacksons Leichnam in einen Leichenwagen und brachten ihn ins rund 15 Kilometer entfernte Staples Center.

Eine Polizeisprecherin erklärte später, Jacksons Leichnam werde nicht auf den Forest-Lawn-Friedhof zurückgebracht. Wo der Verstorbene beigesetzt werden sollte, sagte sie nicht.

Liz Taylor trauert lieber im Stillen

Jacksons Exfrau Debbie Rowe, die Mutter seiner beiden ältesten Kinder, nahm entgegen ursprünglicher Angaben nicht an der Trauerfeier teil. Auch Hollywood-Diva Elizabeth Taylor, eine langjährige enge Freundin des Verstorbenen, teilte mit, sie trauere lieber im Privaten. "Ich glaube einfach nicht, dass Michael wollte, dass ich meinen Schmerz mit Millionen anderen teile", schrieb sie auf Twitter. Ihre Gefühle seien keine öffentliche Angelegenheit. Die Trauerfeier im Staples Center bezeichnete sie als großes Tamtam.

Mehr als 1,6 Millionen Menschen hatten sich um die 17.500 Eintrittskarten beworben, die ihnen Zutritt zum Staples Center verschafften. Per Losentscheid wurden 8750 Fans ausgewählt, die je zwei Tickets erhielten. Im Internet wurden die ursprünglich kostenlosen Eintrittskarten zu Preisen von mehreren tausend Dollar gehandelt, obwohl die Veranstalter versuchten, den Verkauf auf dem Schwarzmarkt zu unterbinden.

Lesen Sie hier das detaillierte Protokoll der Zeremonie.

jdl/AP/dpa

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